Esch
„Et huet een de Latz“ – Müll und Drogenkonsum auf der place am Boltgen
Geschäftsleute in der Gegend vom Escher Rathaus berichten von Drogenkonsum und hinterlassenem Müll auf der place am Boltgen. Die Stadt ist sich der Problematik bewusst – eine Lösung sei aber schwer zu finden.
Am späten Nachmittag: Erste Menschen versammeln sich in den Arkaden Foto: Editpress/Alain Rischard
Das Escher Rathaus ist ein Blickfang. Im Frühling verschönern Blumen den Platz und im Winter ist das Gebäude aus dem Jahr 1937 bunt beleuchtet. Unweit des Rathauses liegt jedoch die place am Boltgen, die dieses gepflegte Bild nicht widerspiegelt. Denn: Regelmäßig komme es vor, dass Menschen hier Müll hinterlassen oder urinieren, sagen Geschäftsleute. Unter anderem Obdachlose würden sich hier versammeln und Alkohol und Drogen konsumieren. Die Stadt Esch sei sich der Problematik bewusst, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage. Das Tageblatt war vor Ort und hat sich umgehört.
Die place am Boltgen liegt unweit des Rathauses – und sorgt für Diskussionen Grafik: Editpress/Louis Elsen
Eine Geschäftsfrau, die anonym bleiben möchte, begegnet diesen Problemen jeden Tag. „Der Ort hier ist wirklich ein Nest für Menschen, die alles konsumieren, das man konsumieren kann.“ Diese würden in der Öffentlichkeit urinieren, Stühle und Tische umwerfen und sich untereinander streiten. Das sei mittlerweile den ganzen Tag der Fall. „Es gibt in der Tat sehr viele Probleme hier.“ Die Frau habe dadurch bereits viele Kunden verloren. „An einem Abend sind einmal zehn Leute gekommen, die sich vor meiner Tür niedergelassen haben.“ Innerhalb von zehn Minuten hätte sie Alkohol, Drogen und Urin vor ihrem Lokal gehabt. „Ich musste die Polizei rufen.“
Drogenkonsum und öffentliches Urinieren
„Ein Reinigungsdienst der Stadtverwaltung kommt mittlerweile öfter vorbei. Seitdem ist es morgens sauberer“, sagt die Geschäftsfrau. Die Stadt bestätigt das. Davor musste die Frau den Müll selbst säubern. Eine Lösung sieht sie nicht: „Die Drogenproblematik ist ein kompliziertes Thema.“ Es seien zu viele junge Menschen auf der Straße, zuletzt auch immer mehr Frauen.
„Es ist uns wichtig, zu betonen, dass es sich oft um Menschen in prekären Situationen handelt, die auf nachhaltige Hilfsangebote angewiesen sind“, schreibt die Escher Pressestelle. Die Gemeinde versuche, durch ihre Dienste diese Hilfe zu leisten. Wichtig dafür sei eine vertrauensvolle Kommunikation. Allerdings würden immer wieder „neue Menschen“ dort auftauchen, mit denen die Streetworker zunächst Kontakt aufbauen müssten. Dieser Dienst hat seinen Sitz in der rue Boltgen.
Fränk Kirsch hat seine Arztpraxis an der place am Boltgen. „Es ist manchmal unangenehm hier“, sagt der Allgemeinmediziner dem Tageblatt am Telefon. Morgens lägen Dosen und Flaschen vor seiner Eingangstür. „Das macht mich wütend.“ Seine älteren Patienten müssten regelmäßig durch Urinlachen laufen. Das Problem seien die Arkaden, dort würden die Menschen herumlungern und ihren Unrat hinterlassen. „Vor einigen Jahren bin ich einmal verbal angegangen und bedroht worden. Damals gab es in den Arkaden einige aggressive Menschen.“ Das habe sich mittlerweile jedoch gebessert.

Eine Urinlache vor einer Arztpraxis – keine Seltenheit auf der place am Boltgen Foto: privat
Mülleimer sind keine Dekoration
Ein anderer Geschäftsmann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, habe in den vergangenen drei Jahren einen massiven Zustrom von Obdachlosen bemerkt. „Meiner Meinung nach gibt es etwas, das sie spezifisch zu diesem Ort hinzieht“, sagt er. Die Stadt Esch versucht, diesem Zustrom entgegenzuwirken: „Es werden keine Artikel wie zum Beispiel Schlafsäcke, Decken oder Essensgutscheine verteilt, um nicht noch mehr Menschen anzuziehen.“
Die Stadtverwaltung schicke an jedem Werktag morgens um 8 Uhr einen Reinigungsdienst vorbei. „Das Problem ist jedoch, dass die Menschen teilweise noch um diese Uhrzeit Müll hinterlassen“, sagt der Geschäftsmann. Das führe zu einem Zerfall des Platzes. „Die Arkaden sind jeden Tag extrem zugemüllt.“ Er selbst habe kein Problem mit Obdachlosen, nur der Müll störe ihn. „Die Streetworker versuchen, die Menschen zu bewegen, ihre Hinterlassenschaften aufzuräumen. Das ist mal mehr, mal weniger erfolgreich“, schreibt der Pressesprecher der Stadt Esch dazu.

„Die Arkaden sind das Problem“, sagen die Menschen über die place am Boltgen Foto: Editpress/Alain Rischard
Trotzdem: „Als Escher Bürger stellt man sich Fragen“, sagt ein Passant, der anonym bleiben möchte. Vor einigen Monaten habe er am Boltgenplatz einen Menschen gesehen, der Drogen konsumiert habe. „Das ist kein schöner Anblick, und sicher fühlt man sich auch nicht.“
„Bei den Menschen, die nicht obdachlos sind, sondern sich diesen Ort gezielt für kriminelle Aktivitäten aussuchen, sind wir im engen Austausch mit der Regionaldirektion der Polizei“, schreibt die Gemeinde weiter. Ziel sei es, eine verstärkte Polizeipräsenz zu garantieren. „Wir sind der Meinung, dass sich das klar bemerkbar macht.“

Ein Pflanzentopf als Aschenbecher Foto: Editpress/Alain Rischard
„Die Menschen schmeißen ihren Müll egal wohin“, sagt ein Mann in einem Café am Boltgenplatz. Auch er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Et huet een de Latz“, sagt er. Die Situation habe sich in der Vergangenheit nicht verbessert. „Die Menschen müssten hygienischer sein.“
Zufallsbegegnung auf der Straße wenig später mit demselben Mann: Er zeigt auf einen Mülleimer und schmeißt seinen Zigarettenstummel rein. „Kuckt, déi sinn net do, fir schéin ze maachen.“