Jérôme Netgen geht von Bord
Lange hat er hingeschaut. Jetzt darf er wegschauen
Offizieller Abschied am Dienstag für einen langjährigen Mitarbeiter der Tageblatt-Redaktion.
Foto: Editpress/Julien Garroy
Jérôme Netgen, 60, geht von Bord. Am Dienstag war sein letzter Arbeitstag. Und offizielle Verabschiedung mit allem, was da so dazugehört. Er wird fehlen. Als einer von vielen, die unter vielen auf ihre ganz eigene Weise einmalig sind, hat er den Redaktionsalltag zu dem gemacht, was er sein muss: ein Haus voller Verrückter. Anders ließe sich Zeitung wohl nur schwer machen.
Jérôme hatte ein Händchen für das richtige Wort und wenig Geduld für das falsche. Vor allem aber hatte er ein Gespür für alles, was eben noch nicht der passende Satz war. Dann konnte es schon mal heißen: „Und du meinst, das sei ein Titel, der es bis in die Zeitung schaffen könnte?“
Und nach dem nächsten Vorschlag, trocken und treffsicher: „Same shit.“
Ja, Jérôme konnte einen auf pädagogisch zärtliche Weise zum Nachdenken bringen, zum Weiterdenken, zum Bessermachen. „Differenzierungsräume“ oder „Bewegungsräume“ nannte er Neusprech-Bullshit. Nicht aus Bosheit, sondern aus einem gesunden Misstrauen gegen Wörter, die wichtiger klingen wollen, als sie sind.
Was sollen wir sagen?
Lange hat er hingeschaut. Jetzt darf er wegschauen. Danke fürs Geradeziehen. Die Zukunft darf er nun schreiben wie es ihm gefällt. (Komma! Komma einfügen!) (mago)