Rümelingen
„Du kannst nichts machen“ – Ein Tankstellenbesitzer redet über die Spritpreise
Hohe Benzin- und Dieselpreise belasten aktuell so manchen Autofahrer. Doch wie nimmt ein Tankstellenbesitzer die Situation wahr?
Jean-Jacques Siedler betreibt eine private Tankstelle in Rümelingen Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Der Krieg im Nahen Osten sorgt weiterhin für hohe Preise an den Zapfsäulen in Luxemburg. Vor allem der Diesel hat mit aktuell (ab 4. April) 2,186 Euro pro Liter ein Rekordniveau erreicht. „Et ass eng gelunge Situatioun“, sagt Jean-Jacques Siedler, Besitzer einer Tankstelle in Rümelingen, am vergangenen Donnerstag. „Solange wir beliefert werden, ist alles gut.“ Und doch nerve das ständige Auf und Ab bei den Preisen.
Siedler findet noch nicht, dass weniger getankt wird Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Der Rekordpreis des Diesels tritt ab Samstag in Kraft. „Die, die das schon mitbekommen haben, tanken gerade wie die Wilden“, sagt Siedler am Freitag in einem Telefongespräch. Das würde sich jedoch die nächsten Tage wieder beruhigen. „Dann ist der Tank voll.“ Diesel sei mittlerweile an manchen Tankstellen in Frankreich billiger als in Luxemburg. „Grenzgänger machen mindestens die Hälfte des Umsatzes aus. Das ist überall an den Grenzen der Fall.“ Fehle dieser Umsatz, könne es schwer für Tankstellen werden. Und: Diesel werde viel gebraucht, insbesondere für Lkw und Busse sei dieser Kraftstoff die beste Alternative. Aus diesem Grund komme es zu höheren Transportkosten. Dadurch würden die Preise für viele andere Waren ebenfalls steigen.
Wie reagieren seine Kunden auf die hohen Spritkosten? „Hier an der Tankstelle ist das kein großes Thema“, sagt Siedler. Es gebe nur wenige, die sich beschweren. Ältere Kunden würden zum Beispiel teilweise noch in Luxemburger Franken rechnen. Das verstärke den Eindruck der Teuerung: „Die jungen Menschen dagegen nehmen die Preisanstiege nicht so sehr wahr.“ Es gebe dennoch immer Kunden, die sagen würden: „Jetzt wird es aber teuer.“ Er spüre aktuell jedoch nicht, dass Menschen weniger tanken.
Grafik Editpress
Wenig Gewinn für Tankstellen
„Du kannst gar nichts machen“, sagt Siedler zur Krise. Die Lieferung erfolge automatisch. „Wenn du Glück hast, füllen sie deinen Tank noch vor einem Preisanstieg.“ Auch wenn dadurch kein Zusatzgewinn anfalle, spare er so beim Einkauf. Die Gewinnspanne bleibe gleich, unabhängig von der Preisentwicklung. Weniger als 2 Prozent des Literbetrages würden an die Tankstelle gehen. „Wenn in einer Woche mal zwei oder drei Kunden nicht bezahlen, ist der Verdienst weg.“ Gewinn mache vor allem der Shop. Auch habe eine Tankstelle wenig Möglichkeiten, Benzin unter dem Maximalpreis anzubieten. „Wir haben einen Spielraum von höchstens drei Cent pro Liter.“ Tiefer könne er jedoch nicht gehen, denn eine Tankstelle dürfe Treibstoff nicht unter dem Einkaufspreis anbieten. Das zuständige Ministerium kommuniziere die neuen Maximalpreise immer per E-Mail am späten Nachmittag.
Siedler glaubt nicht, dass die Vorräte in Luxemburg erschöpft werden könnten. Die Rohölexporteure seien auf Geld, vor allem Devisen aus dem Ausland, angewiesen. Daher würden sie eine Treibstoffknappheit verhindern wollen. Aber: „Es könnte zu autofreien Sonntagen, wie bereits in den 70ern, kommen“, sagt Siedler. Das würde aber nicht viel helfen.
Wie die Spritpreise zustande kommen
Während Autofahrer die Preissteigerungen an der Zapfsäule wahrnehmen, wird der Tagespreis nach einer klaren Formel berechnet. Wie diese zustande kommt, erläuterte Georges Lanners vom Energieministerium dem Tageblatt bereits vor einigen Wochen in einer Videokonferenz: Basis für die Berechnung ist eine Formel, die den Wechselkurs des Dollars, den Preis auf dem Rohölmarkt, Transport- und Lagerkosten sowie Steuern berücksichtigt. Dafür sammelt ein unabhängiges Institut täglich von allen Firmen, die Benzin- und Dieselprodukte, aber auch Heizöl verkaufen, Daten, um die jeweiligen Marktpreise zu erfassen. Daraus entstehen sogenannte Preisnotierungen, aus denen der Tagespreis errechnet wird.
Doch auch wenn diese Formel täglich einen Höchstpreis generiert, wird der reelle Betrag an den Tankstellen nicht immer an diesen angepasst. Tatsächlich vergleicht das Luxemburger Energieministerium den berechneten theoretischen Preis mit dem momentanen Preis an den Tankstellen. Erst wenn dabei größere Durchschnittsabweichungen festgestellt werden, ändert sich der Betrag an der Zapfsäule. Das ist beim Diesel etwa der Fall, wenn der Unterschied in den vergangenen zwei Tagen bei über 10 Euro pro 1.000 Liter liegt. Gleiches gilt bei einer durchschnittlichen Preisdifferenz in den zehn Tagen davor von mehr als 6 Euro pro 1.000 Liter. So soll garantiert werden, dass der Maximalpreis die Entwicklung auf den internationalen Ölmärkten widerspiegelt, ohne den Kunden ständigen Preisschwankungen auszusetzen. Das sei Konsumentenschutz, sagte Georges Lanners. Er unterstrich, dass der Staat keinen Einfluss auf die Preisentwicklung hat und Preissteigerungen nicht verhindern kann. „Der Ölmarkt ist ein freier Markt“, so Lanners.

Das Auto vollzutanken kann im Moment teuer werden Foto: Editpress/Didier Sylvestre