Theater 

„Intervention“ im Kasemattentheater – Ein ganz normaler Selbstbetrug

Rebekka Kricheldorfs „Intervention“ ist eine bitterböse Fabel über Abhängigkeit, Freundschaft und Sinnstiftung im späten Kapitalismus. Sandra Reitmayer verwandelt den Text in ein überzeugendes Kammerspiel mit prägnanten Dialogen, einer empathischen Figurenzeichnung und einem intelligent eingesetzten Bühnenbild. Nur wirkt das Stück manchmal zu viel wie eine Abhandlung über die Vor- und Nachteile des Rauschzustandes – und kommt in Luxemburg in reduzierter Version auf die Bühne.

Ein skurriles Bühnenbild – und vier Figuren, die alle mit ihren Abhängigkeiten zu kämpfen haben

Ein skurriles Bühnenbild – und vier Figuren, die alle mit ihren Abhängigkeiten zu kämpfen haben Foto: Antoine De St Phalle

Man kennt die Situation aus amerikanischen Sitcoms: Eine Figur soll den besten Freund auf ein Aperitif treffen, im Wohnzimmer des Kumpels erwartet sie jedoch eine Auswahl an Freunden, Bekannten, Familienangehörigen und Berufskollegen. Auf eine Tafel oder ein Schild hat jemand das Wort „Intervention“ gekritzelt, der spontan gebildete Hilfstrupp erklärt der erst mal ratlosen, schockierten oder erbosten Figur mithilfe von anmaßenden Urteilen, ungelenken Liebeserklärungen und heuchlerischen Euphemismen, dass sie auf die schiefe Bahn geraten ist und man ihr dazu verhelfen will, wieder den „richtigen“ Lebenspfad einzuschlagen.

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