Unberührtes Luxemburg (6)

Kaleburn ist der ideale Lebensraum für Torfmoosarten

Bedrohte Arten, seltene Lebensräume und beeindruckende Natur direkt vor der Haustür: Naturschutzgebiete sind Schatzkammern der heimischen Biodiversität. In unserer neuen Serie stellen wir 40 Tage lang täglich ein Luxemburger Naturreservat vor.

   

    Foto: Fondation Hëllef fir d’Natur

Kaleburn ist der ideale Lebensraum für Torfmoosarten

Der Kaleburn bildet in seinem Zentrum ein Niedermoor, welches sich aufgrund besonderer Standortbedingungen entwickelt hat: Ardennenhochland mit einer leichten Senke, undurchlässige Böden, welche zur Ansammlung von Regenwasser führen, hohe Niederschlagsmengen sowie niedrige Jahresdurchschnittstemperaturen. Hier finden unter anderem Moorbirken, welche um ihre Stämme herum Torfmoose aufweisen, einen idealen Lebensraum. Bei Bestandsaufnahmen wurden insgesamt 61 verschiedene Moosarten, davon 19 Torfmoosarten, identifiziert. Das Torfmoor ist ein ganz besonderer Lebensraum, der in Luxemburg äußerst selten und sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene geschützt ist.

Feuchtbrachen und Schlangenknöterich-Wiesen umrahmen diesen moorigen Hotspot und bieten zwei Glazialrelikten, dem Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia) und dem Blauschillernden Feuerfalter (Lycaena helle), Eiablageplätze. Der Standort ermöglichte übrigens im Jahr 1978 die erste Beobachtung von Lycaena helle auf luxemburgischem Gebiet durch den Entomologen Marcel Hellers. Kaleburn verfügt über mehrere Wasserflächen, von denen eine den Kammmolch (Triturus cristatus) beherbergt, der im Süden des Landes relativ häufig vorkommt, im Norden jedoch sehr selten ist. Hier befinden sich auch historische Überreste des Maas-Mosel-Kanals.

Gut zu wissen!

Schlangenknöterich (Bistorta officinalis) – Der Schlangenknöterich aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) ist eine essbare Pflanze, die früher medizinisch genutzt wurde. Er ist typisch für die Feuchtgebiete des Öslings und hat sehr charakteristische, rosafarbene Blüten.

Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) – Der Schlangenknöterich ist als Wirtspflanze für das Überleben des Blauschillernden Feuerfalters unerlässlich. Der Schmetterling legt seine Eier nur auf den Blättern dieser Pflanze ab, welche anschließend die exklusive Nahrung seiner Raupen ist.

Die Schneise des Kanals – Der Bach des Kaleburns mündet oberhalb von Hoffelt in einen 1.350 m langen Canyon mit einer maximalen Tiefe von elf Metern. Es handelt sich dabei um ein rein künstliches Tal, einen Zugangsgraben zu einem unterirdischen Kanal. Dieser war geplant, um die Einzugsgebiete der Maas und der Mosel mithilfe eines Binnenschifffahrtswegs zu verbinden – ein mehr als ehrgeiziges Projekt des Königs der Niederlande (gleichzeitig auch Großherzog von Luxemburg) aus dem Jahr 1825. Die politischen Spannungen durch die belgische Revolution, der Bau der Eisenbahn sowie die Festlegung der belgisch-luxemburgischen Grenze im Jahr 1839 bedeuteten das Ende für dieses ambitionierte Unternehmen.

Circuit auto-pédestre Hoffelt

Start des Wanderweges: Barteshaus, 29, Am Huälleweeg, 9960 Hoffelt

Ausgewiesene Naturschutzgebiete in Luxemburg

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