Antisemitismus und Shoah
Gedenken an eine Reise ohne Wiederkehr
Am städtischen Hauptbahnhof wurde am Freitag an den ersten Deportationskonvoi aus Luxemburg erinnert. Doch Antisemitismus ist kein Phänomen der Vergangenheit – im Gegenteil. Ein Shoah-Überlebender hatte dazu eine klare Botschaft für die junge Generation.
Unter den luxemburgischen Juden, die damals in den Tod deportiert wurden, waren auch viele Kinder Foto: Editpress/Hervé Montaigu
513 jüdische Menschen aus Luxemburg und der Region Trier wurden am 16. Oktober 1941 vom Luxemburger Hauptbahnhof aus in das Ghetto Litzmannstadt (im heutigen Lodz in Polen) deportiert. Viele von ihnen sollten das Ghetto nicht mehr lebend verlassen. Sie starben dort an Hunger, Krankheiten oder der Gewalt der Nationalsozialisten. Der Deportationskonvoi war der erste von sieben aus dem besetzten Luxemburg, deren Endstation immer Konzentrations- bzw. Vernichtungslager waren.
Um der Menschen, die damals deportiert wurden, zu gedenken, fand am Freitag die Veranstaltung „Grenzenlos gedenken“ am Bahnhof in der Hauptstadt statt. Organisiert wurde sie vom „Comité Auschwitz Luxembourg“. Anwesend waren unter anderem die Nachkommen von Shoah-Überlebenden in zweiter und dritter Generation sowie an die 60 Schülerinnen und Schüler. Teil des Programms waren die offizielle Einweihung der Video-Installation „Zakhor – Passant, souviens-toi“ des Trierer Künstlers Ralf Kotschka und die Aufführung „Liewen (er)zielen“ einiger Schüler der „École nationale pour adultes“.
Anwesend waren u.a. Nachkommen von Shoah-Überlebenden in zweiter und dritter Generation Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Eine Realität, die aktive Gegenarbeit erfordert
Der 93‑jährige Shoa-Überlebende Claude Marx, der im Rahmen der Veranstaltung eine Ansprache halten sollte, war leider gesundheitlich verhindert. In seiner Rede, die stellvertretend vorgelesen wurde, erinnerte er daran, dass Antisemitismus seit vielen Jahrhunderten Teil der Geschichte Europas ist. Die Shoa war eine seiner grausamsten Ausprägungen, doch auch heute noch ist Antisemitismus eine Realität, die aktive Gegenarbeit erfordert.
„Wenn die jungen Generationen sich der Verbindungen zwischen ihrer Gegenwart und der Vergangenheit nicht bewusst sind, wenn sie die Anzeichen einer Wiederholung der Geschichte nicht erkennen können, werden die aufstrebenden Generationen nicht in der Lage sein, deren Rückkehr zu verhindern“, mahnte Marx.

Eine Aufführung war Teil des Programms Foto: Editpress/Hervé Montaigu