Season Opening
Luxemburgische Äpfel und belgische Hähnchen: Landwirtschaft startet in die neue Saison
Beim Season Opening der Landwirtschaft drehte sich vieles um den Apfel. Aber auch regionale Produkte und zu viel Papierkram waren Thema im Cercle Cité.
Der Apfel stand im Mittelpunkt von Jean-Claude Mullers Rede Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Landwirte, Winzer und Gärtner sind am Donnerstag im Cercle Cité in die neue Saison gestartet. Die aktuelle Weltlage zeige erneut, wie wichtig es sei, die Selbstversorgung eines Landes zu sichern.
Jean-Claude Muller, Präsident des „Landesuebstbauveräin“, nutzte seine Ansprache, um noch einmal auf die Diskussion um angeblich pestizidverseuchte Äpfel einzugehen. In diesem Zusammenhang sprach er von „Fake News“. Auch Landwirtschaftsministerin Martine Hansen, die ebenso wie Premierminister Luc Frieden, Gesundheitsministerin Martine Deprez, Justizministerin Elisabeth Margue (alle CSV) und Familienminister Max Hahn (DP) anwesend war, betonte die gute Qualität der luxemburgischen Produkte.
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„Es ist schlimm, dass durch die negative Presse über die Äpfel der Verkauf zumindest am ersten Wochenende danach stark gesunken ist“, sagte Hansen. Im Januar hatte eine Studie ergeben, dass in 93 Prozent der konventionellen Äpfel Pestizidrückstände gefunden wurden. Luxemburg lag dabei über dem EU-Durchschnitt, allerdings weiterhin unter den Grenzwerten.
Poulet aus Belgien
Neben der Apfeldebatte kritisierten die Landwirte vor allem die aus ihrer Sicht ausbleibende administrative Vereinfachung sowie die Kampagne zum „Dry January“. Eine Sensibilisierung für einen verantwortungsvollen Konsum alkoholischer Getränke sei sinnvoller, als einen Monat völligen Verzicht zu bewerben, hieß es.
Für Unmut sorgte außerdem die Auswahl der Lebensmittel in den Schulkantinen. „Im ‚Cahier des charges‘ von Restopolis wurde festgehalten, dass man zuerst lokal und biologisch einkaufen muss. Das unterstützen wir“, so Jean-Claude Muller. „Danach jedoch erhält jedes andere Bioprodukt aus der ganzen Welt den Vorrang vor unserer lokalen nationalen Ware – und das nicht nur bei Obst und Gemüse. Der luxemburgische Poulet konnte nicht an Restopolis geliefert werden, weil die Küken in Belgien aus dem Ei geschlüpft sind. Deshalb wurden dann belgische Hähnchen geliefert.“
Ministerin Hansen, die von den Landwirten viel Lob erhielt, unterstrich, dass sich die Regierung auch dieser Problematik annehmen wolle. Zudem kündigte sie für Juni einen Landwirtschaftstisch an, um erste Weichen für das neue Agrargesetz zu stellen, das 2028 in Kraft treten muss. Auch ein Weinbautisch soll noch in diesem Jahr stattfinden.
Premierminister Luc Frieden betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für Luxemburg und hob die Bestrebungen der Regierung hervor, eine pragmatische Klimapolitik mit den Interessen der Landwirtschaft zu verbinden.