„Forever Wild Child“ in Frankfurt
Eric Mangen über Neugier, Freiheit und Malerei ohne Regeln
Mit „Forever Wild Child“ zeigt der luxemburgische Künstler Eric Mangen in Frankfurt erstmals eine Soloausstellung. Die präsentierten Arbeiten folgen keiner geschlossenen Serie, sondern spiegeln eine Arbeitsweise, die von Offenheit, Experiment und spontanen Entscheidungen geprägt ist.
Stellt derzeit zum ersten Mal in Frankfurt aus: der luxemburgische Künstler Eric Mangen, hier bei einem Fototermin für das Magazin „revue“ Foto: revue/Philippe Reuter
Eric Mangen ist für seine experimentelle, abstrakte Malerei bekannt. Intuitive Gesten, Farbe und Komposition stehen im Zentrum seiner Arbeiten, die meist aus einem offenen, spontanen Prozess heraus entstehen. Genau diese künstlerische Haltung prägt auch seine aktuelle Ausstellung „Forever Wild Child“, mit der Mangen nun erstmals mit einer Soloausstellung in Frankfurt vertreten ist. In der Heike Strelow Galerie zeigt er eine Auswahl von Werken, die sich bewusst einer klassischen Serienlogik entziehen. Entstanden vor, während oder nach größeren Serien, stehen sie jeweils für sich, unabhängig und doch als Teil seines kreativen Schaffens. Mangen nennt sie selbst „Einzelkinder“.
Mangens Einzelkinder
Der Begriff steht für Werke, die in unterschiedlichen Lebensphasen entstanden sind und den Künstler aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Oft bleiben solche Arbeiten im Atelier zurück, weil sie nicht in das Konzept einer Ausstellung passen oder sich nur schwer einer Werkserie zuordnen lassen. In Frankfurt rücken sie nun bewusst in den Vordergrund. Gerade in ihrer Gegenüberstellung entsteht ein überraschender, lebendiger Dialog zwischen den Arbeiten.

In Frankfurt stellt Mangen keine Serie vor, sondern seine – wie er sie nennt – Einzelkinder Foto: Wolfgang Günzel
Für Mangen bedeutet die Ausstellung zugleich einen Perspektivwechsel. Während sein Name in Luxemburg längst etabliert ist, begegnet er in Frankfurt einem Publikum, das ihn bisher nicht kennt. Gerade darin liegt für den Künstler ein besonderer Reiz. „Hier kennt mich niemand“, sagt er. Daraus entsteht eine neue Freiheit: Die Werke werden nicht über den Namen wahrgenommen, sondern müssen für sich selbst sprechen.
Zum ersten Mal in Frankfurt
Entstanden ist die Zusammenarbeit mit der Galerie eher beiläufig. Bereits 2022 kam Mangen mit der Galeristin in Kontakt, als er in Berlin gemeinsam mit einem ihrer Künstler ausstellte. Bei der Luxembourg Art Week 2025 traf man sich erneut mit einem offenen Gespräch über mögliche Projekte. Als eine Soloausstellung in der Galerie kurzfristig wegfiel, bot sich für ihn unerwartet die Gelegenheit, einzuspringen. So entstand „Forever Wild Child“.
Der Titel beschreibt eine Haltung, die Eric Mangens künstlerische Praxis grundlegend prägt. Das „wilde Kind“ steht für Neugier, Offenheit und den Blick auf die Dinge ohne feste Erwartungen. Auch mit 42 Jahren, so der Künstler, sei es ihm wichtig, sich diese Sicht der Dinge zu bewahren. In seiner Malerei drückt sich das in der Lust am Experiment, am Risiko und am spontanen Entdecken aus. Tatsächlich folgt Mangens Arbeitsprozess nur selten einem festen Plan. Zwar entscheidet er gelegentlich vorab über Format oder Farbpalette, doch der eigentliche Entstehungsprozess bleibt offen. Malerei versteht er als eine Art Dialog mit der Leinwand. Jede Geste, jede Farbe verändert die Situation des Bildes und fordert eine neue Reaktion.
Letzte Pinselstriche und Zukunftsgedanken
Diese intuitive Herangehensweise spiegelt sich auch in den ausgestellten Arbeiten wider. Einige wirken gestisch und impulsiv, andere ruhiger und konzentrierter. Manche arbeiten stärker mit Andeutungen, während andere ganz auf Farbe, Bewegung und Komposition setzen. Gerade weil die Werke in unterschiedlichen Momenten entstanden sind, bringt jedes eine eigene Energie mit.
Auch formal legt sich Eric Mangen nicht fest. Wann ein Bild fertig ist, entscheidet er nicht nach einem festen Schema. Für ihn ist ein Werk abgeschlossen, sobald jeder weitere Pinselstrich das fragile Gleichgewicht stören würde. An diesem Punkt endet für den Künstler die Arbeit. Dann stellt sich im Bild eine Ruhe ein, eine Balance von Komposition, Farbe und Raum.
Über die Ausstellung hinaus bietet ein „Artist Talk“ am 20. März in der Heike-Strelow-Galerie Gelegenheit, tiefer in Mangens künstlerische Arbeit einzutauchen. Der Künstler zeigt dort unter anderem Videomaterial aus seinem Atelier und spricht über seine Arbeitsweise. So eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein Blick „behind the scenes“.

Der Luxemburger Künstler Eric Mangen in Frankfurt Foto: Wolfgang Günzel
Die Ausstellung in Frankfurt markiert zugleich einen weiteren Schritt in der zunehmenden internationalen Ausrichtung von Mangens Arbeit. Neben Projekten in Luxemburg sind in den kommenden Monaten weitere Ausstellungen geplant, darunter mit der Nosbaum-Reding-Galerie in Brüssel sowie eine Gruppenausstellung in Wien. Im Herbst soll zudem eine Soloausstellung in der Galerie Indépendance (BIL) folgen. Parallel dazu experimentiert Mangen mit neuen Materialien und Formaten. Derzeit interessieren ihn besonders keramische Bildobjekte, mit denen er seine malerische Praxis in den dreidimensionalen Raum erweitert. Wohin ihn diese Entwicklung führen wird, bleibt offen. Doch gerade diese Offenheit gehört zum Kern seiner künstlerischen Haltung.
So zeigt „Forever Wild Child“ weniger eine abgeschlossene Werkserie als vielmehr einen Einblick in eine künstlerische Denkweise. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Momenten und Kontexten, die zusammen ein vielschichtiges Bild von Mangens Schaffen ergeben. In ihrer Vielfalt spiegeln sie genau die Haltung wider, die schon der Titel formuliert: neugierig zu bleiben und dem eigenen inneren Impuls zu folgen.
Galerie Heike Strelow, Lange Straße 31, Frankfurt am Main.
Bis 11. April 2026, Montag, Mittwoch bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag 12–15 Uhr. Eintritt frei.