Kontroverse in Esch

Marc Baum bezeichnet Konzept der „Joyeuse Entrée“ als „kompletten Anachronismus“

Die geplante „Joyeuse entrée“ des großherzoglichen Paares in Esch war Thema einer ausführlichen Debatte in der Ratssitzung am Freitag. Dabei standen vor allem Budget, Organisation und Bedeutung der Veranstaltung im Mittelpunkt der Diskussion.

Erbgroßherzog Guillaume und Stéphanie beim Nationalfeiertag in Esch, festliche Feierlichkeiten und offizieller Besuch

Besuch des damals noch Erbgroßherzogs Guillaume und seiner Frau Stéphanie im Rahmen der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Esch Foto: Editpress/Alain Rischard

Die geplante „Joyeuse entrée“ von Großherzog Guillaume und seiner Frau Stéphanie am 24. April in Esch bot in der Gemeinderatssitzung am Freitag viel Gesprächsstoff. Während die Mehrheit das Ereignis als besonderen Moment für die Stadt und die Minett-Region würdigte, äußerten Oppositionsvertreter deutliche Kritik – vor allem am Budget, an der Organisation und teilweise auch am Konzept selbst.

Bürgermeister Christian Weis (CSV) verteidigte das Projekt und bezeichnete den Besuch als „historischen Moment“. Die Gemeinde sei am 7. Januar darüber informiert worden, dass der Großherzog stellvertretend für die Minett-Region nach Esch kommen werde. „Es soll eine Freude für die Stadt sein, das zu organisieren“, sagte Weis. Die Veranstaltung solle zeigen, dass die Minett-Region eine Region des Fortschritts sei, „in der Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammenleben und gemeinsam Zukunft gestalten“.

Linienzug und Zirkus

Das Programm wurde von der Leiterin des Escher Kulturdienstes, Josée Hansen, vorgestellt. Der rund zweistündige Besuch ist in drei Etappen gegliedert: Das großherzogliche Paar soll mit einem regulären CFL-Linienzug in Belval ankommen, anschließend per Fahrrad über das „Vëlodukt“ – begleitet von Musik – weiterfahren und schließlich auf dem Brillplatz empfangen werden. Dort sind u.a. Zirkusperformances sowie ein gastronomisches Dorf vorgesehen. Den Abschluss bildet ein Tanzfest.

Die Gesamtkosten des Projekts sollen laut Stadt maximal 425.900 Euro betragen. Ein wesentlicher Teil der Organisation soll von der Vereinigung „frEsch asbl“ übernommen werden, die aufgrund ihrer Erfahrung mit großen Open-Air-Veranstaltungen ausgewählt worden sei.

Steve Faltz, LSAP-Oppositionschef, diskutiert unklare Eventkosten bei Pressekonferenz

Für LSAP-Oppositionschef Steve Faltz sind die Kosten für das Event schwer nachvollziehbar Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Gerade diese Entscheidung wurde von Oppositionsseite scharf kritisiert. Steve Faltz (LSAP) stellte infrage, weshalb ausgerechnet „frEsch“ mit der Organisation beauftragt werde. „Das ist der Betrieb, der in Esch am wenigsten mit Geld umgehen kann“, sagte er. Auch einzelne Budgetposten seien für ihn schwer nachvollziehbar. „70.000 Euro für ein Zelt, 80.000 Euro für Kommunikation – ich habe keine Ahnung, wie man auf solche Beträge kommt“, so Faltz.

Angesichts von jährlich rund 213.000 Euro an Subventionen für Sportvereine erscheine ihm der Betrag von über 300.000 Euro für eine zweistündige Veranstaltung unverhältnismäßig. Die LSAP kündigte an, gegen das Budget zu stimmen.

„Völliger Anachronismus“

Oppositionsrat Marc Baum von déi Lénk kritisiert scharf das Konzept der „Joyeuse Entrée“ im politischen Kontext

Oppositionsrat Marc Baum (déi Lénk) äußert scharfe Kritik am Konzept der „Joyeuse Entrée“ Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Noch grundsätzlicher fiel die Kritik von Marc Baum („déi Lénk“) aus. Neben Fragen zur Höhe und Verwaltung der Ausgaben stellte er das Konzept der „Joyeuse entrée“ selbst infrage. Dieses gehe auf eine Tradition aus dem Mittelalter zurück, erklärte Baum. „Damals kamen Könige nach langen Reisen mit Pferdekutschen in eine Stadt, die sich für ihren Empfang rüstete.“ Im Jahr 2026 wirke eine solche Inszenierung jedoch wie ein „kompletter Anachronismus“. Der Großherzog sei bereits mehrfach in Esch gewesen – die symbolische Ankunft verliere dadurch ihren historischen Sinn.

Zudem kritisierte Baum die Finanzierung. Die „Maison du Grand-Duc“ verfüge über einen staatlichen Haushalt von 26,2 Millionen Euro. „Dann sollte diese Feier auch von dort organisiert werden“, sagte er. Besonders problematisch sei für ihn auch die Organisation über eine externe Asbl. „Ein solches Ereignis müsste mit voller Transparenz von der Stadt selbst organisiert werden“, betonte Baum.

Zweimal Nein, eine Enthaltung

Auch Sacha Pulli (LSAP) verwies auf den politischen und sozialen Kontext. Angesichts steigender Energiepreise und geopolitischer Spannungen sei die Entscheidung schwer nachvollziehbar. „Was soll jemand über ein solches Budgetvotum denken, der in Esch Mindestlohn verdient und sich fragt, wie er seine nächsten Rechnungen bezahlen soll?“, fragte Pulli.

Bürgermeister Weis wies die Kritik zurück. Zwar handle es sich um eine hohe Summe, doch entspreche sie der Größenordnung solcher Veranstaltungen. Versicherungen seien etwa für Künstler und ausgeliehenes Material notwendig. Zudem solle die Kommunikation auch langfristig der Region zugutekommen – etwa durch touristische Wirkung oder audiovisuelle Produktionen.

Am Ende stimmten LSAP und „déi Lénk“ gegen das Budget, während sich die ADR enthielt.

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