Diekirch
Erste Tarifanpassung seit 2010: Wasserpreis verdoppelt sich
Wie viele andere Gemeinden beschäftigt sich auch Diekirch dieser Tage mit einer seit Langem ausstehenden Tarifanpassung in puncto Wasserpreis.
Das kostbare Nass wird teurer in Diekirch Symbolfoto: Roger Infalt
„Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, diesen Preis nach dem Verursacherprinzip festzulegen“, so Bürgermeister Charles Weiler (CSV) in einem Gespräch mit dem Tageblatt. „Dass es gleich eine Verdopplung des bestehenden Preises wird, ist der Tatsache geschuldet, dass Diekirch die letzten 16 Jahre keine Tarifanpassung vorgenommen hat.“
Kosten decken
Der Wasserpreis sollte eigentlich seit Langem kostendeckend sein, ein zentrales Prinzip, das auf der im Jahr 2000 verabschiedeten EU-Wasserrahmenrichtlinie basiert und besagt, dass die Gebühren für Trinkwasser und Abwasser die tatsächlichen Kosten für Gewinnung, Aufbereitung, Verteilung und Klärung vollständig decken sollen.
Da es in Diekirch seit 2010 keine Anpassung des Wasserpreises gab, lässt die am Freitag beschlossene Tarifänderung ordentlich aufhorchen, denn sowohl der Festpreis für den Anschluss als auch der Kubikmeterpreis wurden gegenüber den bestehenden Tarifen verdoppelt.
Von 1,9 auf 3 Euro
Halten wir fest: In Sachen Trinkwasserpreis gibt es separate Ausweisungen für Haushalte, Industrie und landwirtschaftliche Betriebe sowie, seit 2019, auch für den Horeca-Bereich. Es würde uns hier zu weit führen, wenn wir auf all diese Bereiche eingehen würden, denn die einzelnen Berechnungen sind überaus komplex. Deshalb werfen wir unseren Blick allein auf die Änderungen im Haushaltsbereich, der in Diekirch immerhin 93 Prozent aller Wasserabnehmer ausmacht.
Der Kubikmeterpreis wird von 1,9 auf 3 Euro erhöht (dieser Preis liegt in vielen Gemeinden Luxemburgs bereits seit Längerem zwischen 3 und 4,5 Euro). In den Nachbargemeinden Diekirchs sieht das Bild zum Beispiel so aus: In der Gemeinde Ettelbrück liegt der variable Kubikmeterpreis bei 2,3 Euro, in Schieren bezahlt man dafür 4,6 Euro. Zu erwähnen bleibt, dass auch Erpeldingen/Sauer und Ettelbrück zurzeit an einer Anpassung der Wasserpreise arbeiten.
Gebühren waren nicht mehr kostendeckend
Zurück nach Diekirch. Nach einem Gespräch mit dem zuständigen Beamten im technischen Gemeindedienst, Georges Michels, halten wir Folgendes fest: Die Grundgebühr wird von 3,6 Euro pro Millimeter Durchmesser des Wasserzählers auf 10,2 Euro angehoben. Die meisten Haushalte verfügen über einen Wasserzähler mit einem Durchmesser von 25 mm, was heute eine jährliche Grundgebühr von 72 Euro ausmacht, die aber nun auf 204 Euro erhöht wird. Dazu kommt noch die Abwassertaxe (Kanaltaxe), berechnet nach sogenannten Einwohnergleichwerten, die der Haushaltsgröße entsprechen. Alle Tarife wurden auf Basis des Kostendeckungs- sowie des Verursacherprinzips („pollueur-payeur“) errechnet.
Nehmen wir einen Diekircher Haushalt mit zwei Erwachsenen, der bis dato eine jährliche Wasserrechnung von 390 Euro zu bezahlen hatte. Diese Rechnung (inklusive Grundgebühr und Kanaltaxe) wird sich nun auf 793 Euro belaufen. Zu erwähnen bleibt hierzu, dass in Arbeitssitzungen des Gemeinderats auch bereits an soziale Maßnahmen für Minderbemittelte gedacht wurde, zum Beispiel im Rahmen der „Allocation à la vie chère“, die diese doch empfindliche Erhöhung des Wasserpreises abfedern sollen.
„Diese Tarifanpassungen drängen sich aufgrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie auf“, so Bürgermeister Charles Weiler. „Unsere Gebühren für Trinkwasser und Abwasserentsorgung decken die effektiven Kosten für Förderung, Aufbereitung, Verteilung und Klärung seit Langem nicht mehr.“