Kultur News
Paul Thiltges Distributions droht Insolvenz, Eric Thill lügt nicht und Expos in der Hauptstadt
In der Luxemburger Kulturwelt rumort es: In der Causa CNA ist kein Ende in Sicht, in Paul Thiltges Produktionsfirma schon. Was es sonst noch zu berichten gibt? Hier die Tageblatt-Auswahl zum Wochenende.
Das Tageblatt präsentiert usgewählte News aus der Kulturszene auf einen Blick Foto: Pexels
EXPO Künstleirn Blanesth sieht in „5.000 miles“ blau
Blau, Blau und noch mehr Blau: Beim Betreten der Ausstellung „5.000 miles“ der Künstlerin Blanesth – bürgerlich Blanca Esther Gómez – in der Nosbaum Reding Gallery taucht man in eine Welt aus tiefen, vibrierenden Blautönen ein. Ausgangspunkt der Serie ist eine Reise quer durch die USA, von Seattle bis New York, genau 5.000 Meilen, auf der Suche nach Wasser, der Quelle des Lebens. Für dieses Projekt nutzt Blanesth die Cyanotypie: ein älteres fotografisches Verfahren aus dem 19. Jahrhundert, entwickelt von John Herschel und bekannt geworden durch Anna Atkins. Statt klassischer Fotografie verwendet sie die Technik wie einen Pinsel, der Wasser, Licht und Material in zufällige Bilder übersetzt. Blanesth arbeitet seit Jahrzehnten als Malerin und Grafikerin. Ihr Interesse gilt der Natur und dem Wasser; sie experimentiert mit Druck- und fotografischen Techniken, um Licht, Farbe und Material immer wieder neu zu entdecken. Genau das spiegelt sich auch in ihrer aktuellen Ausstellung „5.000 miles“ wider.

Blanesth inmitten ihrer Cyanotypien Foto: Giulia Goetz
Während der Reise sammelte sie Wasser aus Flüssen, Seen, Meeren und Regenfällen. Dieses Wasser reagiert bei der Cyanotypie direkt mit den eisenhaltigen Salzen auf dem Papier. Mineralien, Rückstände und Salze hinterlassen dabei ihre eigenen Spuren, sodass abstrakte Bilder entstehen, bei denen nicht nur die Künstlerin entscheidet, sondern auch das Wasser selbst. Motels wurden bei ihrer Reise zu provisorischen Dunkelkammern, Wäscheleinen zu temporären Arbeitsflächen. Über 50 Cyanotypien zeigen Wasser in all seinen Facetten, wie es fließt, Landschaften berührt und Spuren hinterlässt. „5.000 miles“ macht sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt: die Geschichten, die das Wasser selbst schreibt. (gg)
Nosbaum Reding Gallery, 4, rue Wiltheim, Luxemburg, bis zum 25. April 2026, Montag bis Freitag, 10-18 Uhr. Eintritt frei.
Ech hu kloergestallt, dass ech zu kengem Moment den éischte Pouvoir vun eisem Land ugelunn oder net richteg informéiert hunn
Kulturminister Eric Thill (DP) nach der Kulturkommission am Mittwoch, in der es erneut um die Causa CNA ging – dem Minister wird die Vermittlung von Falschinformationen an die Abgeordneten und Untätigkeit vorgeworfen
FILM Produktionsfirma von Paul Thiltges ist insolvent
Der Luxemburger Produzent Paul Thiltges gehört zu den wichtigsten Namen der nationalen Filmbranche, jetzt steht seine Produktionsfirma „Paul Thiltges Distributions“ (PTD) vor dem Bankrott. Das geht aus einer entsprechenden Anzeige im Tageblatt hervor. Thiltges ist unter anderem Mitbegründer der ersten Luxemburger Produktionsfirma Samsa Film (1986); PTD rief er 1993 ins Leben.

Seine Firma droht die Insolvenz: Der Luxemburger Filmproduzent Paul Thiltges im Jahr 2019 Foto: Manfred Werner CC BY-SA 4.0
Auf Nachfrage verzichtet er aufgrund laufender Prozeduren auf eine längere, offizielle Stellungnahme. Thiltges verrät dem Tageblatt gegenüber nur so viel: Die finanziellen Schwierigkeiten der Firma nahmen 2023 ihren Lauf. Damals wurde die Bank Fortuna liquidiert und Kreditnehmer – darunter PTD – zu sofortigen Rückzahlungen verpflichtet. Darüber hinaus fehlen PTD Millionenbeträge, die Geschäftspartner noch nicht beglichen haben, so Thiltges. Details möchte er zu diesem Zeitpunkt keine nennen. Er gibt sich kämpferisch: „Wir setzen alles daran, die Insolvenz noch abzuwenden.“ (ispi)
PREIS Aurélie D’Incau nimmt „Prix jeune talent“ des CAL entgegen
1.000 Euro
erhält die Künstlerin Aurélie D’Incau (1990) als Preisträgerin des „Prix jeune talent“ 2026, der vom „Cercle artistique du Luxembourg“ (CAL) im Rahmen der Expo „The Window“ verliehen wurde – die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März im Tramsschapp in Luxemburg-Stadt, weitere Infos auf cal.lu.

Nahm den Preis mit kreativem Kopfschmuck entgegen: Aurélie D’Incau Foto: CAL/Henri Goergen
JUBILÄUM FORA zu 30 Jahren Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain
Zum 30. Jubiläum hat das Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Von März bis Dezember 2026 erstreckt sich das kuratorische Projekt FORA, das nach dem Plural von Forum benannt ist. Verschiedene Ausstellungen stehen hier im Dialog zu zeitgenössischen, gesellschaftlichen Fragen, über drei Stockwerke hinweg. Wie Casino-Direktor Kevin Muhlen diese Woche bei der Pressekonferenz erklärte, sind nun auch wieder die Kellertüren für das Publikum geöffnet: In den Anfängen des Casinos wurden die Kellergewölbe für Partys genutzt, später blieb dem Publikum der Zugang verwehrt. Mit der Ausstellung „Notes on Weathering“ von Bianca Bondi kann man dort jetzt Skulpturen aus Salz, Metall und häuslichen Gegenständen entdecken. Die Skulpturen werden sich aufgrund der Ebenheiten des Kellers in den nächsten Monaten verändern – auch da die Künstlerin ihre Ausstellung zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten im Laufe des Jahres erweitern wird. Wiederholte Besuche lohnen sich also. Neben dem Untergeschoss findet man auch eine experimentelle und sich kontinuierlich entwickelnde Ausstellung im Erdgeschoss, namens „Post-“, über künstlerische Forschung und Praktiken. Im ersten Stockwerk kann man „Screentime/s“ betrachten, eine multimediale Ausstellung zu dem Virtuellen und seiner physischen Realität. Das formelle Eröffnungswochenende findet nächste Woche vom 19. bis 22. März mit Konferenzen, Workshops und Performances statt. (jk)
EVENT Bei den „Bünendeeg“ steht das Theater im Mittelpunkt
Die „Theater Federatioun“ lädt vom 20. bis zum 27. März zu den „Bünendeeg“ ein. Der Auftakt ist der Welttag des Jugendtheaters, die „Journée mondiale du théâtre“ markiert den Abschluss. Dazwischen gibt es ein vielseitiges Programm zu entdecken – quer durch Luxemburg verteilt. Und das nicht nur in den Theatern: In der „Cité judiciaire“ läuft Frank Hoffmanns Inszenierung von Suzie Millers „Prima Facie“ (Premiere: 20. März, 19.30 Uhr, weitere Termine folgen). Das Stück handelt von der Strafrechtsanwältin Tessa, die nach einem sexuellen Übergriff selbst zur Klägerin wird. Neben Lesungen, Tanz, Zirkus und Kindertheater hält das Programm auch die Konferenz „Père et fils dans le théâtre de Pasolini“ bereit (24. März, 18.30 Uhr, Banannefabrik). Dies sind nur zwei der zahlreichen Höhepunkte der „Bünendeeg 2026“. Infos zu allen Veranstaltungen gibt es unter theater.lu. (ispi)
POLITIK Eric Thill bei Treffen zu KI und Kultur
In München fand zum Wochenbeginn ein informelles Treffen deutschsprachiger Kulturminister*innen zum Thema KI und Kultur statt. Der Luxemburger Kulturminister Eric Thill (DP) tauschte sich mit Kolleg*innen aus Deutschland, Lichtenstein, Ostbelgien, Österreich und der Schweiz aus. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen, so das Kulturministerium in einer Pressemitteilung, die Fragen nach dem Urheberrecht, die negativen Auswirkungen von KI auf den Kultursektor sowie die Machtverhältnisse im Zusammenhang mit KI-generierten Inhalten. Man war sich einig: Es müsse auf gesamteuropäischer Ebene gemeinsam und mit Nachdruck gehandelt werden. In Luxemburg existiert seit 2024 eine Arbeitsgruppe im Kulturministerium, die sich mit KI befasst. 2025 lud das Ministerium zur ersten thematischen Konferenz ins Creative Hub 1535 nach Differdingen. Dort präsentierte Thill das „White Paper“ „Culture et IA“ seines Ministeriums, in dem das Redaktionsteam u.a. zwölf Aktionspunkte im Einklang mit der nationalen KI-Strategie auflistet.