Gemeindeentwicklung

„Kompass für die nächsten 25 Jahre“ – Niederanven stellt Plan für „Am Sand“ vor

Das Zentrum „Am Sand“ in Niederanven ist in die Jahre gekommen. Es soll deshalb revitalisiert werden. Die Gemeinde stellte am Montag den Gewinnerentwurf aus einem Ideenwettbewerb vor. Bewohner müssen sich bis 2050 auf große Veränderungen einstellen.

Bürgermeister Fréd Ternes und Jury-Präsident Frank Goeders präsentieren Entwurf bei offizieller Vorstellung

Bürgermeister Fréd Ternes (M.) sowie Jury-Präsident Frank Goeders (r.) bei der Vorstellung des Entwurfs Foto: Editpress/Didier Sylvestre

„Am Sand“ ist ein zentrales Viertel der Gemeinde Niederanven. Anwohner erledigen im Einkaufszentrum „Les Arcades“ ihre Besorgungen und ihre Kinder gehen dort zur Schule. Auch Freizeitangebote sind vorhanden, etwa das Schwimmbad oder das Kulturhaus. Aber: „Das Gelände ist über Jahrzehnte ohne übergreifendes Konzept gewachsen“, sagte Bürgermeister Fréd Ternes (CSV). Daher rief die Gemeinde einen Ideenwettbewerb ins Leben, um das Viertel zu revitalisieren. Der Entwurf des Gewinners wurde am Montag vorgestellt.

Einkaufszentrum Les Arcades mit veralteter Fassade und ungenutzten Parkflächen laut Bürgermeister Ternes

Das Einkaufszentrum „Les Arcades“ ist laut Bürgermeister Ternes veraltet – und die Parkflächen könnten sinnvoller genutzt werden Foto: Editpress/Tun Stemper

Veraltetes Einkaufszentrum

Das Zentrum „Am Sand“ sei der funktionale Mittelpunkt der Gemeinde, so Ternes. Doch gebe es einige Probleme. „Es gibt viele Parkplätze und das Einkaufszentrum ist veraltet.“ Die Gebäude stammen aus den 1980ern. Und: Die ansässigen Geschäfte wurden in die Planung eingebunden.

Auch die Fuß- und Fahrradverbindungen seien ausbaufähig. Aus politischer Sicht sei eine gemeinsame Vision für die Zukunft wichtig. Teil davon: die Bürgerbeteiligung, die schon 2024 angestoßen und 2025 ausgewertet wurde.

Der Mensch im Mittelpunkt der Planung

Der Gewinnerentwurf von Dewey Muller sowie Lill+Sparla (beide aus Köln) habe die Jury durch die hohe Qualität der öffentlichen Freiräume sowie das durchdachte Mobilitätskonzept überzeugt. „Sie haben den Menschen in den Mittelpunkt der Planungen gerückt“, so Goeders.

Der von der Jury gewählte Entwurf orientiert sich an der Klimaresilienz. Dementsprechend sind im Plan viele Grünflächen vorgesehen. Zudem sollen sämtliche Einrichtungen gut zu Fuß sowie mit dem Fahrrad erreichbar sein.

15 Minuten

So schnell sollen sämtliche Einrichtungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein

Christine Muller von Dewey Muller präsentiert den Entwurf des siegreichen Designs bei der Preisverleihung

Christine Muller von Dewey Muller stellte den Entwurf der Sieger vor Foto: Editpress/Didier Sylvestre

15-Minuten-Stadt

Vor allem aber wird sich einiges in „Am Sand“ ändern, wenngleich der Entwurf nicht der finalen Planung entsprechen muss. So sollen etwa mehrere Parkhäuser – sogenannte Quartiersgaragen – entstehen. Diese sollen langfristig die bisherigen Parkflächen ersetzen und so Raum für neue Gebäude schaffen. Die Zahl der Geschäfte soll sich verdoppeln.

Die bestehende Straße Routscheed, die am Kulturhaus entlang Richtung Schule führt, soll autofrei werden. Ein dann „Perlenkette“ genannter Weg soll der sanften Mobilität dienen. Ganz nach dem Konzept der „15-Minuten-Stadt“ sollen sämtliche Einrichtungen innerhalb von einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Eine neue Straße soll dafür durch das jetzige Gebiet des Einkaufszentrums führen.

Straße Routscheed mit Fußgängern und Bäumen, geplant als autofreie Perlenkette für nachhaltige Mobilität

Die Straße Routscheed soll zur autofreien „Perlenkette“ werden Foto: Editpress/Tun Stemper

Essbare Stadt

Ein anderes Konzept bei der Planung ist die „essbare Stadt“. Durch die landwirtschaftliche Nutzung von urbanem Raum sollen vor allem Kinder sehen, wo das Essen herkommt. Und: Es ist deutlich mehr Wohnraum vorgesehen – insgesamt über 1.000 Einheiten. Dieser soll in neuen Zonen, etwa hinter der Dorfkirche, aber auch in den Stockwerken über den Geschäften entstehen.

Das Gebiet ist aus urbanistischer Sicht das Filetstück der Gemeinde

Frank Goeders

Präsident der Jury

Die Kriterien der Jury

  • Städtebau
  • Nutzungsvielfalt
  • Öffentlicher Freiraum und Gestaltung
  • Klima und Ökologie
  • Mobilität und Erreichbarkeit
  • Identität und Charakter

Die Jury vergab pro Kategorie 0-5 Punkte und wählte so den Gewinner aus fünf Teilnehmern. Und: Sie sind das direkte Resultat der von den Bürgern geäußerten Wünsche.

Flexible Planung nötig

„Das Gebiet ist aus urbanistischer Sicht das Filetstück der Gemeinde“, sagte Frank Goeders, Präsident der Jury sowie „Chef de département“ der Bereiche Kommunalentwicklung, staatliche Aufsicht sowie Verfahren beim Innenministerium.

Das Ziel des Wettbewerbs laut Goeders: Ideen sammeln. Dementsprechend werde nicht alles identisch zum Siegerentwurf umgesetzt. Die Planung müsse ohnehin so flexibel bleiben, dass sie an zukünftige Bedürfnisse angepasst werden könne.

Das ist kein Abschluss, sondern ein Kompass für Jahrzehnte

Fréd Ternes

Bürgermeister Niederanvens

Ab Herbst soll bis 2030 das neue Viertel geplant werden, sodass dann mit dem Bau begonnen werden kann. Dieser soll etappenweise erfolgen und bis 2050 abgeschlossen sein.

Öffentliche Ausstellung

Sämtliche Entwürfe der Teilnehmer sind im Rathaus ausgestellt und können von den Bewohnern begutachtet werden. Dies vom 14. Juli bis 14. September während der Öffnungszeiten.

Weitere Informationen: niederanven.lu.

Bürger betrachten Siegerentwurf einer Architektur-Ausstellung bis 14. September in einer öffentlichen Galerie

Die Bürger können sich unter anderem den Siegerentwurf bis zum 14. September anschauen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

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