Der Fährmann

Nick Cave führt in der Philharmonie durch die dunkle Nacht der Seele

Er wolle die „verletzliche Wahrheit“ in seinen Songs freilegen, sagt Nick Cave zu Beginn seines ersten Konzertabends in der Philharmonie. Zweieinhalb Stunden mit einem Mann, der sich in seiner Kunst radikal preisgibt, seine eigene Dunkelheit zeigt – aber auch den aufblitzenden Funken des Lichts.

Gläubiger, Zweifler, Suchender: Nick Cave am Mittwochabend bei seinem ersten von zwei Konzerten in Luxemburg

Gläubiger, Zweifler, Suchender: Nick Cave am Mittwochabend bei seinem ersten von zwei Konzerten in Luxemburg Foto: Philharmonie Luxembourg – Alfonso Salgueiro

Am Anfang ist das Seufzen. Und dieses Seufzen kommt von Nick Cave. „Haaaaaaaach.“ Der Klang hallt über die stillen Ränge des Grand Auditoriums der Philharmonie. Cave, wie immer in Anzug und Krawatte, hat sich gerade auf der Bank vor dem Flügel auf der Bühne niedergelassen. Tausend Menschen halten den Atem an. Einer atmet aus. Dann beginnt er: „Some go and some stay behind, some never move at all.“ Es sind die ersten Takte von „Girl in Amber“ und die Spannung, die den Raum ergriffen hat, sie löst sich nicht in einem kathartischen Moment – sie zerfließt einfach zwischen den tröpfelnden Pianoklängen.

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