Musik
„Never Look Back“: Eine Retrospektive zu 20 Jahren „Amnesiac“ von Radiohead
Nur acht Monate nach dem zukunftsweisenden Paradigmenwechsel „Kid A“ veröffentlichte die englische Kultband ein weiteres Meisterwerk. Verschiedene Musikkritiker bezeichnen „Amnesiac“ als B-Seiten-Sammlung seines Vorgängers. Wieso dies grundlegend falsch ist, erläutern wir hier.
Foto: Parlophone/EMI/Editpress
Viele waren sich einig: Hätte Radiohead „Kid A“ und „Amnesiac“ gleichzeitig veröffentlicht, wäre dies vielleicht das beste Doppelalbum aller Zeiten gewesen. Das mag stimmen – aber vielleicht wären einige der Tracks von „Amnesiac“ in der schieren Masse an toller Musik untergegangen. Da, wo „Kid A“ nämlich ein Album wie aus einem Guss war, das seinen recht gruseligen Spannungsbogen vom harmonischen Opener bis zu seinem Ende konsequent durchzieht, ist „Amnesiac“ eine weitaus zerfahrenere, dafür aber auch Song-orientiertere Platte. Ich wage mal folgende These, die so mancher Radiohead-Jünger mit Verachtung strafen dürfte: „Amnesiac“ hat zwar mehr verzichtbare, dafür aber auch stärkere, abwechslungsreichere Tracks als sein Vorgänger.