Theater
„Les Bonnes“ – Der subtile Charme der Macht und die Zeitlosigkeit von Jean Genet
Wie spielt man Jean Genets „Die Zofen“? Diese Frage bekommen die Zuschauer zu Beginn der Inszenierung von Frank Hoffmann am Théâtre national gestellt. Und wieso spielt man das Stück? Die Antwort ist denkbar einfach: Der Autor stand im steten Widerspruch zur bürgerlichen Gesellschaft und trat für all jene ein, die von ihr ausgestoßen wurden. Umso wichtiger ist er gerade heute.
Valérie Bodson, Jeanne Werner und François Camus in „Les Bonnes“ Foto: Bohumil Kostohryz
Mancher im Publikum mag sich wirklich fragen, warum Jean Genets wohl populärstes und meistgespielte Stück aus dem Jahr 1947 noch heute so auf den Bühnen gezeigt wird, häufiger etwa als „Huis Clos“ von Jean-Paul Sartre, das ein paar Jahre vor „Les Bonnes“ entstand – und bevor Sartre zusammen mit Jean Cocteau in einem offenen Brief um Genets Begnadigung bat. Sie stellten ihn in eine Reihe mit den großen „poètes maudits“ François Villon, Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud und Paul Verlaine. Sartre veröffentlichte 1952 seinen fast 600 Seiten langen Essay „Saint Genet – comédien et martyr“, eine literarische Heiligsprechung des Dichters. Über Genets „Journal du voleur“ (1949) meinte Sartre, dies sei keine Autobiographie, sondern eine „heilige Kosmogonie“.