Warnung ausgelöst
Knapp am Tornado vorbei? Superzelle über Großregion beschäftigt Philippe Ernzer
Am Samstag gab es in der Großregion ein Ereignis, das einmal mehr zeigt, wie nah extreme Wetterphänomene an das Großherzogtum heranreichen können. Bereits am letzten Mai-Wochenende war Luxemburg nur knapp an einer Gewitterlinie über Belgien vorbeigeschlittert, die dort sintflutartigen Regen und Hagel brachte.
Superzellen wie hier in den USA können auch in Europa vorkommen Foto: Editpress/David Rock
Was sich am Samstag über der Großregion abspielte, verdient besondere Aufmerksamkeit. Während ich selbst im Ausland unterwegs war, bildete sich von Nordfrankreich aus eine sogenannte „Low-Topped-Superzelle“, die von dort aus über die Province de Luxembourg (Belgien) bis nach Luxemburg zog und dabei eine Strecke von rund 163 Kilometern zurücklegte. Auf nahezu ihrem gesamten Weg registrierten mehrere Wetterradare eine moderate bis starke, eng gebündelte Rotation im Gewitter – ein sogenanntes „Velocity Couplet“ in den unteren bis mittleren Luftschichten. Augenzeugenberichte gibt es bislang zwar keine, was jedoch wenig überrascht: Die Zelle zog größtenteils über dichte Wälder und offene Felder, zudem dämmerte es bereits.
Die Webcambilder vom Radarturm in Wideumont im direkten Grenzgebiet zwischen Belgien und Luxemburg zeigten eine tief hängende, rotierende Wolkenmauer mit einer möglichen Trichterwolke darunter. Grund genug, über mein SkyWatch-System eine kleinräumige, präventive Tornadowarnung für das Grenzgebiet zu Belgien auszurufen. Die Zelle verlor ihre Rotation erst über der Nordspitze Luxemburgs endgültig.