Twing Raid Tag V
Spanien war gestern, heute kommt die Wüste
Am Donnerstagmorgen ging es für die Twingos aus dem LGE von Algeciras mit der Fähre rüber nach Marokko. Ab Freitag warten dort Wüste und unkomfortable Pisten. Erfahrungsbericht, Teil 4.
Auch das gehört zum Roadtrip: Übernachten im Zelt in der Wüste, bei Minustemperaturen Foto: Gianni Mersch
Auf der Autopista del Sur lief bis zum Schluss alles wie am Schnürchen. Hier werden Verkehrssünder per Helikopter verfolgt, wunderschöne Obstbäume in voller Blüte wechseln sich ab mit Schlossruine, Mad-Max-Ranch, Stiersilhouette oder Toskana-ähnlichen Landschaften. Und überall quillt rostrote Erde hervor, noch kräftiger als in der Minetteregion.
Kurz vor Algeciras rollt unser „Fliegender Teppich“ über einen Asphaltflickenteppich mit eingebauter Sprungschanze. Wohl ein Vorgeschmack auf die Wüste …
Foto: Gianni Mersch
Als Tagesetappe galt es am Donnerstag, 573 km weit bis nach Aït Ayach im Atlasgebirge zu fahren. Dies bedeutete auch um 4 Uhr morgens aufstehen, ab 5 Uhr in der Warteschlange zu verharren und so gegen 8 Uhr mit der Ferry loszulegen. An Bord musste jeder einzelne Teilnehmer seinen Pass einem Zollbeamten aushändigen und zusätzlich musste jedes Auto getrennt angemeldet werden. Ein sehr lästiger Aufwand, jedoch notwendig.
Foto: Gianni Mersch
Erste Eindrücke von Marokko
Nach dem Verlassen der Ferry wurde der Pass auch zweimal kontrolliert und schon erscheint ein überraschend grünes Marokko vor uns. Die Autobahnen sind korrekt, nicht so breit wie in Europa, sehr schmale Pannenstreifen lassen jede Panne zum Thriller werden und der Verkehr bleibt überschaubar. Es gibt Mautstationen und Geschwindigkeitsradare, man darf 120 fahren, auf Landstraßen 100, in Ortschaften 40 oder 60. Unsere ersten Eindrücke passen zu einem modernen und recht entwickelten Land, weit weg von einer Drittweltnation.
Das dominante Grüne ist eine Konsequenz der heftigen Niederschläge und Überschwemmungen vor drei Wochen. Überhaupt kann die Twing Raid von Glück reden, dass der Zielhafen passgenau zu unserer Überfahrt nach einem Monat Schließung wegen Hochwasser wieder in Betrieb ging.
Qualität des Benzins
Eine unserer größten Sorgen war die Qualität des Benzins, welche wir vorfinden würden. Beim ersten Tanken bei Total gab es sehr wohl das Premium-Benzin. Eine sehr beruhigende Tatsache, da wir bei unserer Spaniendurchquerung bemerkt haben, dass 95-Oktan-Kraftstoff von einem No-Name-Anbieter ein Mehrverbrauch von einem Liter auf 100 Kilometern ausmacht. Das Auto reagiert zudem weniger spritzig, hat eine größere Reichweite und allein diese Tatsache macht in unseren Augen die Mehrkosten allemal wett.
Ein weiterer Augenschmaus sind die zahlreichen Störche, die wir beim Nesten beobachten können. Oder neben einer Mautstation einen Hirten mit Schafen zu erblicken. Was übrigens Spanien und Marokko gemeinsam haben, sind die fehlenden Wälder und eine gut gelaunte Sonne.
Für Donnerstagnacht haben wir uns auf Schlafen in Zelten bei Minusgraden eingestellt. Am Freitag beginnen dann die eigentlichen Wüstenstrecken. Müdigkeit und unkomfortable Pisten, wir kommen!

Foto: Gianni Mersch