Düdelingen
„Eine Musik des Teilens“ – das Zeltik geht in die 30. Ausgabe
Kurz vor dem St. Patrick’s Day wird Düdelingen zum Treffpunkt der keltischen Musikszene. Beim Zeltik-Festival treffen Dudelsack, Orgel und internationale Künstler auf eine Atmosphäre, die das kleine Festival seit 30 Ausgaben einzigartig macht.
Die letzten Handgriffe vor dem Festival: In der Kirche St. Martin werden Bühne, Licht und Ton für das Zeltik-Prelude eingerichtet Foto: Carole Theisen
Am Mittwochabend kurz nach 18 Uhr herrscht in der Kirche St. Martin in Düdelingen geschäftiges Chaos. Kabel werden ausgerollt, Stühle gerückt, Scheinwerfer montiert, vor dem Altar wächst eine bescheidene Bühne empor. Was hier vorbereitet wird, ist keine Messe, sondern der Auftakt der 30. Ausgabe des Zeltik-Festivals, das keltische Musik in unterschiedlichsten Facetten zeigt und in der besonderen Akustik der Kirche ein intimeres Format findet.
Kabel, Scheinwerfer und Instrumente: Am Vorabend des Festivals verwandelt sich die Kirche St. Martin Schritt für Schritt in einen Konzertsaal Foto: Carole Theisen
„Es ist keine religiöse Entscheidung, sondern eine künstlerische“, betont John Rech. Die Kirche eröffne eine andere Perspektive auf die keltische Musik, die auf einer klassischen Konzertbühne leicht verloren gehen könnte.
Kurz vor halb acht trifft der erste Headliner zur Probe ein: der galicische Musiker Carlos Núñez mit seinem Team. Noch bevor eine Note erklingt, verschwinden Musiker und Techniker auf die Empore zur Orgel. Notenblätter werden verglichen, Übergänge ausprobiert, Harmonien abgestimmt.
Ein Festival mit Geschichte
Was heute ein internationales Festival ist, hat bescheidene Anfänge. Ende der 1990er Jahre stand auf der place Jean Fohrmann ein großes Zelt. Feuerwehrball und keltische Musik. „Für mich ist Zeltik vor allem ein einzigartiges Festival“, sagt John Rech, Direktor des Kulturzentrums „opderschmelz“ und seit der ersten Ausgabe Teil des Organisationsteams. „In der Großregion gibt es nichts Vergleichbares mehr. Die anderen Celtic-Festivals sind verschwunden – wir sind geblieben.“ Die Szene sei klein, aber besonders. „Es ist eine Musik des Teilens“, erklärt Rech. „Man teilt Freude, aber auch Schmerz. Musiker spielen miteinander, reden miteinander, jammen nach den Konzerten. Es ist fast wie eine große Familie.“
Diese Atmosphäre hat das Festival durch wechselnde Spielorte und sogar durch eine Pandemie getragen. Heute umfasst das Jubiläumsprogramm vier Tage, drei Spielorte, elf Acts und mehr als 2.000 Besucher.
Die Kirche als Klanglabor
Der Auftakt des Festivals findet traditionell in der Kirche St. Martin statt. Die dortige Orgel gilt als eine der beeindruckendsten des Landes und Laurent Felten, Organist und stellvertretender Direktor der Düdelinger Musikschule, kennt das Instrument besser als kaum jemand. „Die Orgel hat fast 80 Register – also 80 verschiedene Klangfarben“, erklärt er. „Für eine Kirchenorgel ist das außergewöhnlich.“

Organist Laurent Felten begleitet das Zeltik-Prelude an der großen Orgel der Kirche St. Martin Foto: Carole Theisen
Beim Zeltik-Prelude geht es jedoch nicht um klassische Orgelkonzerte. Felten spielt gemeinsam mit Festivalmusikern, die sonst auf ganz anderen Bühnen stehen. „Das Publikum hier ist ein anderes“, sagt er. „Viele würden nie zu einem reinen Orgelkonzert kommen. Genau deshalb finde ich es spannend, ihnen das Instrument auf eine neue Art zu zeigen.“
Der Headliner des Abends, Carlos Núñez, gehört zu den bekanntesten Vertretern keltischer Musik weltweit. Seine Herkunft prägt seine musikalische Identität. „Ich bin in Galicien geboren, dem keltischen Teil Spaniens“, sagt er. „Dort habe ich mit acht Jahren begonnen, die Gaita zu spielen – unsere Form des Dudelsacks. Die Gaita ist meine leidenschaftliche Liebe. Die Flöte, meine platonische.“

Carlos Núñez mit seiner leidenschaftlichen Liebe, der Gaita Foto: Carole Theisen
Jede keltische Region habe ihre eigene musikalische Persönlichkeit. „Die schottische Musik wirkt oft elegant, die irische ist wilder und intuitiver. Für uns ist sie vor allem Fest, Freude und gemeinsames Feiern“, erklärt Núñez. „Aber es gibt eine gemeinsame Energie, eine ähnliche Art, Musik zu leben.“
Auch der irische Sänger Brian Brody sieht die keltische Musik als kulturelles Gedächtnis. „Ich bin seit fast 30 Jahren Berufssänger“, erzählt er. „Musik ist mein Leben – ich habe nie etwas anderes gemacht.“ Irische Lieder erzählen oft von schwierigen Zeiten – Hungersnot, Verlust, Auswanderung. „Wir singen über harte Jahre“, sagt Brody. „Aber gleichzeitig feiern wir das Leben. Die Musik erinnert uns an beides.“
Gerade deshalb sei ein Festival wie Zeltik besonders „Luxemburg würde man nicht sofort mit keltischer Musik verbinden“, sagt er. „Aber hier gibt es eine echte Liebe dafür.“
Zwischen Tradition und Aufbruch
Das Programm der Jubiläumsausgabe zeigt, wie vielfältig die Szene geworden ist. Neben etablierten Namen wie den Red Hot Chilli Pipers, Skerryvore oder The Celtic Social Club treten künftig auch jüngere Künstler auf. „In Schottland und Irland gibt es gerade eine neue Generation von Musikern“, sagt Rech. „Ein kleines Revival.“
Nach den Konzerten endet das Festival jedoch nicht sofort. In der Düdelinger Brauerei Kantin gehen die Abende weiter – mit spontanen Sessions, improvisierten Jams und Musik bis spät in die Nacht. Es sind genau diese Momente, die viele Künstler immer wieder zurückbringen.
Drei Jahrzehnte nach dem ersten Zelt auf dem Jean-Fohrmann-Platz ist das Zeltik zu einem festen Bestandteil der europäischen Festivalszene geworden. Und doch bleibt die Idee einfach: Menschen zusammenbringen – über Musik. Die Nachfrage bestätigt den Erfolg. „Wir stehen kurz vor dem Ausverkauf“, sagt Rech.
Carlos Núñez bringt es schließlich auf den Punkt: „Die Kelten lebten einst im Herzen Europas. Vielleicht weckt dieses Festival einen alten Geist, der hier vor zwei- oder 3.000 Jahren existierte.“

Bevor das Publikum kommt, wird getestet, abgestimmt und justiert Foto: Carole Theisen
Wo lebt keltische Kultur heute?
Wenn von keltischer Kultur die Rede ist, denken viele zuerst an Irland oder Schottland. Tatsächlich reicht das keltische Erbe jedoch über mehrere Regionen Europas.
Zu den sogenannten keltischen Nationen zählen heute meist: Irland, Schottland, Wales, Bretagne (Frankreich), Cornwall (England), Isle of Man, Galicien und teilweise Asturien im Norden Spaniens.
Zeltik 2026 – Timetable der letzten beiden Tage
Samstag, 14.3.2026 – CCRD „opderschmelz“
– 19.00: Curly Strings
– 20.00: Ryan Young
– 20.30: Celtic Social Club
– 21.30: Authenica
– 22.10: Red Hot Chilli Pipers
Aftershow @ Kantin – ab 22.00 Uhr:
– Brian Brody
– The Paperboys
Sonntag, 15.3.2026 – Festivalabschluss im CCRD „opderschmelz“
– 19.30: Andrew Strong From „The Commitments“
– 21.00: Achtung Babies

Vor den Konzerten werden auf der Empore Noten verglichen und Übergänge abgestimmt – die Kirche wird kurzzeitig zum Proberaum Foto: Carole Theisen

Der Blick von der Empore Foto: Carole Theisen