Erster Sex, Verhütung und Gewalt

Erste nationale Umfrage: Wie Luxemburg Sexualität erlebt

Eine neue landesweite Umfrage liefert erstmals umfassende Daten zur sexuellen und emotionalen Gesundheit in Luxemburg.

Luxemburg veröffentlicht erstmals Daten zur emotionalen und sexuellen Gesundheit der Bevölkerung

Luxemburg hat erstmals Daten zur emotionalen und sexuellen Gesundheit der Einwohner veröffentlicht Symbolfoto: Magnific/rawpixel.com

Wie wird Sexualität in Luxemburg erlebt? Damit hat sich eine neue nationale Umfrage zur emotionalen und sexuellen Gesundheit der Bevölkerung beschäftigt. 2.371 Personen im Alter von mindestens 18 Jahren wurden im vergangenen Jahr erstmals zu dem Thema befragt, teilt das Ministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit am Montag mit. Die Erhebung soll zu einem besseren Verständnis der Realitäten, Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Bevölkerung führen.

Erste Erfahrungen und sexuelle Vielfalt

Die Daten zeigen: Jeder zweite Befragte hatte den ersten Geschlechtsverkehr zwischen 16 und 18 Jahren. 85 Prozent geben an, dass dieser Zeitpunkt gewünscht war. Die sexuelle Vielfalt stellt dabei nach wie vor eine gesellschaftliche Herausforderung dar. Während sich die Mehrheit der Befragten als heterosexuell definiert, geben 10 Prozent eine andere sexuelle Orientierung an. Ein Prozent identifiziert sich außerhalb der Kategorien „Mann“ oder „Frau“. Zwölf Prozent berichten von negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Sexualität oder ihres Geschlechtsausdrucks.

Auch im Bereich der sexuellen Gesundheit zeigen sich Lücken. 15 Prozent der Befragten geben an, bereits an einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) erkrankt zu sein. Zwar fühlen sich 84 Prozent nach eigenen Angaben gut über das Thema informiert, dennoch sieht die Umfrage Verbesserungsbedarf bei der Prävention. So gaben unter den 18- bis 24-Jährigen nur 39 Prozent an, sich in den vergangenen zwölf Monaten bei jedem Geschlechtsverkehr konsequent vor STIs geschützt zu haben. 31 Prozent der Befragten ließen sich in diesem Zeitraum auf sexuell übertragbare Infektionen testen.

Mehrheit verhütet beim ersten Mal

Beim Thema Verhütung gibt mit 68 Prozent die Mehrheit an, sich beim ersten Geschlechtsverkehr geschützt zu haben. 26 Prozent nutzten in den vergangenen zwölf Monaten Kondome, 17 Prozent die Pille. 91 Prozent der Befragten fühlen sich bei diesem Thema gut informiert und 89 Prozent sind mit ihrer Methode zufrieden. Dennoch weiß mehr als ein Drittel (38 Prozent) nicht, dass Verhütungsmittel inzwischen kostenlos sind. Darüber hinaus geben 17 Prozent der befragten Frauen an, im Laufe ihres Lebens mindestens einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen zu haben.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung weiterhin verbreitet sind. 34 Prozent der Befragten berichten davon, bereits von einem Partner zu Geschlechtsverkehr gedrängt worden zu sein. Besonders häufig sind dabei Frauen und Menschen mit Behinderung betroffen. 31 Prozent geben an, ungewollten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Betroffene einer Vergewaltigung sprachen in 60 Prozent der Fälle mit einer Vertrauensperson, doch nur 15 Prozent erstatteten Anzeige.

Mangelhafte Sexualaufklärung

Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die sexuelle Aufklärung in der Schule. 44 Prozent der Befragten, die ganz oder teilweise in Luxemburg zur Schule gingen, erhielten nach eigenen Angaben eine Sexualaufklärung – 27 Prozent davon nur einmal während der Schulzeit. Fast die Hälfte (49 Prozent) empfand diese jedoch als unzureichend und bewertete sie mit einer Note von vier von zehn Punkten oder weniger. Als wichtigste Informationsquellen gelten heute Gesundheitsfachkräfte, insbesondere Gynäkologen und Allgemeinmediziner.

Das Ministerium bezeichnet die Ergebnisse der Erhebung als „solide Grundlage, um unsere Maßnahmen zu verstärken“, und verweist zugleich auf bereits umgesetzte Schritte zur Stärkung der sexuellen und reproduktiven Rechte. Dazu zählen unter anderem die kostenlose Verhütung, die Verankerung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung sowie die dazugehörige obligatorische Bedenkzeit. Dazu kommen neue Bildungs- und Sensibilisierungsangebote, die Einbindung der emotionalen und sexuellen Gesundheit in den Lehrplan der Grundschule sowie der Ausbau der Unterstützung für Opfer von Gewalt. (les)

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