Rodange
Neue Unterkunft für Geflüchtete öffnet im Mai
Auf dem Gelände des ehemaligen Zollhauses in Rodange wurde eine Unterkunft fertiggestellt, die Geflüchtete temporär nutzen können. Am Samstag führten Familienminister Max Hahn und Bürgermeister Jean-Marie Halsdorf durch die Räumlichkeiten.
Ab Mai können hier bis zu 29 Personen einziehen Foto: Editpress/Lenert Claude
Eine neue Notunterkunft für Asylsuchende in Rodange wurde am Samstagmittag vorgestellt – dies in Anwesenheit von Familienminister Max Hahn (DP) und Bürgermeister Jean-Marie Halsdorf (CSV). Der dreistöckige Modulbau wurde in weniger als zwei Jahren auf dem ehemaligen Gelände des Zollhauses an der Grenze zu Frankreich errichtet. Die Baukosten liegen Hahn zufolge bei 3,6 Millionen Euro. Es gibt 29 Bettplätze und drei Gemeinschaftsküchen. Zusätzlich sind auf jedem Stockwerk gemeinschaftliche Sanitäranlagen. Im Mai sollen die ersten Personen einziehen, darunter auch Familien mit Kindern.
Bei dem Modulbau handelt es sich um ein Vorzeigeprojekt: Es gilt als Muster für zukünftige Notinfrastrukturen, die innerhalb kurzer Zeit errichtet werden könnten, falls Gemeinden sich dazu bereit erklären. „Es ist ein Gebäudetyp der ausgearbeitet wurde, um auch ganz kleinen Gemeinden zu zeigen, dass jeder seinen Beitrag leisten kann“, sagte Hahn.
Die Räumlichkeiten konnten am Samstag von 11 bis 13 Uhr besichtigt werden. Auch wenn die Gemeinde Petingen bereits Anfang April auf Facebook über den Tag der offenen Tür informierte, kamen nur eine Handvoll Besucher, darunter vor allem Gemeinderäte. Das Tageblatt traf unter anderem Yannick. Der 36-jährige lebt in Rodange. „Ich bin gekommen, um mich darüber zu informieren, was es mit dieser Struktur auf sich hat“, sagt er, „und wenn nachher dumm geredet wird, kann ich argumentieren.“
Familienminister Max Hahn (DP) und Bürgermeister von Petingen, Jean-Marie Halsdorf (CSV) Foto: Editpress/Lenert Claude
„Das wichtigste ist die Transparenz“, sagte Bürgermeister Halsdorf im Gespräch mit dem Tageblatt. Er ertrage das „Geschwätz“ nicht mehr. Mit dem Tag der offenen Tür hätten nun auch Kritiker die Möglichkeit gehabt, sich ordentlich zu informieren und die Einrichtung mit eigenen Augen zu sehen.
Leben an der Grenze
Halsdorf hob zudem hervor, dass keine Ghettoisierung stattfinden dürfe. Er ergänzte auf Nachfrage: „Das kann nicht von der Gemeinde erreicht werden, sondern vom Staat. Denn der muss schauen, welche Menschen hier zusammenleben.“ Bei einer Zahl von 29 Bewohnern gehe man derzeit von sieben Kindern aus, sagte Hahn. Diese werden die Integrationsklassen besuchen. In den Zimmern stehen vor allem Doppelbetten. Familienmitglieder, aber auch Dritte können so ein Zimmer teilen. Viel Privatsphäre gibt es nicht.
Die Räume können je nach Bedarf abgetrennt werden Foto: Editpress/Lenert Claude
Zudem ist ein Wachdienst rund um die Uhr für die Sicherheit zuständig. Bewohner, die einen Ausflug machen wollen, müssen sich täglich an- und abmelden. Das Heim befindet sich abseits des Wohngebiets direkt an der Grenze zu Frankreich. Je nach Aufenthaltsstatus dürfen die Bewohner die Grenze nicht überqueren. Ihnen bleibt nur die Straße landeinwärts. Sie ist geprägt von Tankstellen, Tabakläden und lautem Durchgangsverkehr. Das nächste Wohnviertel befindet sich rund einen Kilometer entfernt, dort ist auch die nächste Bushaltestelle. Ob vor diesem Hintergrund wirklich keine ghettoähnlichen Zustände entstehen, wird sich zeigen müssen.
Ein Zimmer wurde beispielhaft hergerichtet Foto: Editpress/Lenert Claude