Esch
„Maison Sourrire“ bringt ein neues Konzept in die Alzette-Straße
In der rue de l‘Alzette hat die „Maison Sourrire“ ihre Türen geöffnet. Das Projekt der Sourrire asbl verbindet ein öffentliches Café mit Ateliers und einem Programm zur beruflichen Orientierung.
Die „Maison Sourrire“ öffnete vor 15 Tagen ihr Lokal, dort befand sich vorher die Dekogeschäft-Kette „Butlers“ Foto: Editpress/Alain Rischard
In der rue de l’Alzette 91 in Esch ist seit kurzem die „Maison Sourrire“ geöffnet. Hinter dem Projekt steht die Vereinigung Sourrire asbl, die 2019 gegründet wurde und Menschen in unterschiedlichen sozialen Situationen begleitet. In den Räumen im Stadtzentrum verbindet die Organisation soziale Unterstützung, Begegnung und berufliche Orientierung.
Marie Laurini ist Psychologin und Psychotherapeutin und rief die Initiative 2019 ins Leben Foto: Editpress/Alain Rischard
Der Name Sourrire steht für „Soutien pour les résidents et les réfugiés pour l’intégration, le respect et l’estime de soi“. Die Initiative entstand aus der Arbeit der Gründerin und Direktorin Marie Laurini, die als Psychologin und Psychotherapeutin tätig ist.
„Ich habe gemerkt, dass viele Menschen zwar Termine bei sozialen Diensten haben, aber außerhalb dieser Termine sehr allein sind“, erklärt Laurini.
„Am Anfang hatte ich nur einen Rucksack, habe zu Hause Sandwiches vorbereitet und bin mit Freiwilligen und Teilnehmern durch das Land gewandert.“ Aus diesen ersten Treffen entwickelten sich weitere Aktivitäten. Später entstand ein Tageszentrum in Düdelingen, in dem u.a. Mahlzeiten, Freizeitangebote und Workshops organisiert wurden.
Ein Ort im Zentrum der Stadt
Das Küchenteam kümmert sich um das kulinarische Angebot: verschiedene Bowls, Suppen und Gebäck Foto: Editpress/Alain Rischard
Mit der „Maison Sourrire“ verfolgt die Vereinigung nun ein neues Konzept. In den Räumen an der Einkaufsstraße wurde ein Ort eingerichtet, der gleichzeitig Café, Laden und Arbeitsort ist. Besucherinnen und Besucher können dort einen Kaffee trinken oder Produkte kaufen, die in den eigenen Ateliers hergestellt werden. Die Wahl des Standorts im Zentrum von Esch war dabei bewusst: „Ich wollte einen Ort mitten in der Stadt“, sagt Laurini. „Oft befinden sich soziale Projekte eher am Rand oder in Gebäuden, die gerade verfügbar sind.“
Gleichzeitig sollte das Projekt nach außen nicht sofort als soziale Einrichtung erkennbar sein. „Wenn man die Fassade sieht, erkennt man nicht unbedingt, dass es ein soziales Projekt ist. Das war eine bewusste Entscheidung“, so Laurini. Die „Maison Sourrire“ versteht sich damit auch als offener Treffpunkt im Viertel.
Ateliers und Aktivitäten für unterschiedliche Zielgruppen
Im Laden gleich am Eingang des Lokals kann man die hauseigenen Kreationen erwerben Foto: Editpress/Alain Rischard
Jeder ist willkommen: Neben dem Cafébetrieb werden in dem Lokal verschiedene Ateliers und Aktivitäten organisiert. Dazu gehören sportliche Angebote wie Yoga oder Selbstverteidigung sowie künstlerische Workshops, etwa in Fotografie oder Keramik. Einige Programme richten sich besonders an Jugendliche.
Ein Teil dieser Aktivitäten richtet sich an Menschen, die von sozialen Diensten an die Organisation vermittelt werden.
Gleichzeitig stehen einige Angebote auch weiteren Interessierten offen. Ziel ist es, Begegnungen zwischen unterschiedlichen Gruppen zu ermöglichen und die „Maison Sourrire“ als Ort der Teilhabe im Stadtzentrum zu etablieren.
Überdies arbeitet die Vereinigung mit sozialen Einrichtungen, Wohnheimen und Organisationen im Süden des Landes zusammen, um Aktivitäten auch außerhalb der „Maison Sourrire“ anzubieten.
Soziale Aktivitäten und Kooperationen
Die Werkstatt befindet sich im Hinterraum des Lokals, hier wird gebastelt, genäht und organisiert Foto: Editpress/Alain Rischard
Parallel zum öffentlichen Café läuft das Pilotprojekt „Atelier des possibles“, das für die Jahre 2026 und 2027 angelegt ist. Ziel ist es, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen praktische Erfahrungen im Arbeitsalltag zu ermöglichen. „Viele Menschen, die zu uns kommen, haben Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt“, erklärt Laurini. „Wir wollten ein Projekt schaffen, das ihnen ermöglicht, Schritt für Schritt wieder in eine berufliche Struktur zu kommen.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten in mehreren Bereichen, darunter Gastronomie, Logistik, Reinigung und Verwaltung. In der Küche werden täglich Mahlzeiten vorbereitet, während andere Teilnehmer im Laden, im Café oder bei organisatorischen Aufgaben eingesetzt werden.
Übergang statt Dauerlösung
Im Café kann man von montags bis freitags essen oder einen Kaffee trinken Foto: Editpress/Alain Rischard
Seit dem Start Anfang Februar nehmen Laurini zufolge 47 Personen am Programm teil. Sie werden über soziale Dienste vermittelt und bleiben in der Regel für eine begrenzte Zeit im Projekt. Finanziert wird das Projekt u.a. durch den Europäischen Sozialfonds (FSE+) sowie durch das Familienministerium. Weitere Programme werden von Stiftungen unterstützt.
Die „Maison Sourrire“ ist als Zwischenstation gedacht. Ziel ist es, Teilnehmerinnen und Teilnehmern Zeit und Struktur zu geben, bevor sie eine Arbeit außerhalb des Projekts aufnehmen. Laurini betont: „Es geht darum, ihnen Zeit zu geben und sie auf den nächsten Schritt vorzubereiten.“