Differdingen

Direktor Kristian Horsburgh über Ankommen, Aufbruch und Alltag im 1535° Creative Hub

Kristian Horsburgh ist seit dem 7. März Direktor des 1535° Creative Hub in Differdingen. Damals sprach das Tageblatt mit dem frisch gebackenen Leiter über Visionen, Strategie und Veränderung. Einige Monate später erzählt der 40-Jährige, wie er sich eingelebt hat – und was die größte Herausforderung ist.

Kristian Horsburgh, Direktor des 1535° Creative Hub in Differdingen, findet sich gut in seiner Rolle zurecht

Kristian Horsburgh, Direktor des 1535° Creative Hub in Differdingen, findet sich gut in seiner Rolle zurecht Foto: Editpress/Alain Rischard

Tageblatt: Fast fünf Monate ist es her, dass Sie die Leitung des 1535° Creative Hub übernommen haben. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?

Kristian Horsburgh: Ich habe mich gut eingelebt. Es fühlt sich an, als würde das Eis langsam, aber sicher schmelzen, und wir wachsen als Team immer mehr zusammen. Alles, was wir bislang umgesetzt haben, entstand auf sehr natürliche und intuitive Weise – doch mittlerweile neigt sich die Honeymoon-Phase dem Ende zu.

Was bedeutet das konkret?

Neugierige können die innovative Linie des Kreativzentrums am „Creative Day“ am 12. Oktober entdecken

Neugierige können die innovative Linie des Kreativzentrums am „Creative Day“ am 12. Oktober entdecken Foto: Editpress/Alain Rischard

Ich komme langsam auf den Boden der Tatsachen zurück. Das heißt, jetzt müssen Dossiers angepackt, Entscheidungen getroffen und Dinge geregelt werden, die in den vergangenen Monaten und Jahren etwas zu kurz gekommen sind. Wir befinden uns hier in einem alten Gebäude, daher stehen zum Beispiel Arbeiten an der Isolation an. Zudem sind inzwischen rund 90 Prozent unserer Räume an Unternehmende aus der Kreativ- und Kulturindustrie vergeben – die Nachfrage ist groß. Deshalb müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unser Angebot künftig erweitern können.

Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs an interessierten Kreativschaffenden?

In den vergangenen Monaten hat sich vermutlich viel über Mundpropaganda herumgesprochen. Auch der sogenannte „frische Wind“ könnte ein Grund für das steigende Interesse sein. Mittlerweile erreichen uns Anfragen aus der gesamten Großregion. Das Kreativzentrum ist gut ausgestattet und bietet einzigartige Möglichkeiten zur Vernetzung und Entfaltung. Zudem erhält die Kreativwirtschaft europaweit derzeit große Unterstützung – das Potenzial, erfolgreich zu sein und einen kreativen Beruf auszuüben, wächst stetig. Der 1535° Creative Hub möchte diese zukunftsweisende Entwicklung aktiv mitgestalten.

Im März sagten Sie, dass Sie erst in der kommenden Saison eigene Visionen umsetzen werden. Ist dem noch so?

Dabei ist es nicht geblieben. (lacht) Meine Leidenschaft für innovative Ideen und Projekte hat sich schnell bemerkbar gemacht. Wir haben bereits an der internen Kommunikation gearbeitet und den Austausch mit den Kreativschaffenden intensiviert. Auch neue Vernetzungsformate wie das „Reverse Pitching“ haben wir ausprobiert – und sehr positives Feedback erhalten. Dabei stellen nicht die Kreativen ihre Ideen vor, sondern Unternehmen oder Institutionen präsentieren ihre Herausforderungen oder Projekte. So können Kreativschaffende Lösungen vorschlagen und neue Kooperationen entstehen. Man kann sich auf den „Creative Day 2025“ am 12. Oktober freuen: Die neue Linie wird hier klar spürbar sein.

Demnächst stehen unter anderem Arbeiten an der Isolation an

Demnächst stehen unter anderem Arbeiten an der Isolation an Foto: Editpress/Alain Rischard

Sie möchten sich stärker in die Gemeinde Differdingen einbringen. Haben Sie konkrete Ansätze?

Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit den politischen Verantwortlichen sowie mit dem technischen Dienst und dem IT-Bereich der Gemeinde. Unsere Visionen sind ähnlich und ich habe den Eindruck, dass das Verständnis und die Unterstützung für das Kreativzentrum sehr groß sind. Gemeinsam wollen wir Forschung in der Gemeinde stärken – etwa die Satellitenindustrie nach Differdingen holen –, mit Pop-up-Konzepten dem Leerstand entgegenwirken, erschwinglichen Raum für Kreativschaffende schaffen und eine lebendige Gemeinschaft für die Anwohner schaffen: Der 1535° Creative Hub soll kein UFO sein, sondern ein aktiver Teil des städtischen Lebens in Differdingen.

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