Luxemburg

Garten anlegen für Anfänger: Die wichtigsten Tipps vom Profi

Ein eigener Garten ist für viele ein Traum – aber wie fängt man richtig an? Im Gespräch mit Leroy Caldarella Weis, Direktor des Matgesfelds in Sanem, gibt es praktische Tipps für Einsteiger – von der ersten Vorbereitung des Bodens bis hin zu einfachen Kulturen, die garantiert gelingen.

Leroy Caldarella, Direktor des Matgesfeld, erklärt Pflanzenwachstum mit grünen Pflanzen im Hintergrund

Leroy Caldarella Weis weiß als Direktor des Matgesfelds genau, was Pflanzen zum Wachsen brauchen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Tageblatt: Wie legt man einen Garten an?

Leroy Caldarella Weis: Der erste Schritt besteht darin, die oberste Schicht aus Gras und Unkraut zu entfernen. Die Tiefe hängt vom Bewuchs ab: Bei Tiefwurzlern sollten etwa 20 Zentimeter abgetragen werden, um die Wurzeln gründlich zu entfernen. Bei Gras und Klee reichen etwa 5 Zentimeter. Anschließend wird der Boden in der Tiefe eines Spatenstichs umgegraben, um ihn aufzulockern. Gerade für Anfänger empfiehlt es sich, zunächst klein anzufangen. Ein zu großer Garten kann schnell überfordern, wenn das Unkraut überhandnimmt. Eine Fläche von etwa 2 bis 10 Quadratmetern ist ideal für den Einstieg. Eine alte Bauernregel besagt: Der Garten sollte so groß sein, dass eine Person ihn an einem Morgen pflegen kann. Das Wichtige ist, dass man Spaß dabei hat.

Spielt die Bodenbeschaffenheit eine Rolle?

Ja, die Zusammensetzung des Bodens ist entscheidend für das Pflanzenwachstum. Aber da kann man viel machen: Bei sehr lehmigem Boden kann zum Beispiel Sand untergemischt werden. Zusätzlich helfen Kompost oder Laub, um Humus aufzubauen und die Struktur zu verbessern. Bei sandigem Boden sorgt ebenfalls Humus für eine bessere Nährstoffspeicherung. Das Laub kann man selbst im Herbst sammeln, beispielsweise im Wald. Für größere Mengen lohnt sich eine Anfrage bei der Gemeinde, ob sie welches liefern kann. Auch der pH-Wert des Bodens spielt eine wichtige Rolle. Dieser kann mit Teststreifen selbst bestimmt oder durch eine Bodenanalyse, etwa in einem Labor, genau untersucht werden. Dabei erhält man Informationen über Nährstoffgehalt, Humusanteil und Säuregrad. Ist der Boden zu sauer, sind beispielsweise weniger Regenwürmer vorhanden, da diese einen pH-Wert von etwa 6,5 bevorzugen. Dieser Wert ist auch für viele Pflanzen optimal – und schädigt unseren Händen nicht. Je nach Feuchtigkeit und Säuregehalt kann es zudem vermehrt zu Schneckenbefall kommen. Hier sollte frühzeitig über Gegenmaßnahmen nachgedacht werden – etwa durch Absammeln oder geeignete Schutzmaßnahmen.

Wie lässt sich die Bodenart bestimmen?

Ein einfacher Test hilft: Eine Handvoll Erde wird fest zusammengedrückt. Bleibt eine Kugel bestehen, die bei leichtem Druck zerfällt, ist die Bodenstruktur ideal. Bleibt die Kugel fest, ist der Boden zu lehmig. Zerfällt die Erde sofort, handelt es sich um sehr sandigen Boden.

Der Garten sollte so groß sein, dass eine Person ihn an einem Morgen pflegen kann

Leroy Caldarella Weis

Direktor des Matgesfelds

Bodenproben entnehmen und Bodenart selbst testen für Garten und Landwirtschaft leicht gemacht

Die Zusammensetzung des Bodens kann man selbst leicht testen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Wann beginnt man mit den Gartenarbeiten?

Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr. Wurde der Garten bereits vorher vorbereitet, muss nur Unkraut entfernt werden. Gegebenenfalls kann der Boden nochmals aufgelockert und umgegraben werden.

Welche Pflanzen eignen sich für den Anfang?

Früh im Jahr können bereits Spinat, Radieschen, Stielmus, Lauch und Mangold ausgesät werden. Auch Rote Bete ist geeignet, sollte aber bei Frost geschützt werden. Grundsätzlich empfiehlt sich der Anbau von Pflanzen, die auch tatsächlich verzehrt werden.

Was ist ein Frühbeet?

Ein Frühbeet ist ein mit Brettern oder Kunststoff eingefasstes Beet mit Abdeckung, das Wärme speichert. Darin können frühzeitig Salate und Petersilie angebaut werden. Nach etwa zwei Wochen können erste Versuche mit Tomaten gestartet werden. Wärmeliebende Pflanzen wie Paprika oder Auberginen sollten zunächst im Innenraum vorgezogen werden – idealerweise an einem hellen Ort oder unter einer Pflanzenlampe.

Welche Pflanzen sind besonders anfängerfreundlich?

Erdbeeren sind unkompliziert und beliebt, werden jedoch meist als Jungpflanzen gekauft. Kräuter eignen sich ebenfalls gut für den Einstieg, da sie pflegeleicht sind. Schnittlauch ist aus Samen schwieriger zu ziehen, hier empfiehlt sich ebenfalls der Kauf einer Pflanze. Grundsätzlich gilt: Die Entscheidung besteht darin, Pflanzen selbst anzuziehen oder bereits vorgezogen zu kaufen – Letzteres ist für Anfänger deutlich einfacher.

Was, wenn man keinen Garten, sondern nur einen Balkon besitzt?

Auch ohne Garten lassen sich Pflanzen in Hochbeeten oder Töpfen anbauen. Hochbeete sollten ausreichend Volumen haben, da sie sonst im Sommer schneller austrocknen. Für Topfpflanzen ist die richtige Größe entscheidend: Tomaten benötigen mindestens 20 Liter, besser 30 bis 40 Liter Volumen. Kräuter wie Basilikum können gut gemeinsam mit Tomaten gepflanzt werden.

Erste positive Resultate auf einem Laptopbildschirm, Hoffnung auf Erfolg mit etwas Glück sichtbar

Mit etwas Glück sieht man bald die ersten Ergebnisse Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Welche Pflanzen eignen sich nicht für Hochbeete?

Große, bodennahe Pflanzen wie Kürbisse sind im Hochbeet schwierig, da sie viel Platz benötigen.

Was wächst besonders gut im Hochbeet?

Kräuter gedeihen im Hochbeet besonders gut. Sie benötigen weniger Wasser und entwickeln oft ein intensiveres Aroma.

Kann der Boden zu nass sein?

Ja. Pflanzenwurzeln benötigen Sauerstoff. Stehen sie dauerhaft im Wasser, können sie nicht „atmen“ und sterben ab. Daher ist eine gute Drainage wichtig.

Worauf sollte nach dem Pflanzen geachtet werden?

Kletterpflanzen wie Erbsen, Gurken oder Tomaten benötigen Rankhilfen, etwa Netze, Stäbe oder Schnüre. Erdbeeren profitieren von einer Mulchschicht, die Feuchtigkeit speichert und die Früchte sauber hält.

Was ist beim Gärtnern mit Kindern wichtig?

Beete sollten so angelegt werden, dass Kinder gut herankommen. Wege sollten ausreichend breit sein. Außerdem ist es wichtig zu erklären, welche Pflanzenteile essbar sind: Einige Pflanzen sind nur teilweise genießbar. Blätter von Kartoffeln oder Kürbissen können beispielsweise Beschwerden verursachen. Grundregel: Nur das essen, was sicher als essbar bekannt ist.

Kann man Bäume im Garten pflanzen?

Bäume sind als Schattenspender eine wertvolle Ergänzung für den Garten. Sie können auch in der Nähe von Beeten gepflanzt werden. Durch regelmäßige Bodenbearbeitung im Beet entwickeln die Bäume ihre Wurzeln meist in andere Richtungen. Obstbäume haben zusätzlich den Vorteil, dass ihre Blüten Bestäuber wie Bienen anziehen. Für Anfänger ist jedoch Vorsicht bei empfindlichen Arten geboten: Aprikosenbäume treiben sehr früh aus und sind dadurch anfällig für Spätfrost, was zu Ernteausfällen führen kann.

Was tun ohne eigenen Garten oder Balkon?

Auch ohne eigenen Garten gibt es Möglichkeiten, gärtnerisch aktiv zu werden. Gartenbauvereine bieten oft Unterstützung. In vielen Gemeinden existieren Gemeinschaftsgärten oder die Möglichkeit, Schrebergärten zu pachten. Zudem suchen ältere Menschen häufig Unterstützung bei der Gartenpflege. Solche Kooperationen schaffen nicht nur praktische Lösungen, sondern fördern auch den Austausch zwischen Generationen. Ältere Gärten bieten oft besonders gute Bedingungen, da der Boden über Jahre hinweg gepflegt wurde.

Matgesfeld bietet Kurse an

Das Umwelt- und Bildungszentrum Matgesfeld wurde 2017 mit der Anlage erster Gartenparzellen, darunter auch Schulgärten, ins Leben gerufen. In den folgenden Jahren wurde das Angebot unter anderem um ein Bienenhaus, eine Voliere mit Hühnern, ein Gewächshaus sowie Mini-Schweine erweitert.

In diesem Frühling gibt es Grundkurse für Gartenanfänger: am 21. März von 9 bis 12 Uhr auf Luxemburgisch, am 28. März von 9 bis 12 Uhr auf Französisch.

Das komplette Programm finden Sie unter matgesfeld.lu.

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