Parc Hosingen

Eine Baracke soll umziehen: Gemeinde plant „Memorial“ und Ausstellung zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Gemessen an ihrer Bedeutung ist sie unscheinbar. Autofahrer lassen die Baracke neben der Straße zwischen Hosingen und Wahlhausen gerne „links liegen“. Zu verlassen und verwittert ist der erste Eindruck. Dabei ist sie ein wichtiges Stück Erinnerungskultur und müsste umziehen, um neuen Glanz zu erfahren.

In dieser ehemaligen Notunterkunft in Wahlhausen sollen die Ausstellung zum Wiederaufbau und das Wissen um den „Don Suisse“ unterkommen

In dieser ehemaligen Notunterkunft in Wahlhausen sollen die Ausstellung zum Wiederaufbau und das Wissen um den „Don Suisse“ unterkommen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die Geschichte der Baracke ist eng mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und vor allem danach verbunden. Der Staat hat sie 1945 in aller Eile gebaut, um Familien unterzubringen. Vier Familien lebten zeitweise in der Notunterkunft, weil ihre Höfe zerstört und unbewohnbar waren. Einheimische Firmen wie die Stahlschmiede Arbed fertigten die Eisenkonstruktionen, der heutige Technologiekonzern Paul Wurth lieferte die geschmiedeten Fensterrahmen.

Nach 1950 wurde die Baracke als Lager der Geländebesitzer genutzt

Nach 1950 wurde die Baracke als Lager der Geländebesitzer genutzt Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Im Ösling fehlte es nach der Ardennenoffensive an allem. Zerstörte Felder, fehlende Tiere und verwüstete Gehöfte: Das war das Bild, das sich den Evakuierten bei ihrer Rückkehr bot. Von ursprünglich mal 21 Pferden allein in der Ortschaft Wahlhausen waren im April 1945 nur noch zehn am Leben. Von den 311 Kühen in der Ortschaft hatten mit 115 weniger als die Hälfte den Krieg überstanden. Bei den Schweinen sah es nicht besser aus. Von 182 Mastschweinen waren nur noch zehn am Leben.

Wiederaufbau gewaltige Aufgabe

Das geht aus einem Artikel in dem Vereinsblatt des gleichnamigen Vereins „De Cliärrwer Kanton“ hervor, der im März 2024 erschienen ist. Yves Rasqui ist der Autor. Er lebt in der Ortschaft Untereisenbach, die zur weit verzweigten Gemeinde Parc Hosingen gehört. Als Lokalhistoriker will sich der pensionierte Elektro-Mechaniker nicht bezeichnen. Sein Interesse an der Zeit „danach“ ist trotzdem groß, es gibt familiäre Bezüge – geprägt vom großen Schweigen über diese Zeit und den Entbehrungen danach.

Lokalhistoriker Yves Rasqui

Lokalhistoriker Yves Rasqui Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Dabei wird oft vergessen, dass das Land heute so dasteht, wie es dasteht, weil viele geholfen haben. Neben Marshallplan und „Œuvre Grande-Duchesse Charlotte“ gab es Aufbauhilfe aus der Schweiz. Hier kommt die Baracke ins Spiel. Dem „Don Suisse“ und den anderen Organisationen des Wiederaufbaus soll eine Ausstellung gewidmet sein, die darin unterkommen soll.

Der geplante Standort ist rund um den Wasserturm im Hauptort Hosingen. In dem „Memorial Parc Hosingen“, so der offizielle Titel, soll es neben der Ausstellung eine Gedenkstätte geben. Pläne für den Umzug der Baracke und die räumliche Aufteilung der Ausstellung gibt es nach Gemeindeangaben seit 2018. Kurz vor der Sommerpause 2025 haben Gemeindevertreter sie erneut bei Kulturminister Eric Thill (DP) vorgestellt.

Frank Dimmer, ehemaliger Ortsvorsteher von Wahlhausen: Seiner Familie gehört das Gelände, auf dem die Baracke steht

Frank Dimmer, ehemaliger Ortsvorsteher von Wahlhausen: Seiner Familie gehört das Gelände, auf dem die Baracke steht Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Der Minister war vor dem Regierungsposten Bürgermeister in Schieren, kennt den Norden also gut. Passiert ist bis jetzt allerdings wenig. Beim Besuch vor Ort zeigt sich, die Zeit drängt. Bedingt durch die einfache Konstruktion droht die Baracke abzurutschen und zeigt Risse im Gemäuer. Die Gemeinde hat für den Ab- und Wiederaufbau eine „Reserve“ von 70.000 Euro im Budget eingeplant. „Für alle Fälle“, wie sie auf Anfrage des Tageblatt antwortet.

Gewerkschaftskontakte stehen am Anfang

Eine Beteiligung des Kulturministeriums an dem Vorhaben ist noch nicht zugesagt. Auf Anfrage des Tageblatt zum Stand der Dinge antwortet die Behörde, dass „notwendige interne Abstimmungen noch nicht abgeschlossen“ seien. Minister Thill braucht offensichtlich mehr Zeit. Die Schweizer Hilfe beim Wiederaufbau war nicht unbedeutend. Im Mai 1945 begleiteten Vertreter des „Lëtzebuerger Aarbechterverband“ (LAV), Vorläufer des heutigen OGBL, Mitglieder der schweizerischen „Entr’aide ouvrière“ bei einem Besuch im Land.

Das Foto zeigt eine Holzbaracke vermutlich in Diekirch für einen Kindergarten, wie sie im Rahmen des „Don Suisse“ geliefert wurden

Das Foto zeigt eine Holzbaracke vermutlich in Diekirch für einen Kindergarten, wie sie im Rahmen des „Don Suisse“ geliefert wurden Foto: Musée national d’histoire militaire Diekirch

Das ist in einem Artikel des Tageblatt vom 4. Mai 1945 festgehalten. Daraufhin versorgten angereiste Schweizer Ärzte damals die Bevölkerung. Die Alpenrepublik spendete Lebensmittel wie Milch und Medikamente oder Saatgut und Maschinen. Es ist der Schweiz zu verdanken, dass allein 1945 rund 14.000 Hektar eingesät werden konnten und ein Jahr später noch einmal 22.000 Hektar.

Ausstellung zum Wiederaufbau fehlt im Land

Das schweizerische Arbeiterhilfswerk schickte Facharbeiter und errichtete Baracken, um Kindertagesstätten und Schulunterricht zu ermöglichen. Schweizer Personal hielt den Betrieb aufrecht und Landwirte konnten sich über Praktika in der Schweiz mit modernen landwirtschaftlichen Methoden vertraut machen. Eine Ausstellung zum Thema, die den „Don Suisse“ mitberücksichtigt, wäre ein Novum.

Das Foto zeigt eine Schweizer Holzbaracke für einen Kindergarten, die noch heute in Liefringen (Stausee) steht und im Rahmen des „Don Suisse“ geliefert wurde

Das Foto zeigt eine Schweizer Holzbaracke für einen Kindergarten, die noch heute in Liefringen (Stausee) steht und im Rahmen des „Don Suisse“ geliefert wurde Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Gedenkstätten gibt es zwischen Diekirch, Wiltz und dem Schumannseck genug. „Es gibt aber nirgendwo eine Stelle, wo der Wiederaufbau dokumentiert wird“, sagt Lokalhistoriker Yves Rasqui. Das will die Gemeinde ändern. Darin weiß Rasqui sich nicht nur einig mit der Gemeindeführung, sondern auch mit Mitstreiter Frank Dimmer, dem ehemaligen Ortsvorsteher von Wahlhausen. „Es wäre einzigartig in Luxemburg“, erklärt Dimmer zur Bedeutung des Vorhabens.

Konzert am 12. September

Am Freitag, 12. September 2025, um 20.00 Uhr findet in der Gemeinde Hosingen ein besonderes Konzert statt. Die „Soirée-Concert“ in der Sporthalle steht unter dem Motto „En mémoire des aides du Don Suisse“. Die „Musique militaire grand-ducale“ spielt zusammen mit dem Symphonischen Blasorchester Schweizer Armeespiel. Reservierungen sind unter reservation@sispolo.lu erforderlich.

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