Nach Rechtfertigung des TICE

Personaldelegation: Zahlen und Aussagen stimmen „nicht mit der Realität überein“

Der Streit beim TICE nimmt kein Ende: Nachdem die Führung versucht hat, die Vorwürfe der Mitarbeiter-Schikane zu entkräften, kontert die Personaldelegation mit neuen Zahlen.

Der Streit geht weiter: Personaldelegation und TICE-Führung liefern sich aktuell eine Schlammschlacht wegen mutmaßlicher Mitarbeiter-Schikane

Der Streit geht weiter: Personaldelegation und TICE-Führung liefern sich aktuell eine Schlammschlacht wegen mutmaßlicher Mitarbeiter-Schikane Foto: Editpress/Alain Rischard

Der Streit zwischen dem TICE und seiner Personaldelegation spitzt sich zu. Anfang Juli hatte die „Fédération générale de la fonction communale“ (FGFC) auf mutmaßliche Missstände beim Transportsyndikat aufmerksam gemacht. Am Dienstag, rund einen Monat später, hat der TICE wiederum versucht, die Vorwürfe mit Transparenz zu entkräften. Nun reagiert die Personaldelegation am Mittwoch – und kritisiert die Rechtfertigungen des TICE.

„Leider müssen wir feststellen, dass die darin präsentierten Zahlen und Aussagen in wesentlichen
Punkten nicht mit der Realität übereinstimmen“, steht in der Pressemitteilung der Personaldelegation. Der TICE hat in seiner Mitteilung für bestimmte Zeiträume genaue Zahlen genannt, um so die Vorwürfe zu entkräften. Zwischen dem 10. Juni 2024 und dem 10. Juni 2025 sind laut TICE 51 Mitarbeiter zum Kontrollarzt geschickt worden – wovon 19 dann wieder zur Arbeit antreten mussten.

Die Vorwürfe

Die Gewerkschaft FGFC wirft dem TICE vor, gezielt Druck auf die Mitarbeiter auszuüben, um „die Belegschaft ‚auszudünnen‘, ohne auf teure Kündigungen oder offizielle Umstrukturierungen zurückgreifen zu müssen“. Krankmeldungen führten oft sofort zu Kontrollarzt-Vorladungen. Auch Arbeitsüberlastung, fragwürdige Disziplinarmaßnahmen und juristisch bedenkliches Verhalten seien keine Einzelfälle. Die Personalvertretung werde entweder „bewusst umgangen“ oder „in ihrer Funktion systematisch geschwächt“. (les)

Laut Personaldelegation wird durch diese gezielte Auswahl „die tatsächliche Situation im Unternehmen verharmlost und verfälscht dargestellt“. Denn zwischen Januar 2024 und 2025 wurden 56 Mitarbeiter zum Kontrollarzt geschickt, wovon elf am darauffolgenden Tag zur Arbeit zurückkehren mussten. Umgekehrt bedeutet das, dass knapp über 80 Prozent zu einem Kontrollarzt mussten, um „dort bestätigt zu bekommen, dass sie tatsächlich krank sind“, schreibt die Personaldelegation. Zum Vergleich: Im vom TICE angegebenem Zeitraum waren es 60 Prozent.

Kontrollarzt als Druckinstrument missbraucht

Zudem will der TICE künftig Mitarbeitern, die vom Kontrollarzt gesundgeschrieben werden, einen Tag ihres Gehalts abziehen – eine „Schikane“ laut Delegation. Der Kontrollarzt werde dadurch als Druck- und Disziplinierungsinstrument missbraucht. Viele Mitarbeiter würden sich dann nicht mehr trauen, sich krankzumelden – und krank zur Arbeit erscheinen. „Dies stellt ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko für das Fahrpersonal und die Fahrgäste dar“, schreibt die Personalvertretung.

Um ihren Punkt zu unterstreichen, hat die Personalvertretung zusätzlich Zahlen der Mitarbeiter-Abgänge parat: Im Jahr 2023 verließen lediglich vier Mitarbeiter den TICE. 2024 waren es dann bereits 15 Kündigungen – ein Anstieg von 275 Prozent. Und 2025 haben bis Juli bereits 13 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Insgesamt gab es damit innerhalb von 18 Monaten 32 Abgänge.

Auch zur Mitarbeiter-Umfrage hat die Delegation weitere Zahlen parat. Es haben nicht alle Arbeitnehmer daran teilgenommen, die höchste Quote gab es in der Verwaltung mit fast 90 Prozent. In der Werkstatt und im Fahrdienst ist sie niedriger, dort haben rund 68 beziehungsweise rund 60 Prozent der Belegschaft mitgemacht. Trotzdem fördert sie interessante Ergebnisse zutage: 71 Prozent des Fahrpersonals mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden, 88 Prozent aller Befragten sagen, die Bedingungen hätten sich in den letzten Jahren verschlechtert, 61 Prozent denken darüber nach, sich eine neue Stelle zu suchen und die Hälfte beschreibt das Betriebsklima als negativ.

Während laut TICE die Beziehung zur Personalvertretung „zu keinem Zeitpunkt abgebrochen“ worden sind, sieht die Delegation das anders. In zahlreichen Fällen musste sie schriftlich bei der TICE-Führung intervenieren – und erhalten nach eigenen Angaben in der Regel keine Antwort. Der nächste Schritt ist eine Protestaktion am 19. September 2025 – dort wird die Personalvertretung „noch ausführlicher auf die Missstände und das fortgesetzte Missmanagement beim TICE eingehen.“

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