Echternach
Opposition kritisiert „Outlet-Ville“ als geplatztes Luftschloss – Bürgermeisterin optimistisch
Die Opposition in Echternach kritisiert das geplante Outlet-Konzept der Stadt. Es seien keine der nötigen Voraussetzungen erfüllt. Der Berater der Stadt glaubt ebenfalls nicht mehr an einen Erfolg. Die Bürgermeisterin verteidigt das Projekt hingegen.
Carole Zeimetz und Christophe Origer (beide „déi gréng“) fordern einen Austritt aus dem „megalomanen Outlet-Projekt“ in Echternach Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Die Geschäftswelt in Echternach ist durch viel Leerstand geprägt. Die Stadt rief daher 2018 das Projekt „Outlet-Ville Echternach“ aus, um bekannte internationale Marken anzuziehen. Für „déi gréng“ sei das der falsche Weg. „Das ist ein veraltetes Geschäftsmodell“, sagt die Echternacher Gemeinderätin Carole Zeimetz („déi gréng“) auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Partei hatte bereits in einer Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag die Zustimmung der ersten Mietverträge verweigert.
Mit dem Projekt plante die Gemeinde, internationale Outlet-Marken aus den Bereichen Sport und Outdoor in leer stehende Geschäfte zu locken. Der Schöffenrat setzte dabei auf externe Unterstützung. Ein Berater aus Hamburg half mit, das Konzept für die „Outlet-Ville“ zu gestalten.
„Für uns war klar, dass der Schöffenrat auf die Akteure der lokalen Geschäftswelt hätte bauen sollen, anstatt einen externen Berater zu engagieren“, sagt Zeimetz. Sie hege Zweifel an der Umsetzbarkeit. Der Erfolg des Outlet-Ville hänge an drei Voraussetzungen: den nötigen Verkaufsflächen, der Attraktivität des Standortes, um große Marken anzuziehen, und einem Investor. Auch der Vertrag mit dem Berater habe juristische Fragen aufgeworfen.
Projektberater glaubt nicht mehr an Erfolg
„Wir sahen die juristische Struktur von Anfang an kritisch“, sagt Christophe Origer, ebenfalls Gemeinderat für „déi gréng“. Die Verträge mit dem Berater seien immer wieder verlängert worden, ohne konkrete Resultate. „Rechenschaft darüber gab es nie.“
Keine der drei Hauptvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sei heute erfüllt. „Nur ein Viertel der benötigten Verkaufsfläche ist vertraglich gesichert“, sagt Origer. Auch fehle es an Zusagen von Marken. „Es gibt nur eine unverbindliche Absichtserklärung.“ Ein Investor fehle ebenfalls.
Der Berater habe nie den Kontakt mit der lokalen Geschäftswelt gesucht und glaube nicht mehr an einen Erfolg. „Das war der Grund für seine Kündigung Anfang März.“ Daher fordert die Opposition, das Projekt zu stoppen und gemeinsam mit allen relevanten Akteuren ein neues Konzept zu erarbeiten.

Die Pressekonferenz fand symbolisch vor einem leerstehenden Lokal in Echternach statt Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Bürgermeisterin bleibt optimistisch
Carole Hartmann (DP) gibt sich am Telefon dagegen optimistisch. „Ich glaube weiterhin an das Projekt.“ Dass aktuell die leer stehenden Geschäfte als Pop-up ausgeschrieben sind, sei ein notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Umsetzung der „Outlet-Ville“.
„Wir sind in konkreten Verhandlungen mit mehreren Marken, die Interesse zeigen“, sagt Hartmann. Die Gespräche würden sich in die Länge ziehen, weil Unternehmen in diesem Sektor gerne in Gruppen einen Standort beziehen. „Sie wollen wissen, wer noch kommt.“ Das Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Es sei aber tatsächlich schwierig, die Geschäftsflächen definitiv zu füllen, daher Pop-ups als Überbrückung. „Wir sind permanent mit neuen Entwicklungen konfrontiert, Geschäfte kommen und gehen.“ Daher sei es nicht möglich, den Fortschritt des Projekts an Stichdaten zu koppeln.
Dass der Berater gekündigt hat, sehe sie nicht als Problem. „Das Konzept steht und läuft normal weiter“, sagt die Bürgermeisterin. Und: Eine andere Beraterin arbeite weiterhin daran, Marken anzulocken. „Die Vertragsauflösung schränkt uns nicht ein.“
Der Berater habe gekündigt, weil er nicht mehr an den Erfolg glaube. „Er sieht es nicht als gegeben, dass wir genug Mieter für die leer stehenden Lokale finden“, sagt Hartmann. Laut der DP-Politikerin sei es aktuell tatsächlich so, dass es an Verkaufsfläche für die Umsetzung des Projekts fehlt. Der Schöffenrat werde jedoch alles versuchen, um das zu ändern. „Das Potenzial dafür ist da.“