Religion in Luxemburg

Wenn eine Tradition leiser wird: Abschied von der Kommunion?

Immer weniger Kinder in Luxemburg schreiten zur Ersten Kommunion. Wie sich die Feste verändert haben, was das für Gastronomen bedeutet und wie sich die Geschenke von heute und früher unterscheiden.

Immer weniger Kinder in Luxemburg feiern ihre Erste Kommunion, wie hier in Bonneweg am 18. April 2026

Immer weniger Kinder in Luxemburg feiern ihre Erste Kommunion, wie hier in Bonneweg am 18. April 2026 Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Weiße Kleider, festliche Anzüge, ein Gottesdienst und anschließend viele Geschenke – für viele Kinder war die Erste Kommunion eine Mischung aus Jesus-Geschichten und Geburtstagsfeier. Doch die Tradition wandelt sich zusehends.

Termin für Erstkommunion flexibel

Der Frühsommer ist die Zeit der Ersten Kommunion. Traditionell wird die katholische Feier am ersten Sonntag nach Ostern begangen. Doch in mehreren Pfarreien in Luxemburg gehört die strikte Orientierung am kirchlichen Kalender längst der Vergangenheit an.

In Esch und Schifflingen etwa findet die Erste Kommunion inzwischen erst im Juni statt. „Der Wechsel fand während Covid statt“, heißt es von der Pfarrei Esch am Telefon. „Wir haben damals gemerkt, dass spätere Termine die Organisation für die Familien erleichtern.“

Dabei muss man sich heute immer seltener um freie Restaurants für die anschließende Familienfeier streiten. Laut offiziellen Zahlen des Erzbistums Luxemburg nimmt die Zahl der Kinder, die jährlich zur Erstkommunion gehen, kontinuierlich ab. 1980 waren es noch 3.776, im Jahr 2000 nur noch 2.132. In den frühen 2000er-Jahren – zwischen 2004 und 2006 – kam es jedoch noch einmal zu einem Hoch, als jeweils mehr als 4.000 Kinder das Sakrament empfingen.

Auswirkungen der Trennung von Kirche und Staat

Bis 2016 blieb die Zahl stabil bei über 3.000. Dann folgte ein Einschnitt: Die blau-rot-grüne Regierung setzte die Trennung von Kirche und Staat um. 2018 trat die Reform in Kraft – und der Religionsunterricht verschwand aus den Schulen. In den Folgejahren gingen die Kommunionszahlen deutlich zurück, mit einem Tiefststand von nur 1.141 im Covid-Jahr. Allerdings fällt diese Zahl auch in eine Zeit, in der Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsregeln mit der üblichen Kommunionssaison zusammenfielen.

Die Kommunion ist kein Einzelfall: Eine Statec-Analyse von 2023 zeigt einen deutlichen Rückgang der Religionsausübung in Luxemburg. Sie beruht unter anderem auf der „European Values Study“ (EVS), die Ende 2020 und Anfang 2021 durchgeführt wurde. So gehen auch die Zahlen der Taufen und kirchlichen Heiraten merklich zurück. Mehr als 52 Prozent der Befragten gaben an, keiner Religion anzugehören. 40,8 Prozent erklärten zudem, Religion spiele für sie „überhaupt keine Rolle“, für weitere 35,4 Prozent ist sie keine wichtige Angelegenheit. In derselben Umfrage geben außerdem mehr als 58 Prozent an, nie eine Kirche oder andere Kultstätte zu besuchen.

Wenn eine Tradition leiser wird: Abschied von der Kommunion?

Auch Restaurants spüren die Entwicklung

Nicht nur Statistiken zeigen, dass sich die Tradition verändert. Auch betroffene Betriebe spüren den Wandel. Für viele Familien war die Erste Kommunion lange nicht nur ein kirchliches Ereignis, sondern auch Anlass für ein großes Familienessen.

„Kommunionen können bei uns natürlich weiterhin gefeiert werden“, teilt das Traditionsrestaurant Brideler Stuff auf Tageblatt-Anfrage mit. „Aber die Anfragen gehen seit Jahren zurück und tendieren inzwischen gegen null.“ Zudem achte man heute stärker auf Kosten. „Generell ist der Empfang von Gruppen schwieriger geworden, unter anderem wegen zunehmender Spezialwünsche – etwa Unverträglichkeiten, Allergien oder besonderer Ernährungsformen.“

Auch die Managerin eines portugiesischen Restaurants aus Esch, die anonym bleiben möchte, bestätigt diesen Trend: „Erstkommunionen werden immer seltener gefeiert. Und die Familiengruppen werden kleiner.“ Ähnliches berichtet Oberweis auf Anfrage: „In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass Erstkommunionen in Luxemburg seltener gefeiert werden, was zu einem Rückgang der Bestellungen für Kommunionstorten sowie für den ‚Bamkuch‘ geführt hat.“ Als Reaktion darauf habe man das Angebot angepasst und biete inzwischen auch kleinere Formate wie Mini-Baumkuchen an.

Geschenkelisten werden seltener

Neben dem festlichen Essen spielten insbesondere in den 2000er-Jahren auch Geschenke eine wichtige Rolle. Das zeigen Zahlen von Cactus. Seit 1990 können Gäste dort über sogenannte „Listen“ passende Präsente auswählen. Während im ersten Jahr nur 45 Listen erstellt wurden, waren es nur neun Jahre später erstmals über 1.000. Ähnlich wie bei den Zahlen der Erzdiözese zeigt sich auch hier ein Hoch zwischen 2004 und 2010 mit mehr als 1.600 Listen pro Jahr. Danach gehen die Zahlen deutlich zurück: 2025 wurden nur noch 389 Listen angelegt.

Wenn eine Tradition leiser wird: Abschied von der Kommunion?

Mireille Poos von Cactus, die bis zu ihrer Rente für die Listen zuständig war, sagt auf Anfrage: „Ich glaube nicht, dass der Rückgang mit der Finanzkrise zu tun hat. Ab dem Moment, in dem der Religionsunterricht aus den Schulen verschwand, gingen auch die Listen deutlich zurück.“ Der Gesamtwert der Wunschlisten habe sich über die Jahre bei etwa 1.500 bis 1.700 Euro eingependelt. Besonders teure Geschenke könnten zudem in mehrere Anteile aufgeteilt werden. Auffällig sei jedoch, dass sich die Wünsche seit 1990 stark verändert haben: Heute finden sich zunehmend elektronische Geräte wie Laptops, Computer, Konsolen und Smartphones auf den Listen.

Paul Ernster von der Librairie Ernster bestätigt diesen Trend: „Kommunionslisten sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Wir haben heute nur noch etwa halb so viele wie vor 15 Jahren – und die Zahl sinkt weiter.“ Unverändert sei jedoch der Inhalt: Bücher – vom Globus über Kinderserien wie „Die drei ???“ – bis hin zu Gesellschaftsspielen und Papeterie-Artikeln.

Ähnlich äußert sich auch Anne Diderich vom gleichnamigen Escher Traditionsbuchladen: „Wir haben seit mehreren Jahren gar keine Listen mehr. Seit der Trennung von Kirche und Staat hat das meinem Eindruck nach stark abgenommen.“ Wenn Geschenke gekauft würden, dann eher Sachbücher oder Schreibwaren-Artikel. „Ich habe den Eindruck, dass es heute weniger um die Geschenke als um die Kommunion selbst geht.“

(Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde erstmals am 19.4.26 publiziert und aus aktuellem Anlass erneut veröffentlicht.)

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1 Kommentare
Dunord Hagar 19.04.202608:37 Uhr

Zu meiner Zeit war die Erste Heilige Kommunion ein Portal für in ein Leben mit Respekt, Liebe, Ehre, Verständnis und Integrität. Warum sich das geändert hat, kann wohl ein jeder für sich selbst beantworten...

Nomi antwortete am 19.04.202615:27 Uhr

@Grober J-P. :: Mir haten een Kaplo'un deen "Hau" geheescht huet. (Kee Witz, wierklech).

Nomi antwortete am 19.04.202615:25 Uhr

""Es liegt auf der Hand:
Gott hat uns nicht nach seinem Ebenbild erschaffen.
Es war genau umgekehrt.""

Daat ass mer och emmer am Kapp gedreint, konnt et awer nie eso'u richteg formulei'eren !

Jo d'Goetter sin vun den Menschen erfond ginn, fir besgen eng zivilisei'ert Gesellschaft ze formen , well se sech demols nach mei oofgemetzelt hun ewei' haut !

JJ antwortete am 19.04.202613:57 Uhr

WAR Messdiener,bin heute überzeugter Atheist. Ich respektiere andere Leute wenn sie Respekt verdienen,ich liebe andere Leute wenn sie liebenswert sind. Man kennt den Spruch von Steven Weinberg: "Gute Menschen tun Gutes und böse Menschen tun Böses. Aber damit ein guter Mensch Böses tut,dazu braucht es die Religion." Wie wahr. Es liegt auf der Hand: Gott hat uns nicht nach seinem Ebenbild erschaffen.Es war genau umgekehrt.

Grober J-P. antwortete am 19.04.202611:48 Uhr

"mit Respekt, Liebe," Dann hatten Sie ja noch Glück, mancherorts hat der eine oder andere Gottesvertreter es mit der Liebe etwas übertrieben. Unser Kaplan hat versucht die Liebe mit dem Lineal zu "verbreiten", vielleicht Respekt. Es gab immer Haue, wenn einer den Katechismus nicht auswendig aufsagen konnte.

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