Saisonvorschau

Musik aus aller Welt in Luxemburg: Diese Konzerte entführen nach Brasilien, Nordafrika und mehr

Quasi direkt vor der eigenen Haustür kann man in der nächsten Saison entdecken, wie abwechslungsreich und innovativ in allen Ländern der Welt musiziert wird: Luxemburgs Kulturhäuser haben spannende, internationale Acts im Programm. Welche Auftritte besonders vielversprechend sind.

Gehört zu den Stars, die sich das Luxemburger Publikum nicht entgehen lassen sollte: die Brasilianerin  Lívia Mattos

Gehört zu den Stars, die sich das Luxemburger Publikum nicht entgehen lassen sollte: die Brasilianerin Lívia Mattos Foto: Willi Klopottek

Die Veranstaltungshäuser in Luxemburg haben ihre Weltmusikprogramme für die nächste Saison veröffentlicht. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf der Musik aus Lateinamerika und Afrika. Positiv ist zu vermerken, dass die Anzahl der auftretenden Frauen besonders groß ist. Einige Konzerte seien hier besonders empfohlen.

Lusophonie auf Kirchberg

Die Philharmonie hat wieder – mit zwei Themenschwerpunkten – die üppigste Agenda vorzuweisen. Das Haus beginnt mit dem bewährten „atlântico“-Festival, das jetzt bereits zum zehnten Mal innerhalb einer Woche eine dicht gestaffelte Auswahl an lusophoner Musik anbietet.

Mônica Salmaso, die aus São Paulo stammt, tritt am 7.10. im Trio-Format mit Klavier und Blasinstrumenten auf und ist in ihrer Heimat mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Am 8.10. steht mit dem Brasilianer Djavan ein Mann auf der Bühne, der bereits 1976 sein erstes Album veröffentlichte. Er machte sich Mitte der 1980er Jahre als Teil der Tropicália-Bewegung (kulturell-politische Bewegung aus Brasilien), zusammen mit Caetano Velo und Gilberto Gil, einen Namen. 2016 wurde er für den Latin Grammy Award nominiert.

Carminho aus Lissabon kommt am 9. Oktober: Sie zählt schon lange zur Spitzengruppe der portugiesischen Fado-Sängerinnen und hat erst kürzlich wieder ein hochgelobtes Album veröffentlicht, auf dem sie – zusätzlich zur klassischen Fado-Besetzung – eine E-Gitarre und ein Mellotron erklingen lässt.

Am 10.10. darf man gespannt sein, was die Brasilianer Criolo und Amaro Freitas, sowie Dino D’Santiago aus Lissabon, der kapverdische Wurzeln hat, zu Gehör bringen werden. Ersterer begann als Rapper und entdeckte später erst den Samba. Freitas bezieht sich auf Musik vom Amazonas und spielt sein Piano jazzig, während D’Santiago Portugal und die Kapverden melodisch miteinander verwebt. Eine bereits veröffentlichte Single verspricht einen perkussionsbetonten lusophonen Fusion-Sound.

In der Philharmonie Nordafrika und Mexiko entdecken

Die zweite bemerkenswerte Weltmusik-Konzertreihe ist schlicht mit „Atlas“ betitelt und zeitlich breiter aufgestellt. Gemeint ist der Nordwesten Afrikas, also Marokko, Algerien und Tunesien. Die Auswahl an Künstlern zeigt, dass deren Verbindung zum Jazz oft eine große Rolle spielt, aber es geht auch darüber hinaus.

Souad Massi verließ Algerien, als Fundamentalisten für sie das Leben dort unerträglich machten, und zog nach Frankreich. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie ihre eigenen Lieder, in denen sich arabische Tradition mit ihrer Lieblingsmusik aus Jugendtagen, nämlich Folk und Rock, harmonisch und beeindruckend verbindet. Sie steht am 4.12. auf der Bühne der Philharmonie.

Der tunesische Oud-Meister Anouar Brahem verbindet arabische Musik mit viel Improvisation und wird am 5.2.2027 von Klavier, Kontrabass und Cello begleitet. Gegenwärtig lässt er sich für seine Kompositionen von den Gedichten des palästinensischen Poeten Mahmoud Darwish inspirieren.

Eine der bedeutendsten Sängerinnen Marokkos ist hingegen Oum, die sich an der Berber- und Gnawamusik ihrer Heimat orientiert. Sie hat lange mit tranceartiger, moderner instrumenteller Begleitung gearbeitet. Nach längerer Pause hat sie kürzlich ein Album veröffentlicht, das ebenfalls entrückt klingt, aber mehrstimmigen Gesang lediglich mit Perkussion begleitet. Am 5. März 2027 ist sie mit drei weiteren Sängerinnen sowie mit Perkussion und Oud zu erleben.

Seit über dreißig Jahren belebt der tunesische Ud-Virtuose Dhafer Youssef die World-Jazz-Szene und arbeitet die Schnittpunkte zwischen arabischer Musik und modernem Jazz heraus – am 19. März 2027 auf der großen Bühne der Philharmonie.

Traditionelle mexikanische Musik ist in Luxemburg schon lange nicht mehr zu erleben gewesen. Im nächsten Jahr, am 2. Mai 2027, kommt nun die international bedeutendste, lebende Botschafterin mexikanischer Musik, Lila Downs, auf den Kirchberg. Im Laufe ihrer langen Karriere hat sie mit starker Stimme und beeindruckender Bühnenpräsenz traditionelle Stile wie Corridos, Rancheras und die mexikanische Cumbia, teils in modernen Variationen, um die Welt getragen. Auf ihrem aktuellen Album ist die Cumbia stark vertreten, aber sie bezieht auch andere Formen lateinamerikanischer Musik mit ein. Nachdem sie aus privaten Gründen einige Jahre pausierte, kommt sie mit einem überzeugenden Programm zurück.

Große Namen im CAPE

Im Ettelbrücker CAPE kann man noch in diesem Jahr zwei bedeutende Namen aus Nordeuropa auf der Bühne erleben. Am 28. Oktober kommt Rebekka Bakken, die norwegische Liedermacherin, die seit über zwanzig Jahren höchst erfolgreiche Alben veröffentlicht und mehrfach mit dem German Jazz Award ausgezeichnet wurde. Auf ihrem letzten Album hat sie sich von norwegischer Liedtradition und Blues inspirieren lassen.

Rund einen Monat später stellt das Haus in Kooperation mit dem Verein LiLu International Aspekte der litauischen Kultur vor. Neben einer Ausstellung und einer Performance betritt am 29. November das fünfköpfige Ensemble von Saulius Petreikis die Ettelbrücker Bühne. Er ist ein klassisch ausgebildeter Trompeter, der die litauische Tradition mit Jazz und Elementen aus der Weltmusik verbindet.

Zusammenarbeit mit der kapverdischen Community

Das CAPE arbeitet aus gutem Grunde auch eng mit der kapverdischen Community in Ettelbrück zusammen und veranstaltet vom 19. bis 23. Januar 2027 die „Morabeza“ Woche mit Ausstellung, Tanz, Konferenz. In diesem Rahmen kommt am 23. Januar 2027 einer der ganz großen kapverdischen Musiker zum Konzert: Tito Paris gehört als Sänger, Gitarrist und Komponist zu den bis heute verehrten Urgesteinen der Roots-Musik auf den Kapverden und hatte auch mit der verstorbenen Diva Césaria Évora kooperiert.

Die Brasilianerin  Lívia Mattos spielt im Mai im Cape

Die Brasilianerin Lívia Mattos spielt im Mai im CAPE Foto: Willi Klopottek

Einen weiteren Höhepunkt hat das CAPE am 18. Mai 2027 im Programm, wenn die quirlige Brasilianerin Lívia Mattos auf der Bühne steht. Sie kommt aus Bahia, spielt – auch als feministisches Statement – ein sehr großes Akkordeon und lässt sich von einem Schlagzeuger aus Brasília und den Bassklängen eines Tuba- und Euphoniumspielers aus São Paulo begleiten. Die Kompositionen von Mattos sind eine spannende – teils freie – Synthese von Stilen aus unterschiedlichen Regionen ihrer Heimat, die sie mit ungekünstelter Theatralik und dazu hochdynamisch auf die Bühne bringt. In Brasilien ist sie mehrfach preisgekrönt.

Echter’World Festival und Ausflug ins Cube521

Auch das Echternacher Trifolion, das sich wieder das dreitägige Echter’World Festival leistet, hat bemerkenswerte Frauen im Programm. Dass man Fado und Pop bestens miteinander verbinden kann, beweist seit Langem Ana Moura, die Hunderttausende Platten verkaufte. Auf dem letzten Album öffnete sie sich elektronischen Klängen und bezog Einflüsse aus Afrika mit ein. Am 20.11. steht sie auf der Bühne in Echternach.

Im November ist Fatoumata Diawara aus Mali im Trifolion zu Gast

Im November ist Fatoumata Diawara aus Mali im Trifolion zu Gast Foto: Willi Klopottek

Der nächste Höhepunkt im Trifolion folgt direkt am nächsten Tag, dem 21. November, wenn Fatoumata Diawara zu erleben sein wird. Die Sängerin und Gitarristin aus Mali hat sich viele Jahre lang auf eine Karriere als Schauspielerin konzentriert, in den letzten Jahren aber ihre musikalischen Aktivitäten in den Vordergrund gestellt. Das in diesem Jahr veröffentlichte neue Album beweist wieder, dass sie nicht nur einfühlsame Balladen singen kann, sondern aktuell auch die wichtigste Repräsentantin des kraftvollen Afro-Rock ist.

Schließlich gastiert am 21. Mai 2027 im Marnacher Cube521 das Duo Mariaa Siga und Lamine Cissokho. Beide stammen aus der Casamance-Region im Senegal. Siga bezieht sich offenbar auf Blues und Reggae sowie auf die Tradition der Casamance und hatte einen Auftritt bei der französischen Ausgabe der Talentshow „The Voice“. Lamine Cissokho spielt die Kora und begleitete bereits den Gitarristen Habib Koité auf dessen letzter Platte. Last but not least: Am 15. November 2026 kommen die Urgesteine des polyphonen Gesangs Korsikas, I Muvrini, ins Casino in Bad Mondorf.

Wie immer ist es ratsam, auf den Homepages der Veranstalter zu prüfen, ob es Änderungen oder Ergänzungen gibt.

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