Ehleringen

Pfosten statt Parkplätze: Gemeinde Sanem vergrault einem Friseur die Kundschaft

Das Parken vor dem „Fida Barber“ in Ehleringen gehört seit zwei Tagen der Vergangenheit an – der Betreiber ist ratlos. Die Gemeinde gibt an, die Bestimmungen seien von Anfang an klar gewesen: Ab 1. April ist das Parken hier tabu. Der Friseur sorgt sich um die Zukunft seines Ladens.

Einbetonierte Metallpfosten vor dem Friseursalon „Fida Barber“ machen das Parken seit Dienstag unmöglich

Einbetonierte Metallpfosten vor dem Friseursalon „Fida Barber“ machen das Parken seit Dienstag unmöglich Foto: Screenshot Instagram

Insgesamt drei Geschäfte sind in der Ehleringer rue de Mondercange Nr. 14 zu finden: ein Tattoo-Studio, ein Lebensmittelladen und ein Friseursalon. Die Kundschaft konnte ihr Auto bis vor ein paar Tagen noch vor den Lokalen auf drei Parkplätzen abstellen. Die Gemeinde installierte allerdings am Dienstag fünf Metallpfosten, die die Einfahrt für Autos blockieren. Fida Sawary, Betreiber des Salons „Fida Barber“, ist ratlos: „Ich verstehe die Entscheidung der Gemeinde nicht – die Parkplätze stellen absolut kein Sicherheitsrisiko dar.“ Die Kommune teilte dem Tageblatt mit, der Teilbebauungsplan (PAP) sehe in diesen Fällen sehr genaue Regulierungen vor, an die man sich halten müsse.

„Verlieren unsere Kundschaft“

Der Barbier führt seit gut einem Jahr einen eigenen Salon und fühlt sich von der Gemeinde zurückgewiesen. „Es gibt etliche Beispiele hier im Dorf, wo ebenfalls Pkws in den Einfahrten stehen“, so Sawary. Diese würden jedoch nicht von den Zuständigen belangt. „Wieso gelten die Bedingungen nicht für jeden?“, fragt er sich. Per Brief habe Sawary die Gemeindeverwaltung um eine Erklärung gebeten. Der Grund für das Parkverbot sei laut Sanemer Gemeinde die Sicherheit: „Die nahegelegene Bushaltestelle und der Bürgersteig wurden mir als Grund genannt. Dabei ragen die Autos nicht über die Stellplätze auf den Bürgersteig hinaus – wir befinden uns außerdem in einer 30er-Zone. Die Sicherheit der Fußgänger ist nicht in Gefahr“, erklärt Sawary.

Zur Kundschaft des Friseurs zählen viele Senioren und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. „Jetzt, wo die Parkplätze weg sind, sagten bereits mehrere Kunden, sie könnten nicht mehr zu mir kommen. Die Parksituation hier im Dorfkern ist eine Katastrophe“, erläutert der Betreiber besorgt. Das öffentliche Parken im Dorfkern soll zudem ab dem 1. April kostenpflichtig werden. 

„Nicht für Autos gedacht“

Auf Nachfrage des Tageblatt antwortet die Gemeinde Sanem, es handele sich bei besagter Einfahrt um eine „Servitude de passage“ – „eine Stelle, die nicht für Autos gedacht ist“. Dies sei bereits vor der Baugenehmigung des Gebäudes festgehalten worden. Die Installation der Metallpfosten sei mit dem Bauträger abgesprochen gewesen. Laut PAP sei es der Gemeindeverwaltung nicht erlaubt, Parkgenehmigungen auszustellen. Auf einer Staatsstraße und innerhalb einer 30er-Zone seien gesetzlich keine Senkrecht-Parkplätze gestattet. „Die öffentlichen Stellplätze sowie die Bushaltestellen werden teilweise durch die Senkrecht-Parkplätze gestört“, heißt es im kommunalen Statement.

Niemand sonst sei in diesem Dorfteil von den Regulierungen betroffen – es hinge allerdings immer davon ab, was die Kommune gemeinsam mit der Straßenbauverwaltung („Ponts et chaussées“) beschlossen hat und was im allgemeinen Bebauungsplan (PAG) vorgesehen ist. Die Gemeinde fördere außerdem die örtlichen Geschäftsleute: „Wir haben vier Parkplätze entlang der Lokale auf zwei Stunden limitiert – davon sind 30 Minuten gratis. Die Plätze sollen somit nicht durch Dauerparker besetzt sein. Der Parkplatz neben der Kirche wurde erneuert und vergrößert und auf fünf Stunden limitiert.“ Es sei während der Bauarbeiten ausnahmsweise gestattet gewesen, das Grundstück als Parkplatz zu nutzen. Die Kommunikation sei aber von Anfang an deutlich gewesen: Ab 1. März ist hier Schluss mit dem Parken. Sawary sieht das grundsätzlich anders: „Das Ziel der Gemeinde sollte doch sein, die lokalen Geschäfte zu unterstützen. Stattdessen nimmt sie uns die Parkplätze weg – wir verlieren unsere Kundschaft.“

So sah es vorher aus
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Jetzt verhindern Metallpfosten die Nutzung der Fläche
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