Liebe ist eine Minutenfrage

„Rote Nelken für Herkul Grün“ in einer Bühnenversion von Serge Tonnar

Zehn Jahre nach Roger Manderscheids Tod begleicht das Kasemattentheater eine offene Rechnung mit dem Luxemburger Schriftsteller und inszeniert die Originalfassung eines damals verworfenen Auftragsstücks. Das Problem: Die Uhrfassung von 1974 ist teilweise stark veraltet – und die neue Bühnenfassung weiß nicht so recht, was sie dem damals provokanten Stück hinzufügen soll.

Die Nachricht des Stücks: Bereits vor Covid-19 waren wir entfremdet und das Tragen der Masken ist nur noch das letzte Sinnbild des Auseinanderdriftens

Die Nachricht des Stücks: Bereits vor Covid-19 waren wir entfremdet und das Tragen der Masken ist nur noch das letzte Sinnbild des Auseinanderdriftens Foto: Tete Queiroga

Die Idee ist so verlockend wie halsbrecherisch: Nachdem Roger Manderscheid 1974 die Auftragsarbeit „Rote Nelken für Herkul Grün“ für das Kasemattentheater schrieb, wurde diese abgelehnt. Dass Manderscheid die Absage als demütigend empfand, geht aus der 1983 bei „éditions Phi“ erschienenen Erstauflage deutlich hervor: Noch vor der ersten Szene reproduziert Manderscheid in kleingedrucktem Text die Beweggründe des Ensembles – und beim Lesen dieser Zeilen kann man sich die Fassungslosigkeit des Schriftstellers förmlich vorstellen: „Verschiedene Mitglieder des Ensembles meinten, mit der Vorführung eines solchen Stücks laufe die Truppe Gefahr, vor leeren Stühlen zu spielen, das Stück sei zu modern, zu schwierig“; andere gaben zu bedenken, es wäre auf der „engen Bühne der Kasematten nicht aufzuführen“.

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