Für 2,46 Millionen
Im Sportkomplex „Boy Konen“ wird auf Kunstrasen umgestellt
Um der steigenden Nachfrage der Vereine gerecht zu werden, wird in der Hauptstadt im Sportkomplex „Boy Konen“ in Cessingen der Rasen eines Fußballplatzes mit Kunstrasen ersetzt.
Noch spielen die Sportlerinnen und Sportler auf dem Platz in Cessingen auf Gras – ab Herbst 2027 ist das anders Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
„Der neue Belag ist praktisch so gut wie Naturrasen“, betonte Sportschöffin Simone Beissel (DP) am Montagnachmittag im hauptstädtischen Gemeinderat. Dabei bezog sie sich auf einen Platz des Sportkomplexes Boy Konen in Cessingen, dessen Rasen durch einen Kunstrasenbelag ersetzt wird. Die Schöffin erklärte, dass es sich um Kunstrasen der vierten Generation handelt und in dem Bereich „extreme Fortschritte“ erzielt wurden.
Damit wird bereits der vierte Rasenplatz vor Ort durch Kunstrasen ersetzt. Notwendig ist dieser Schritt laut Beissel aufgrund der steigenden Nachfrage. „Es geht darum, das Angebot in der Stadt zu erweitern. Denn die Nachfrage der Vereine, um mehr trainieren und mehr Spiele organisieren zu können, ist sehr groß.“ Wie es in einem Begleitdokument zur Ratssitzung heißt, seien Naturrasenplätze empfindlicher und könnten daher weniger genutzt werden.
Auswirkungen auf die Gesundheit
Rund 2,46 Millionen sind für die Neuerung vorgesehen. Diese soll laut Beissel Verbesserungen mit sich bringen. „Wir befinden uns in Luxemburg – also an einem geografischen Ort, an dem das Wetter nicht das ganze Jahr über gut ist. Aktuell sind unsere Plätze mit Gras so hart wie Beton. Das birgt eine hohe Verletzungsgefahr“, so Beissel. Mit dem neuen Belag soll die Spielfläche auf Sportplätzen künftig sicherer werden.

Im Sportkomplex „Boy Konen“ wird bereits der vierte Rasenplatz vor Ort durch Kunstrasen ersetzt Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Rätin und Präsidentin der kommunalen Sportkommission, Pascale Krombach-Arend (DP), betonte, dass die gleichmäßige Oberfläche des neuen Kunstrasens das Verletzungsrisiko deutlich verringere. Zugleich räumte sie ein, dass ein „leicht höheres Risiko für Hautschürfungen“ bestehe. Dieses könne „durch die Berieselung der Anlage reduziert werden“. Eine Bewässerung sei nicht zwingend erforderlich, könne im Sommer jedoch auch die Temperatur senken und damit „die Spielqualität verbessern“.
Eine automatische Berieselungsanlage ist geplant, zudem ein Entwässerungssystem und eine neue LED-Beleuchtung. Zum Gesundheitsaspekt erklärte die Rätin noch: „Es werden keine Mikrofaser abgesondert und Mikroplastik soll auch kein Thema mehr sein.“ Ihr und den anderen Mitgliedern der Sportskommission sei erklärt worden, dass der neue Belag Naturrasen sehr nahekomme. Im Vergleich zu diesem entfallen laut Krombach-Arend allerdings Arbeiten wie Düngen, Mähen und Säen.
Baubeginn im Jahr 2027
Ratsmitglied Nicolas Back von der größten Oppositionspartei „déi gréng“ betonte, dass man von dem Kunstrasen nicht begeistert sei, diesen allerdings als Teil der Lösung für den Mangel an Sporteinrichtungen in der Hauptstadt sehe. Auch Gabriel Boisanté (LSAP) kündigte an, dass seine Partei das Projekt angesichts von Platz- und Verfügbarkeitsproblemen unterstützt.
Das sagt „Ëmweltberodung Lëtzebuerg“
Der gemeinnützige Verein „Ëmweltberodung Lëtzebuerg“ (EBL) sieht Kunstrasensportplätze allgemein kritisch und warnt vor „direkten und indirekten schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Mensch“. Das oft verwendete, millimeterkleine Kunststoffgranulat bringt laut EBL die bekannten Risiken von Mikroplastik mit sich. Dieses ist inzwischen in menschlichen Organen und Geweben zu finden, was der EBL zufolge unter anderem entzündliche sowie toxische Effekte habe und der DNA schaden könne. Die Vereinigung erklärt auf Nachfrage, dass Gummipartikel und Kunststoffe Wärme absorbieren: „Allgemein hat ein Kunstrasenplatz eher die Tendenz dazu, wärmer zu werden als ein Platz aus Gras.“ Zudem weist der gemeinnützige Verein darauf hin, dass bei Kunstrasenplätzen oft Pestizide zum Einsatz kommen, um diese frei von Moos und anderen Pflanzen zu halten.
Am Ende wurde das Vorhaben einstimmig von allen Ratsmitgliedern angenommen. Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung für das Projekt erfolgen, der Baubeginn ist für Mai 2027 vorgesehen. Im Oktober 2027 soll der neue Platz eingeweiht und in Betrieb genommen werden.