Kulturnews
Erste „Nuits des Galeries“, Richtung22 steht vor Prozessauftakt und Spotlight auf Luxemburgs Bibliotheken
Luxemburgs Galerien öffnen erstmals gemeinsam nachts ihre Türen, während das Kunstkollektiv Richtung22 kurz vor dem Prozess gegen frEsch steht. Was Luxemburgs Kulturwelt sonst noch bewegt, lesen Sie hier im Überblick.
Das Tageblatt präsentiert ausgewählte Kulturnews und Events Bild: Pexels
„Nuit des Galeries“ feiert Premiere in Luxemburg
Am Freitag bleiben die Türen der Galerien länger geöffnet, denn von 17 bis 22 Uhr findet erstmals die „Nuit des Galeries“ in Luxemburg statt. Die Luxembourg Association for Art Galleries & Practitioners (LAFA) lädt dazu ein, aktuelle Ausstellungen zu entdecken und mit Künstlern und Galeristen ins Gespräch zu kommen. An der Premiere beteiligen sich MOB-ART studio, Galerie Schortgen, Valerius Gallery, Nosbaum Reding, Galerie Hessler, Subtile, ArtsKoCo, Ceysson & Bénétière sowie die VGalerie in Dudelange. Statt als einzelne Adressen treten sie für einen Abend als Teil einer gemeinsamen Galerieszene auf. Eine vorgegebene Route gibt es nicht.
Gerade im Zentrum liegen viele der Räume nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß verbinden. Zu sehen gibt es dabei ganz unterschiedliche Positionen. Im MOB-ART studio präsentiert Yanis Miltgen persönlich seine Ausstellung „Poetry of Growth“, in der textile Techniken und florale Formen aufeinandertreffen. Die Valerius Gallery zeigt mit „Sort Of, Nearly, Suddenly“ die erste Einzelausstellung der Luxemburger Künstlerin Anni Mertens – das Tageblatt berichtete vergangene Woche (17.9.). Bei ArtsKoCo beginnt um 18.30 Uhr zudem die Vernissage „Décennie“ zum zehnjährigen Bestehen der Galerie.
Die erste „Nuit des Galeries“ will damit nicht nur längere Öffnungszeiten bieten, sondern die Vielfalt der Luxemburger Galerieszene zeigen, die sonst vor allem über einzelne Ausstellungen und Adressen wahrgenommen wird. Der Eintritt ist frei. (gg)
Richtung22 muss vor Gericht
Die Vermittlung zwischen dem Kulturverein frEsch und dem Kunstkollektiv Richtung22 ist endgültig gescheitert. frEsch hält an seiner Klage fest, die erste Gerichtsverhandlung ist für den 8. Oktober angesetzt. Der Verein erklärt, alle Möglichkeiten einer einvernehmlichen Lösung ausgeschöpft zu haben. Das Ziel des Prozesses sei es, wieder frei über die von Richtung22 besetzten Räume im Kulturzentrum Bâtiment4 (B4) verfügen zu können. Der Konflikt begann 2024, als frEsch den Mietvertrag von Richtung22 für drei Arbeitsräume nicht verlängerte. Als Gründe wurden Verstöße gegen Hausregeln genannt. Das Kollektiv wies diese zurück und sah politische Motive hinter der Entscheidung.
Ab dem 8. Oktober geet e komplett onnéidege Geriichtsprozess lass
Richtung22
Kunstkollektiv
Richtung22 hatte wiederholt die Kulturpolitik der Stadt Esch kritisiert und weigerte sich nach der Kündigung, die Räume zu verlassen. Daraufhin leitete frEsch rechtliche Schritte ein. Im Verlauf des Streits bot frEsch dem Kollektiv eine neue Vereinbarung bis Ende 2027 sowie die kostenlose Nutzung eines Studios an. Laut Richtung22 war das Angebot jedoch an inakzeptable Bedingungen geknüpft. So habe das Kollektiv die kritische Internetseite „batiment4.lu“ aufgeben und auf persönliche Angriffe gegen Einzelpersonen verzichten sollen.
Die Verhandlungen sind gescheitert: frEsch zieht gegen das Kunstkollektiv Richtung22 vor Gericht Foto: Julien Garroy
Hintergrund hierfür sind mehrere Protestaktionen von Richtung22, u.a. gegen den früheren Escher Kulturschöffen und frEsch-Präsidenten Pim Knaff (DP) nach dessen Verurteilung wegen Steuerbetrugs und seinem ausbleibenden Rücktritt. Obwohl der Verwaltungsrat von frEsch inzwischen vollständig neu besetzt wurde und keine politischen Mandatsträger*innen mehr umfasst, kam es also nicht zu dem von Richtung22 erhofften Neuanfang. Nach dem Scheitern der Vermittlung wird nun das Gericht über den Ausgang des Konflikts entscheiden. (ispi)
So steht es um Luxemburgs Bibliotheken
Diese Woche hat das Kulturministerium die Bestandsaufnahme zu Luxemburgs Bibliotheken veröffentlicht. Die Studie wurde von Henning Marmulla, dem ehemaligen Chefredakteur des Magazins Forum, durchgeführt. Öffentlich vorgestellt wurde sie schon 2024, das Tageblatt berichtete. Inzwischen verfügt Luxemburg über ein neues Bibliotheksgesetz, das teils auf den Erkenntnissen der Bestandsaufnahme basiert.
Diese umfasst u.a. eine verschriftliche Version der „Assises sectorielles“ zu den Bibliotheken (2024) sowie detaillierte Statistiken zum Sektor. Darüber hinaus enthält das Dokument neben einem Werkverzeichnis auch eine Liste der Bibliotheken in Luxemburg.
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Bibliotheken in Luxemburg wurden im Zuge der Bestandsaufnahme angeschrieben, 56 beteiligten sich an der Recherche
Zuvor veröffentlichte das Kulturministerium bereits fünf weitere Studien zum kulturellen Milieu im Großherzogtum. Damit kommt das Ministerium einer entsprechenden Forderung aus dem Kulturentwicklungsplan 2018-2028 nach. Die Dossiers stehen auf der Website des Kulturministeriums unter der Rubrik „Publications“ zum kostenlosen Download bereit. (ispi)
Kultur-Tipps
- Die Escher Kulturfabrik lädt dieses Wochenende zum Festival „Poesie Plus“ ein. Das Programm reicht von experimentellen Performances über Workshops bis hin zu Rundtischgesprächen. So geht es am Samstag um 15.00 Uhr in der französischsprachigen Diskussionsrunde „Spotlight on collectives“ um das Schreiben im Kollektiv. Eingeladen sind das Géisskan-Kollektiv, Cercueil, Foehn und A:LL. Am Abend folgt von 20.00 bis 22.00 Uhr eine Elektro-Video-Poesie Performance. Das Line-up vom Sonntag bietet am Morgen (10.00 bis 10.40 Uhr) eine Lesung für Kinder mit Marina Fonseca und Lisa Junius in der Escher Bibliothek, einen literarischen Spaziergang durch Esch von 11.00 bis 13.00 Uhr – u.a. mit Samuel Hamen und Claudine Muno – sowie um 13.00 Uhr einen literarischen Brunch in der Maison de la Transition (1, rue du Moulin, L-4251 Esch) mit Raïssa Yowali. Die Anmeldung zu den Events ist erwünscht. Das komplette Programm und weitere Infos: kulturfabrik.lu.
- In Luxemburg-Stadt steht das jährliche Kunstfestival „On Stéitsch“ in den Bonneweger Rotunden bevor. Am Samstag, 26. September, treten über 30 Künstler*innen auf, darunter acht Bands verschiedener Genres (Rock, Indie, Funk). Vier DJs bieten zudem eine „Silent Disco“ an: Dabei tragen die Disco-Gänger*innen Kopfhörer und können so zu ihrem eigenen Beat tanzen. Darüber hinaus kann das Publikum eine Ausstellung junger Künstler*innen besuchen und sich an partizipativen Events beteiligen. Allgemein steht das Können von Nachwuchstalenten im Mittelpunkt des Festivals vom Service national de la jeunesse. Von 14.00 bis 22.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos: onsteitsch.lu.
- Am kommenden Donnerstag beginnt der Black History Month in Luxemburg. Die anti-rassistische Organisation One People veranstaltet diesen zum vierten Mal und hält ein vielseitiges Kulturprogramm bereit. Die Leitmotive: „ADN - Héritage“ und „Africa Decade“. Neben internationalen Gästen sind auch Kulturakteur*innen aus Luxemburg vertreten, etwa die Schauspielerin Céline Camara oder der Regisseur Alain Tshinza. Die Events sind kostenlos. Das Programm und weitere Details gibt es auf onepeople.lu. (ispi)