Ausstellung
Falsche Projektionen und gestürzte Denkmäler: „The True Size of Africa“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Eine Ausstellung, die den von Rassismus und Kolonialismus geprägten Blick Europas auf die Geschichte Afrikas aufbrechen möchte und gleichzeitig die zeitgenössische Kunst des Kontinents und der afrikanischen Diaspora feiert? Klingt ambitioniert? Eine Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte versucht sich daran.
Schwarze Geschichte: Roméo Mivekannin mit der Installation „The Souls of Black Folk“ Foto: Hans-Georg Merkel/Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Die Melodie, sie ist wohlbekannt, doch die Worte erscheinen neu und fremd. Läuft man den verwinkelten Metallsteg entlang, der in einigen Metern Höhe vom Wasserhochbehälter, dem neuen Eingang des Weltkulturerbes, zur Gebläsehalle der Völklinger Hütte führt, begleiten einen vertraute Töne. Das Steigerlied, ein deutsches Bergmannslied, in der Kohleregion im Südsaarland so etwas wie eine Regionalhymne. Doch statt des üblichen „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht …“ versteht man erst einmal gar nichts. Denn der Text ist auf Oshivambo, eine der Regionalsprachen Namibias. Der Künstler Emeka Ogboh hat ihn neu verfasst, eingesungen hat ihn der A-cappella-Chor African Vocals aus Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Statt von der Hoffnung der Bergleute auf eine Rückkehr ans Tageslicht handelt das Lied nun von kolonialer Landnahme, von Ausbeutung und Wunden, aber auch von Neubeginn.