Abwasseranalyse

Hat Luxemburg ein Drogenproblem?

Luxemburgs Abwasseranalyse 2025 zeigt gemischtes Bild: Trotz fehlender Daten zu Kokain, Cannabis und Amphetaminen bleibt der Kokainkonsum im Großherzogtum wohl dennoch hoch. MDMA-Rückgänge und niedrige Methamphetaminwerte prägen das Drogenprofil im europäischen Vergleich.

Datenvisualisierung zeigt positives Bild Luxemburgs, fehlende belastende Informationen bleiben unberücksichtigt

Die von Luxemburg gelieferten Daten zeichnen ein braves Bild vom Großherzogtum – die womöglich wirklich belastenden Daten fehlen allerdings Foto: Marijan Murat/dpa

Kokain, MDMA, Amphetamine und zahlreiche weitere Substanzen lassen sich im Abwasser nachweisen. Die Forschungsgruppe SCORE hat gemeinsam mit der European Union Drugs Agency (EUDA) am 18. März einen Bericht vorgelegt. Das Gesamtbild ist gemischt: Während die Rückstände von MDMA in vielen Städten zurückgingen, nahmen Spuren von Kokain und Ketamin deutlich zu.

Grundlage der Untersuchung sind Proben aus mehr als hundert europäischen Städten in 25 Ländern. Über eine Woche hinweg wurde täglich Abwasser aus den Einzugsgebieten von Kläranlagen analysiert.

Für Luxemburg ist die Lage teils schwer zu beurteilen. Für das Jahr 2025 fehlen zentrale Daten zu Kokain, Cannabis und Amphetaminen – Substanzen, die hierzulande als besonders verbreitet gelten. Warum? Auf Tageblatt-Nachfrage hin teilt die Santé mit, dass diese Werte „aufgrund methodischer Probleme“ nicht in die Studie aufgenommen wurden.

Wissenschaftliche Qualitätssicherung

Es habe Abweichungen bei der Kalibrierung und der Probenvorbereitung für mehrere Analysen gegeben. Diese Abweichungen hätten die Datenqualität insofern beeinträchtigt, als die Ergebnisse nicht den Anforderungen der Studie entsprochen haben.

Methodische Grenzen

Die Abwasseranalyse ist laut der European Union Drugs Agency eine etablierte Methode zur Erfassung des Drogenkonsums auf Bevölkerung, sie liefert allerdings keine Informationen über die Prävalenz und Häufigkeit des Konsums. Auch die Hauptnutzergruppen und die Reinheit der Drogen lässt sich dadurch nicht ermitteln.

Da es keine Vergleichsproben gebe, habe man die Analysen nicht wiederholen können. „Aus Gründen der wissenschaftlichen Qualitätssicherung wurde daher entschieden, diese Daten nicht zu veröffentlichen“, schreibt die Santé. Maßnahmen zur Verbesserung der Qualitätssicherung würden inzwischen bereits umgesetzt werden.

Trotz der fehlenden Daten aus dem Jahr 2025, ließe sich laut Santé aus vergangenen Drogenberichten dennoch ein klarer Trend herauslesen. Demnach gehört Kokain weiterhin zu den am häufigsten nachgewiesenen Substanzen in Luxemburgs Abwasser – und weise im europäischen Vergleich sogar eine „eher hohe Belastung“ auf, sagt die Santé. Auch Cannabis sei weit verbreitet, wobei die Konzentration „in der Regel stabil“ bleibe. Zudem ließen sich Amphetamine im Abwasser nachweisen, allerdings in deutlich geringerem Maß als Kokain und auch geringer als „in einigen anderen europäischen Ländern“.

Im Rausch

Laut Bericht hat der Kokainkonsum 2025 in den teilnehmenden Städten um 22 Prozent zugenommen. Im Jahr davor, 2024, konnten in der Kläranlage Beggen 499,33 mg/1000p/Tag nachgewiesen werden – ein verhältnismäßig hoher Wert. Damit stand Luxemburg auf Platz 25 von insgesamt 125. Beim Cannabis-Konsum schaffte Luxemburg es mit einem Wert von 140,4 mg/1000p/Tag im Jahr 2024 sogar auf Platz acht von insgesamt 75.

Das tödliche und äußerst süchtig machende Opioid Fentanyl spiele „derzeit weiterhin keine bedeutende Rolle“ in Luxemburg, teilt die Santé mit. Es gebe bisher keine Hinweise auf eine Verbreitung hierzulande.

Scheinbar niedriger Konsum

Der Bericht enthält allerdings Daten zu Methamphetamin – besser bekannt als Crystal Meth: In der Kläranlage Beggen konnten 2025 0,74 mg pro 1.000 Personen pro Tag nachgewiesen – ein Rückgang zu 2,36 mg/1000p/Tag im Jahr davor. Ein Vergleich mit dem Jahr 2023 zeigt allerdings, dass die Zahlen auch innerhalb Luxemburgs deutlich schwanken. 2023 gibt es keine Daten aus der Kläranlage Beggen, dafür aber aus Bögen, Beringen und Mamer: 0,66, 0,5 und 1,38 mg/1000p/Tag.

Im europäischen Vergleich bleiben die Mengen jedoch sehr niedrig. In Berlin waren es 2025 371,23 mg/1000p/Tag. An der europäischen Spitze steht das tschechische Budweis mit 596,5 mg/1000p/Tag.

Auch beim MDMA zählt Luxemburg (Beggen) mit 4,37 mg/1000p/Tag nicht zu den Spitzenverbrauchern. Dabei lässt sich zudem ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2024 mit 22,1 mg/1000p/Tag feststellen. Nur wenige Kilometer jenseits der Grenzen, in Arlon, wurde 2025 schon deutlich mehr konsumiert – 28,39 mg/1000p/Tag. Sehr weit abgeschlagen auf Platz 1 steht Amsterdam mit 179,66 mg/1000p/Tag. Beim MDMA wurde in den teilnehmenden Städten im Vergleich zum Vorjahr sogar 16-prozentiger Rückgang beobachtet.

Bei Ketamin hingegen hat es in den teilnehmenden Städten eine Steigerung von 41 Prozent im Vergleich zu 2024 gegeben. Nicht so aber in Luxemburg: Die Kläranlage Beggen verzeichnet einen Rückgang von 13,4 mg im Jahr 2024 auf 2,62 mg/1000p/Tag im Jahr 2025. Das britische Bristol führt die Tabelle mit 338,95 mg/1000p/Tag.

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