Spektrum

Rümelingen: Zentrum für digitale Kunst, Teilhabe und Zukunft

„Re-Connected“ heißt die Ausstellung. Sie ist Programm. Nach Anfangsschwierigkeiten will das Kulturzentrum Spektrum in Rümelingen neu durchstarten. Ein visionärer Ort soll es sein, wo Vergangenheit auf digitale Kunst trifft und eine partizipative Zukunft schafft.

Bei einem improvisierten Live-Duett schufen Cellist André Mergenthaler und Elektrokomponist Pit Molling eine klangbasierte Skulptur zum Anfassen

Bei einem improvisierten Live-Duett schufen Cellist André Mergenthaler und Elektrokomponist Pit Molling eine klangbasierte Skulptur zum Anfassen Foto: Editpress/Georges Noesen

Manchmal sagt ein Titel alles. Re-connected – das klingt nach Neuanfang, nach Rückbesinnung, nach Brückenschlag. Und genau darum geht es in Rümelingen, wo am vergangenen Wochenende die erste große Ausstellung unter neuer Leitung eröffnet wurde. Guy Wolff, als Fotograf kein Unbekannter und seit Februar am Steuer des im Rahmen von Esch2022 entstandenen Kulturzentrums Spektrum, hat einen frischen Ton angeschlagen. Und dieser klingt vielversprechend: verbindend, offen, einladend.

Denn das Spektrum will mehr sein als ein Ausstellungsort. Es versteht sich als Labor – ein Ort der Begegnung zwischen gestern und morgen, zwischen analogem Erbe und digitaler Avantgarde. „Ein Ort, der allen offensteht, die sich oder andere inspirieren wollen“, wie Wolff bei der Vernissage betonte. Der Name ist Programm: Spektrum verweist auf ein ganzes Spektrum an Ideen, Disziplinen und Ausdrucksformen – von Skulptur bis KI, von Klangwellen bis zu Datenströmen.

Ein Avatar begrüßt die Gäste

Der Ort selbst erzählt Geschichte: Im Kulturzentrum befindet sich auch die ehemalige Wirkungsstätte des Bildhauers Albert Hames (1910-1989). Sein Atelier wurde renoviert und an den Neubau angegliedert. Es blieb erhalten und sieht so aus, wie er es 1989 hinterlassen hat. Seine klaren, schnörkellosen Werke, wie beispielsweise die Statue des Bürgermeisters und Abgeordneten Jean-Pierre Bausch im Rümelinger Stadtpark, präg(t)en das Luxemburg der Nachkriegszeit. Jetzt trifft seine Kunst auf die digitalen Welten von heute. Mit einem charmanten Kunstgriff wurde Hames selbst in die Gegenwart katapultiert: Auf Basis eines einzigen Fotos hat Künstler und KI-Entwickler Misch Strotz von LetzAI einen virtuellen Avatar geschaffen, der die Besucher in der Ausstellung persönlich begrüßt – genau an der Schnittstelle zwischen Alt und Neu. Ich weiß zwar nicht, wie mir geschieht, scheint Hames augenzwinkernd sagen zu wollen, aber er sei wieder da – „dank einer mir völlig unbekannten Technik“.

Musik anfassen können

Die Ausstellung „Re-connected“ macht Ernst mit dem Anspruch, multisensorisch zu sein: Lichtprojektionen, Klangskulpturen, digitale Fotografie, VR-Erlebnisse – alles greift ineinander, nichts bleibt zweidimensional. Mit dabei sind internationale und luxemburgische Künstler wie Miikka Heinonen, Boris Loder und Steve Gerges. Seine audiovisuellen Skulpturen „Towers“ draußen im Garten des Kulturzentrums verknüpfen das industrielle Erbe des Südens mit futuristischen Visionen. Bemerkenswert ist auch eine klangbasierte Skulptur, die aus einem improvisierten Live-Duett zwischen Cellist André Mergenthaler und dem Elektrokomponisten Pit Molling hervorgegangen ist. Ihre Klänge wurden per 3D-Druck in Form gegossen. Musik wurde zu Materie und so entstehen Werke, die nicht nur gehört, sondern auch gesehen, ja auch angefasst werden können.

Spektrum will nicht nur zeigen, sondern teilen. Mit Workshops, Diskussionsformaten und Mitmach-Angeboten soll ein Raum entstehen, in dem das Publikum nicht nur Konsument, sondern Akteur ist. Das Zentrum versteht sich als Plattform – für digitale Kunst ebenso wie für kulturelle Bildung, für lokales Schaffen wie für internationale Impulse. Kurz: als ein Ort, der das Verbindende sucht. In dem Sinne kann das Haus auch ausländischen Künstlern eine Residenz anbieten. 

Mit Re-connected wird die ursprüngliche Idee des Hauses wiederbelebt: ein Ort der Teilhabe, der Offenheit, der Schöpfung – gemeinsam, transdisziplinär, nachhaltig. Das merkt man auch an der Küche. „Das Herz des Hauses“, sagt Guy Wolff. Er kennt das Haus gut. Als Zehnjähriger hat er sich hier im Skulptieren versucht. Albert Hames ist sein Großonkel.

André Mergenthaler
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Wenn Kunst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpft
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