Wetter
Meteolux ändert sein Hitzewarnsystem – Kritik an Umsetzung
Meteolux reformiert ab Sommer 2026 sein Hitzewarnsystem. Künftig sollen Warnungen nicht mehr nur auf der gemessenen Lufttemperatur basieren, sondern die tatsächlich empfundene Hitze berücksichtigen. Es gibt jedoch Kritik an der neuen Berechnungsmethode.
Meteolux will mit dem neuen Warnsystem Gesundheitsrisiken durch langanhaltende Hitzewellen präziser einschätzen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Meteolux modernisiert ab Sommer 2026 sein Hitzewarnsystem. Künftig sollen die Warnungen die tatsächlich empfundene Wärme deutlich präziser abbilden und Gesundheitsrisiken durch anhaltende Hitzeperioden besser berücksichtigen. Das hat die Luftfahrtverwaltung in einer Pressemeldung am Donnerstag mitgeteilt. Damit reagiert der Wetterdienst auf die zunehmenden Herausforderungen durch Hitzewellen und setzt stärker auf wissenschaftlich fundierte Vorhersagen.
Neues Warnsystem berücksichtigt gefühlte Temperatur
Bislang orientierten sich die Hitzewarnungen vor allem an der maximalen Lufttemperatur und den Werten des Vortages. Nach Einschätzung von Meteolux reicht dieser Ansatz jedoch nicht aus, um die tatsächliche Belastung für den menschlichen Körper realistisch darzustellen. Denn hohe Luftfeuchtigkeit, fehlender Wind oder starke Sonneneinstrahlung können die Hitze deutlich intensiver wirken lassen.
Meteolux führt nun den sogenannten „Universal Thermal Climate Index“ (UTCI) ein. Dieser international anerkannte Index kombiniert mehrere Faktoren wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung zu einem Gesamtwert für die gefühlte Temperatur. Das neue System soll damit genauer anzeigen, wie belastend die Wetterlage tatsächlich ist.
Dauer der Hitze spielt künftig größere Rolle
Neben der Intensität der Hitze fließt künftig auch die Dauer einer Hitzewelle stärker in die Bewertung ein. Gesundheitsrisiken steigen erheblich, wenn hohe Temperaturen über mehrere Tage und Nächte anhalten und der Körper sich nicht mehr ausreichend regenerieren kann.
Die neuen Warnschwellen basieren auf Klimadaten aus Luxemburg aus den Jahren 2001 bis 2025. Das System stützt sich dabei auf den 24-Stunden-Durchschnitt des Universal Thermal Climate Index und kombiniert diesen mit einer Einschätzung der Dauer einer Hitzewelle. Zusätzlich setzt Meteolux auf probabilistische Wettervorhersagen. Diese berechnen verschiedene mögliche Wetterentwicklungen und helfen Meteorologen dabei, die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen genauer einzuschätzen.
Drei Warnstufen bleiben bestehen
Auch künftig arbeitet Meteolux mit drei Warnstufen:
Gelbe Warnung: Bei einer gelben Warnung ist mit moderatem Hitzestress zu rechnen. Längere Aufenthalte in der Sonne oder körperliche Anstrengung können zu Erschöpfung führen.
Orange Warnung: Die orangefarbene Warnstufe signalisiert eine hohe Hitzebelastung über mindestens zwei aufeinanderfolgende Tage. In diesem Fall steigt das Risiko für hitzebedingte Erschöpfung deutlich an, bei einer längeren Exposition oder körperlicher Aktivität ist ein Hitzschlag möglich.
Rote Warnung: Eine rote Warnung wird künftig nur noch bei extremer und anhaltender Hitzebelastung ausgelöst. Voraussetzung ist, dass die gefühlte Temperatur mindestens drei Tage lang tagsüber wie nachts außergewöhnlich hoch bleibt. Laut Meteolux können dann selbst geringe körperliche Aktivitäten gesundheitliche Risiken wie einen Hitzschlag verursachen.
Warnungen bis zu 48 Stunden im Voraus
Die Behörden wollen mit dem modernisierten System die Bevölkerung und die Einsatzkräfte besser auf Hitzewellen vorbereiten. Warnungen sollen künftig bis zu 48 Stunden im Voraus veröffentlicht werden.
Mit der Reform seines Warnsystems will Meteolux nach eigenen Angaben die Vorsorge gegen extreme Hitzeereignisse stärken und die Bevölkerung gezielter informieren. Die aktuellen Warnungen veröffentlicht der Wetterdienst weiterhin über seine offiziellen Kanäle sowie über die Plattformen lu-alert.lu und infocrise.public.lu.
Kritik am neuen Modell
Kritik kommt unterdessen von Sven Rock von Météo Réimech. Zwar begrüßt Rock grundsätzlich, dass Meteolux künftig stärker die gefühlte Temperatur berücksichtigt. Denn gerade Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung hätten einen großen Einfluss darauf, wie belastend Hitze tatsächlich empfunden werde, betont Rock gegenüber dem Tageblatt.
Kritisch bewertet Rock jedoch, dass Meteolux den UTCI-Wert als 24-Stunden-Durchschnitt berechnet. Dadurch könnten kurze, aber besonders belastende Hitzephasen am Nachmittag im Gesamtdurchschnitt abgeschwächt werden. Nach Ansicht von Rock wäre deshalb der tägliche Höchstwert des UTCI aussagekräftiger, weil dieser die tatsächlich gefährlichsten Stunden einer Hitzewelle direkter abbilde.
Zudem warnt Rock davor, dass bestehende Hitzschutzkonzepte vom Staat, von Gemeinden, Altersheimen und weiteren Behörden bislang auf dem alten Warnsystem basieren. Gleichzeitig würden Tropennächte im neuen Modell nicht genügend berücksichtigt, obwohl gerade hohe Nachttemperaturen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen können. Auch in dem Punkt sei viel mehr Aufklärung und Sensibilisierung nötig.