3 Gründerinnen erzählen
Luxemburgs weibliche Start-up-Szene ist klein, aber sie wächst
Luxinnovation rückt von Frauen (mit)gegründete Start-ups in den Vordergrund. Anlässlich des Frauentags am 8. März hat das Tageblatt mit drei Gründerinnen über ihr Unternehmen gesprochen.
Gründerinnen: Ksenia Golubeva-Schmit, Charlotte Wirion, Imeshi Weerasinghe und Astou Ndiaye Montage: Tageblatt
Am 8. März ist Weltfrauentag. Zu diesem Anlass hat das Tageblatt mit drei Gründerinnen gesprochen, die sich trotz aller Widrigkeiten für den Weg in männerdominierten Branchen entschieden haben. Ob Gesundheit, Unternehmenssoftware oder Fintech – die Start-ups beweisen sich in ihren Branchen. Doch wie nötig ist es eigentlich noch, dass man frauengeführte Unternehmen hervorheben muss?
Beginnen wir mit ein paar Zahlen: In Luxemburg gibt es derzeit 98 von Frauen (mit-)gegründete Start-ups. Das entspricht zwölf Prozent des gesamten luxemburgischen Start-up-Ökosystems hierzulande. 74 Start-ups haben ihren Hauptsitz in Luxemburg. Das Wachstum hat sich über die vergangenen drei Jahre deutlich beschleunigt – in der Zeit haben 35 Frauen Firmen gegründet, das ergibt sich aus den Daten von Luxinnovation. Laut der Agentur für Start-ups in Luxemburg soll diese positive Entwicklung in Zukunft beibehalten und verstärkt werden.
Die Statistik belegt 35 neue Firmengründungen in den vergangenen drei Jahren Start-up Luxembourg
Zwölf Prozent – das ist nicht besonders viel. Woran liegt das? Warum gründen Frauen weniger Unternehmen als Männer? Ist es für sie schwieriger, an Kapital zu kommen? Oder fehlt es an Vorbildern?
Eine der Gründerinnen von Auti-HD ist Ksenia Golubeva-Schmit. Sie führt das Unternehmen gemeinsam als CBDO (Chief Business Development Officer) mit Joël Schmit als CEO und Aleks Fedorov als CTO (Chief Technology Officer). Auti-HD unterstützt neurodivergente Nutzer mit Tools für Stressbewältigung, Strukturierung und Alltag – und sammelt Erfahrungen aus der Praxis und am Arbeitsplatz, um tatsächlich funktionierende Lösungen zu entwickeln.
Co-Gründerin und CBDO Ksenia Golubeva-Schmit
Im Gespräch mit dem Tageblatt gibt sie zu: „Männer investieren in Männer.“ Sie versteht, dass man eher in eine Person investiert, die so aussieht wie man selbst. Glaubt allerdings auch, dass eine weiblich-männliche Führung einem Unternehmen guttut. Sie und ihr Geschäftspartner ergänzen sich gegenseitig. Ihr Rat an junge Gründerinnen: „Andere Frauen haben es geschafft, du schaffst es auch.“ Golubeva-Schmit hatte selbst in ihrer Laufbahn drei Frauen, die sie inspiriert haben. Starke Frauen als Vorbilder würden zeigen, was alles möglich sein kann.
Insgesamt haben Start-ups, die von Frauen (mit)gegründet wurden und in Luxemburg aktiv sind, 617 Millionen Euro aufgebracht. Dies entspricht acht Prozent aller vom nationalen Start-up-Ökosystem gesicherten Mittel. Obwohl sie nur einen kleinen Teil des gesamten Kapitals ausmachen, sind diese Unternehmen an 21 Prozent aller Finanzierungsrunden beteiligt. Das bedeutet, dass Unternehmen, die von Frauen geführt werden, zwar Geld sammeln, aber meistens kleinere Summen erhalten. Laut Luxinnovation liegt die durchschnittliche Finanzierungsrunde bei drei Millionen Euro – deutlich unter dem gesamten Start-up-Durchschnitt von acht Millionen Euro. Woran liegt das?
Laut Luxinnovation ziehen frauengeführte Start-ups zwar Investoren an, andererseits haben sie Schwierigkeiten, größere Finanzierungsrunden zu sichern, die eine Skalierung ermöglichen. Die Finanzierungsquellen sollen sich erheblich unterscheiden. Die von Frauen (mit)gegründeten Start-ups benötigen andere Förderprogramme und sollen auf stärkere Zuschüsse angewiesen sein als das breitere Ökosystem. Frauen machen 20 Prozent der Start-ups im Gesundheitswesen aus, aber nur acht Prozent in den Bereichen Unternehmenssoftware und Fintech. Sie sind also in den Sektoren vertreten, aber in technischeren oder kapitalintensiveren Bereichen nach wie vor unterrepräsentiert.
Die Frauen, die Healthcare und den Umweltsektor verändern
Dass Frauen aber auch in technischeren Feldern Erfolg haben, zeigen Charlotte Wirion und Imeshi Weerasinghe, Gründerinnen von WEO. Das Unternehmen erstellt Umweltanalysen anhand von Satellitendaten. Durch den Einsatz von Weltraumdaten und KI erlangen sie konkrete Erkenntnisse, die es ihnen ermöglichen, Städte widerstandsfähiger zu machen, die Vegetationspflege zu optimieren und Risiken zu verringern. Wirion ist CTO (Chief Technological Officer) bei WEO.

Die Co-Founder Charlotte Wirion und Imeshi Weerasinghe von WEO Fotograf: Matthieu Freund-Priacel
Sie ist sich bewusst: „Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen Frauen und Männern.“ Besonders beim Thema Investieren. Wirion erzählt, dass es viel mehr Männer als Investoren gibt als Frauen. Die Chance, als Mann einen schnelleren Erfolg mit seinem Unternehmen zu erzielen, sei leider die Realität. Doch davon haben sich Wirion und Weerasinghe nicht aufhalten lassen. Sie sind zuerst auf den Bedarf ihrer Kunden eingegangen und haben so Investoren angezogen. Die Bestätigung auf globaler Bühne war unter anderem der WSA Award 2023. Der World Summit Award (WSA) ist seit 2003 der einzige internationale Wettbewerb, der digitale Innovationen sucht, bewertet und prämiert. Wirion sagt: „Wir sind sehr glücklich darüber und es motiviert einen, diesen Weg so fortzusetzen.“ Ob Frau oder Mann: Wirion hat eine klare Message: „Wenn man eine Idee hat, ist es immer einen Versuch wert.“ Sie hat keine Sorge, da es viele Frauen gibt, die in Luxemburg Unternehmen gründen, und auch nicht alle Investoren auf das Geschlecht schauen.
Doch auch ein persönliches Erlebnis kann die Geburtsstunde eines Unternehmens werden. Für Astou Ndiaye hat ihr Gründerweg so begonnen. Die Hale-X-Gründerin hat sich nach einer persönlichen Nahtoderfahrung dafür entschieden, im Bereich Gesundheit ihr Unternehmen zu gründen.

Gründerin von Hale-X Astou Ndiaye Privat
Als Kind wollte sie Forscherin werden, doch schnell verstand sie: „Wenn ich mehr erreichen will, muss ich auf der anderen Seite stehen.“ Es ging ihr dabei darum, ein Problem zu lösen und die Lücke im Gesundheitssystem zu füllen. Das Start-up ist eine multimodale Plattform, die verschiedene Quellen von Gesundheitsdaten (z.B. Laborergebnisse, elektronische Gesundheitsakten, medizinische Geräte und Wearables) in einem einzigen, erklärbaren KI-gesteuerten System integriert. Hale-X führt alles zusammen, um einen dynamischen digitalen Zwilling für jeden Patienten zu erstellen, der personalisierte Vorhersagen und präventive Erkenntnisse liefert. Ihrer Erfahrung nach bekommen Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, bei der Finanzierung nicht die gleiche Unterstützung. Doch auch als schwarze Frau erlebt sie Widerstände – versteckt und unterschwellig, meint sie im Gespräch mit dem Tageblatt. Sicher und selbstbewusst geht sie mit kleinen Spitzen um: „Ich lasse mich nicht von anderen definieren.“ Doch sie ist sich bewusst, dass dies auf den Charakter ankommt. Sie erzählt: „Frau oder Mann, das spielt keine Rolle. Man sollte für seine Leistung beurteilt werden und nicht für sein Geschlecht.“ Mit einem kleinen Lacher plaudert sie aus: „Wir Frauen gehen zu bescheiden mit unserem Erfolg und unserer Leistung um. Männer scheuen sich auch nicht, zu zeigen, was sie erreicht haben.“ Ndiaye sieht die Zukunft klar: Repräsentation ist wichtig. Weibliche Vorbilder, die der nächsten Generation vorleben, was alles möglich ist, und passende Netzwerkmöglichkeiten schaffen, spielen hierbei eine große Rolle. Die Gründung eines Unternehmens ist für jeden eine Herausforderung, daher ist das richtige Unterstützungssystem unerlässlich. Dabei sollte man nach Ndiaye nie vergessen: „Es geht nicht darum, dass Frauen besser sind als Männer. Es geht darum, dass unterschiedliche Perspektiven Unternehmen stärker machen.“