Flashback
Lars von Triers „Breaking the Waves“ (1996) und sein Kino der Extreme: Glaube, Liebe und Obsession
Das Tageblatt präsentiert in einer losen Filmserie Meisterwerke der Filmgeschichte, die 2026 ein Jubiläum feiern – dieses Mal Lars von Triers „Breaking the Waves“ von 1996. Der dänische Regisseur gilt als einer der innovativsten, aber auch umstrittensten Filmemacher des modernen Kinos.
Stellan Skarsgård und Emily Watson in „Breaking the Waves“ Foto: IMDb
Als Kind war Lars von Trier begeistert von einem Märchenbuch mit dem Titel „Das goldene Herz“. Darin gibt ein Mädchen so viel von sich weg, dass nichts mehr übrigbleibt. Sowohl in den Filmen „Idioten“ (1998) und das Musical-Drama „Dancer in the Dark“ als auch in „Breaking the Waves“, die zusammen die „Golden Heart“-Trilogie bilden, setzt sich der Regisseur mit diesem Thema auseinander. Und auch in anderen Werken des 1956 in Kopenhagen geborenen Regisseurs, aufgewachsen in einem atheistischen Elternhaus und nach der Heirat zum Katholizismus konvertiert, spielen religiöse und spirituelle Motive eine Rolle: Glaube, Liebe und Hoffnung ebenso wie Leiden, Opfer und Strafe.
Vor allem das Leiden findet bei von Trier eine besonders starke Ausprägung, als ein grundlegender und unabänderlicher Bestandteil der Conditio humana. Wer leidet, kann zum Heiligen werden. In diesem Punkt scheiden sich die Geister: Wie viele von seinen Protagonisten ist Bess McNeill aus „Breaking the Waves“ eine Besessene, die am Ende zur religiösen Erkenntnis gelangt. Andererseits steht sie in der Tradition starker, eigenwilliger Frauen, die gerade wegen dieser Eigenschaft für verrückt erklärt wurden.