Literatur
Lyrische Zwischentöne: „Schlupflöcher“ von Tamara Štajner
Mit „Schlupflöcher“ legt Tamara Štajner ihr Lyrikdebüt vor. Dass sich die Dichtung mitnichten von ihren musikalischen Ursprüngen entfernt hat, zeigt die Autorin auf vielgestaltige Weise.
Tamara Štajner, 1987 in Novo mesto (Slowenien) geboren, ist klassische Violistin, Autorin und Performerin Foto: Andrej Grilc
In seinem Essay „Warum hassen wir die Lyrik“ erforscht Ben Lerner die paradoxe Natur der Dichtkunst. Sich auf den Dichter Allen Grossman berufend schreibt er, es bestehe in der Dichtung „ein ,unlösbarer Konflikt‘ zwischen dem Verlangen des Dichters, eine alternative Welt zu singen“ und, wie Grossman es formuliert, ,dem Widerstand gegen ein alternatives Schaffen, der den Materialien innewohnt, aus denen sich jede Welt zwangsläufig zusammensetzt‘.“ Damit werde jedes Gedicht zur Manifestation eines Scheiterns und die Dichterin zu einer tragischen Gestalt. Lerner zufolge kann ein lyrischer Text also nicht gelingen, weil der Autor das, was er sagen möchte, nie auf vollkommene Weise aufs Papier bringen kann. Schuld daran sind die Grenzen, die die menschliche Sprache setzt.