Ein Statement gegen die Straflosigkeit
Philippe Sands‘ „Die Verschwundenen von Londres 38“ über den chilenischen Diktator Pinochet und den Nazi Walther Rauff
Erst kürzlich ist Philippe Sands mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Wer sich ein Bild von den literarischen Qualitäten des britischen Menschenrechtsanwalts und Schriftstellers machen möchte, dem sei das im vergangenen Jahr erschienene Buch „Die Verschwundenen von Londres 38“ empfohlen.
Zwei Lebenswege: Diktator Pinochet und Scherge Rauff Fotomontage: WDR
Damit hat Augusto Pinochet nicht gerechnet. Der ehemalige chilenische Diktator liegt im Oktober 1998 in einem Bett einer Londoner Privatklinik und erholt sich von einer Rückenoperation, als vier Polizisten und eine Dolmetscherin sein Zimmer betreten und ihm mitteilen, dass er verhaftet sei. Der spanische Richter Baltasar Garzón hat einen internationalen Haftbefehl gegen den knapp 83-Jährigen erlassen und seine Auslieferung beantragt, um ihn wegen Völkermordes vor Gericht zu stellen. Pinochet habe Menschen foltern und verschwinden lassen.
Der von dem juristischen Tauziehen um die Auslieferung des Ex-Staatschefs erzählt, ist Philippe Sands in seinem Buch „Die Verschwundenen von Londres 38“. Der Professor für Internationales Recht ist nicht nur ein bekannter Menschenrechtsanwalt, sondern ein renommierter Schriftsteller. Erst vor wenigen Wochen wurde er in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Geboren 1960 in London, wollte er nicht als „Philippe Sands, der Brite“, Londoner oder Jude wahrgenommen werden, sondern als das Individuum Philippe Sands, sagte er einmal der Tageszeitung The Guardian.