Die Rückkehr des Wunders
Mit „Disclosure Day“ und „Project Hail Mary“ sehnt sich das Kino nach Gemeinschaft
Mit Steven Spielbergs „Disclosure Day“ und „Project Hail Mary“ von Phil Lord und Christopher Miller träumt das Blockbuster-Kino in diesem Jahr wieder von menschlicher Gemeinschaft in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung. Brutal naiver Optimismus, der mitreißt.
Die Fernsehfrau auf dem TV-Bildschirm, in der die Gabe erwacht, in die Seelen der anderen zu schauen: Emily Blunt als Margaret Fairchild Foto: Universal Studios
Zwei Filme, zwei Momente – und ein Blick, der alles verändert. Da ist „Project Hail Mary“, Überraschungserfolg von Phil Lord und Christopher Miller: Die Welt steht am Abgrund, die Sonne droht zu erlöschen, ein einsamer Mann (Ryan Gosling) wird ins All geschickt, um dies zu verhindern. Bevor es losgeht, singt die unterkühlt-distanzierte Teamleiterin (Sandra Hüller) in der Flugzeugträgerkneipe Karaoke zu Harry Styles: „Just stop your crying, it’s a sign of the times.“ Gosling und Hüller blicken sich an, sehen sich, erkennen sich, verbinden sich – wenn auch nur für einen kurzen Moment. Nicht der Mensch ist verloren, sondern die Zeit, in der er lebt.
Und da ist „Disclosure Day“, der neue Film von Regie-Legende Steven Spielberg: Die Welt steht am Abgrund, der Dritte Weltkrieg droht, wenn es Cybersicherheitsexperte und Whistleblower Daniel (Josh O’Connor) nicht gelingen sollte, eine Information zu veröffentlichen, die die gesamte Menschheit verändern wird. Um das zu verhindern, hat eine paramilitärische Organisation (Palantir trifft ICE) Daniel gejagt und gefangen. Doch jetzt steht plötzlich Wettermoderatorin Margaret (Emily Blunt) vor ihm, um ihn zu befreien. Zwei Fremde schauen sich zum ersten Mal in die Augen. Ein Staunen liegt in diesem Blick, ein Wundern, aber auch ein Erkennen.