Ironman-Serie
Gute Langeweile oder frustrierende Abwechslung – weitere vier Wochen sind um
Unsere angehenden Extremsportler haben weitere vier Wochen gemeistert. Während sich bei Louis eine gewisse Routine eingeschlichen hat, hat Cédric mit erneuten Knieschmerzen zu kämpfen.
Die Möchtegern-Triathleten Louis Elsen und Cédric Feyereisen denken, sie können im Juni 2027 einen Ironman absolvieren Foto: Editpress/Alain Rischard
Ironman-Serie
Cédric Feyereisen, Chef der Lokalredaktion, und ich, Louis Elsen, Tageblatt-Grafiker und Journalist, wollen im Juni 2027 einen Ironman absolvieren. In dieser Serie geben wir Einblicke, wie wir uns hierfür gemeinsam mit unserem Trainer Paulo Gonçalves vorbereiten. Begleitend hierzu erscheinen auch immer mal wieder Artikel zu anderen Aspekten des Triathlons.
Louis: Routine oder eintönig?
Aufstehen, frühstücken, Sport: mein Standardmorgen die letzten 16 Wochen. Vor allem die vergangenen vier Wochen kamen bei mir einige Fragen auf: Setzt jetzt Eintönigkeit oder Routine ein? Hält dieser Rhythmus an bis zum krönenden Abschluss in Klagenfurt? Wird mir nicht doch irgendwann langweilig beim Training? 16 Wochen sind um, bleiben aber noch 68: Viel kann sich noch ändern, auch im Mentalen.
Erzfeind Langeweile
Ist mir langweilig? Das ist wohl die Frage, die ich mir in den vergangenen vier Wochen am meisten gestellt habe. Ich merke, dass ich mir eine gewisse Basis antrainiert habe. Ob Zone-Zwei-Läufe über zehn Kilometer, Schwimmeinheiten über eine Stunde oder Fahrradsessions über zwei Stunden – so richtig anstrengend ist es nicht. Ich breche danach nicht vor Erschöpfung zusammen. Total aus der Puste bin ich auch nicht. Die Beine sind oft etwas schwer, aber der Muskelkater am Tag danach bleibt auch aus.
Ich bin mir aber zu jedem Moment bewusst, wie essenziell diese Einheiten sind. Sich bei jedem Training bis an die Grenzen zu bringen, würde eine notwendige Erholung unmöglich machen und wäre somit kontraproduktiv. Ich muss mich da also öfters zurückhalten, um es nicht zu übertreiben. Aber zurück zu der Frage: Ist mir langweilig?
Meine persönliche Lösung
Gegen das Problem der Langeweile kann man aber natürlich etwas unternehmen. Ich mache mir das Training eben selbst interessant. Auch wenn ich mich an die von Coach Paulo vorgegebene Intensität und Dauer halte, gibt es andere Faktoren, die ich anpassen kann. Dabei gehe ich bei jeder Disziplin etwas anders vor.
Beim Schwimmen ist es schwer. Hier versuche ich – soweit mein Kalender es mir erlaubt – in neue Schwimmbäder zu gehen. In Luxemburg gibt es über 30 Stück, wäre doch schön, die alle einmal ausprobiert zu haben.
Beim Fahrradfahren mache ich es momentan noch über die Serie oder den Film, den ich mir auf der Rolle anschaue. Auch meine Trainingsverpflegung versuche ich abwechslungsreich zu gestalten. Drinnen hat man da weniger Möglichkeiten. Umso mehr freue ich mich aber schon, wenn das Wetter es mir erlaubt, komfortabel draußen zu fahren.
Beim Laufen ist das am einfachsten. Ich habe so viele Variable, auf die ich Einfluss nehmen kann. Ich kann mit anderen Personen zusammen laufen und mich unterhalten. Ich kann neue Strecken wählen und entdecke oft noch neue Ecken, selbst in meiner Heimatstadt. Auch die Tageszeit kann das Training reizvoller machen. Manchmal gehe ich gerne im Dunkeln laufen, um einfach andere Eindrücke zu bekommen. Und vor allem: Musik. Beim Laufen höre ich mich durch alles, was schon ewig auf meiner Liste steht und wozu ich nie gekommen bin.
Als Fazit kann ich sagen: Nein, mir ist nicht langweilig – jedenfalls noch nicht.
Zu früh gefreut
Das Knie schmerzt wieder. Blöd gelaufen – wortwörtlich. Denn anscheinend trete ich beim Laufen falsch auf. Mein linkes Fußgelenk knickt leicht nach innen, der Aufprall wird nicht sauber abgefedert. Der Schock verteilt sich falsch – und landet im Knie.
Aller Anfang ist schwer
Aber von vorn. Anfang Februar bestätigte mir Orthopäde Christian Nührenbörger von der Sportklinik des CHL Eich nach dem zweiten MRT, dass die kleinen Ermüdungsfrakturen nicht mehr zu sehen waren. Gute Nachrichten. Der erste vorsichtige 20-Minuten-Lauf verlief problemlos. Ein paar Tage später meldete sich das Knie jedoch wieder – zunächst leicht nach 35 Minuten, am darauffolgenden Tag so stark, dass ich nach einer halben Stunde abbrechen musste. Frustrierend.
Die neuen, festeren Laufschuhe helfen spürbar. Am Mittwoch konnte ich immerhin 40 Minuten am Stück laufen – wenn auch mit Schmerzen. Beim Kiné war ich regelmäßig zur Kräftigung des Knies. Zwei weitere Physio-Termine im CHL zur Untersuchung meines Knies und des Rückens stehen an. Dazu eine Laufanalyse und ein Besuch beim Podologen für eine Einlage. Die Hoffnung ist also nicht verloren. Aber jeder Trainingsausfall verschiebt den Aufbau nach hinten. Und die Monate bis zum Ironman werden nicht mehr.
Vielleicht ist genau das der schwierigste Teil dieses Projekts: nicht die langen Einheiten, nicht die Müdigkeit, sondern diese Unsicherheit. Immer wieder neu anfangen, abbrechen, anpassen. Der Körper macht Fortschritte – und setzt zugleich Grenzen.
Produktive Wochen
Dabei waren die vergangenen vier Wochen eigentlich produktiv. Ich habe alle Trainingssessions – abgesehen von den abgebrochenen Läufen – absolviert. Die Leistung steigt. Wir schwimmen inzwischen rund drei Kilometer pro Einheit, auf dem Rad bin ich bei zwei Stunden angekommen. Die Motivation ist also weiterhin da.
Die größere Herausforderung ist mittlerweile die Zeit. Spät abends nach der Arbeit noch zwei Stunden auf dem Fahrrad sitzen, wegen Badeschluss um 21 Uhr aus dem Pool klettern – das hinterlässt Spuren. Mehr als einmal dachte ich: „Warum mache ich das überhaupt?“ Und trotzdem habe ich weitergemacht. Aus Sturheit, vielleicht. Aber auch, weil sich ein Artikel über das Aufgeben deutlich schwieriger schreiben würde.
Zufrieden mit Fortschritt
Der Sport hat sich inzwischen in meinen Alltag eingeschrieben. Nach diesen Zeilen, geschrieben um 18.30 Uhr, mache ich mich wieder auf den Weg ins Schwimmbad. Gegen 20.45 Uhr werde ich zurück sein. Müde – und zufrieden. Denn das darf man nicht vergessen: Es geht nicht nur darum, am Ende dieser Serie einen Ironman abzuschließen. Es geht auch darum, den Sport wieder zur Gewohnheit zu machen. Und selbst wenn ich gerade eher Richtung Ziellinie stolpere als laufe, entstehen Routinen, die hoffentlich bleiben – egal, wie diese Geschichte ausgeht.
Das sagt unser Trainer - Paulo Gonçalves
„Die letzten Wochen hat sich nicht viel geändert“, sagt mir Coach Paulo Gonçalves bei unserem vierwöchentlichen Telefonat. „Mit Cédric bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten“, betont er. Sein Programm wird Paulo so anpassen, dass ein erneutes Verletzungsrisiko minimiert wird. Zu den ersten offiziellen Rennen, bei denen wir jetzt in den kommenden Wochen teilnehmen, sagt Paulo, dass das noch mal einen Motivationsboost gibt. „Dann kommt ihr mal unter die Leute und spürt, wie das ist.“
Beim Training in den kommenden Wochen wird sich wohl nichts Großes ändern. „Mitte kommender Woche werden wir einen kleinen Testlauf machen.“ ergänzt Paulo. Hierbei will er schauen, wie wir dastehen, um die zehn, respektive fünf Kilometer beim „CGDIS Spiridon Run“. Auch dass wir demnächst mit dem CA Bieles schwimmen gehen, begrüßt er. „Das wird eurer Technik guttun.“
Trainer Paulo Gonçalves war, ist und bleibt zuversichtlich, dass beide die Challenge schaffen Foto: Editpress/Julien Garroy