Schildbürgerstreich am Pont Joseph Bech – Kirchberg

Straßenschilder wirken staatstragend, auch wenn sie Unsinn erzählen

Schulbüchern sollte man misstrauen. Straßenschildern offenbar auch. Am Kirchberg wird der ehemalige Premierminister Joseph Bech Opfer eines amtlichen Kunstfehlers, herrlich absurd. An Bechs Brücke nimmt Luxemburg es mit Daten nicht so genau.

Joseph Bech: ein „verfrühter“ Vorreiter der europäischen Idee?

Joseph Bech: ein „verfrühter“ Vorreiter der europäischen Idee? Editpress

Wenn man sich in Luxemburg auf etwas verlassen kann – und es gibt immer weniger, worauf man sich verlassen kann –, dann sind es Straßenschilder. Jene, mit denen auf eine wichtige Persönlichkeit, einen Ort oder eine Stadt aufmerksam gemacht wird. Sie hängen da und tun so, als wären sie Wahrheit in Aluminium: geschniegelt, reflektierend, staatstragend. Und genau deshalb wirken sie selbst dann noch überzeugend, wenn sie Unsinn erzählen.

Ort der Handlung ist der Kirchberg. Einem früheren Arbeitskollegen ist es aufgefallen: das amtliche Schild am „Pont Joseph Bech“. Der Name Joseph Bech steht darauf, darunter die Weiheformel „Ministre d’Etat, Président du Gouvernement, Promoteur de la Communauté européenne“. Ein rundum gelungenes Denkmal! Klingt nach großer Geschichte, nach Europa, nach Staatsraison. Und dann die Lebensdaten: 1841–1929. Hallo?

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