Literatur
Oh du, mein süßer Zettelkasten
Für den Zucker haben die Europäer Amerika erobert und Afrika versklavt. In „Aus der Zuckerfabrik“ wird das weiße Gold Teil eines intertextuellen Geflechts, das Geschichte, Literatur und die eigene Biografie verbindet. Die Leser erwartet eine oft fesselnde und unberechenbare Reise, deren Ergebnisse aber vorhersehbar bleiben.
Dorothee Elmiger Foto: dpa/Arne Dedert
Jahrelang hat die Schriftstellerin Material für ihr neues Projekt in einer Mappe zusammengetragen. Aber wenn sie jemand fragt, an was sie gerade arbeitet, kann sie nur verlegen Stichworte nennen: „Zucker, Lotto, Übersee.“ Inmitten dieses Buchs, das in klassisch selbstreflexiver Manier seine eigene Entstehung erzählt, trifft sie ihren Lektor, der darauf besteht, dass, was auch immer bei der Arbeit herauskommt, „Roman“ draufstehen muss. Die Autorin findet „Recherchebericht“ passender. Dem Text, den man schließlich zu Gesicht bekommt, ist keine Gattungsbezeichnung vorangestellt. Immerhin, eine Art Lektüreanweisung gibt Dorothee Elmiger einem mit auf den Weg: „Es gibt an diesem Ort keine feststehende Ordnung. Mit jedem Gang durch das Chaos […] scheinen die Dinge in neue Verhältnisse zueinander zu treten.“