Pferde

Die sanften Riesen des Éislek: Wie die Ardenner nachhaltige Wirtschaft möglich machen

Das Ardenner Pferd prägte jahrhundertelang die Landwirtschaft und Schlachtfelder Europas, bevor Traktoren es verdrängten. Heute erlebt die Kaltblutrasse eine Renaissance im Natur- und Klimaschutz – und hat in Charel Braquet einen engagierten Fürsprecher gefunden.

Wallach Poli (12) im Einsatz mit Charel Braquet

Wallach Poli (12) im Einsatz mit Charel Braquet Foto: Deborah Rimi

Für den Leiter des „Kompetenzzentrums für Arbeitspferde“ in Munshausen sind die imposanten Tiere kein Relikt der Vergangenheit, sondern Partner für die Zukunft. Seit einem Jahrzehnt kümmert er sich vor Ort um zwölf Ardenner und koordiniert ihre Einsätze im Wald. Dass sich die Kaltblüter im unwegsamen Gelände des Éislek so bewähren, ist kein Zufall. Damals wie heute spiegelt die Pferdezucht die menschliche Entwicklung wider. Was heute die Erforschung von Elektroautos im Zuge der Energiewende ist, war früher die Suche nach der perfekten, geländeunabhängigen Antriebskraft.

Vom Schlachtfeld in den Forst

Das raue Klima des Ardenner Mittelgebirges forderte ein Pferd, das eine feine Balance aus Kraft und Wendigkeit mitbrachte – kompakt gebaut und trittsicher. Diese Eigenschaften machten das Tier über Jahrhunderte hinweg auch für das Militär unverzichtbar. In Friedenszeiten wurde es schließlich zum unersetzlichen Motor der Landwirtschaft. Heute kommen die Pferde hauptsächlich im Wald- und Naturschutz zum Einsatz, wo sie ihre ökologischen Trümpfe gegenüber schweren Maschinen voll ausspielen. „Im Forst ist das Pferd wendig, flexibel und benötigt kein starres Rückegassennetz“, schildert Braquet aus der Praxis. Ein Rückepferd kann den stehenden Baumbestand gezielt umfahren und schonen. Ein gravierender Vorteil betrifft den Boden: Während schwere Maschinenachsen die Erde flächig verdichten und die lebenswichtige Wasserleitfähigkeit des Waldbodens unwiederbringlich zerstören, belasten Pferdehufe den Boden nur punktuell.

Ein kontrolliertes Temperament

Der Begriff Kaltblut wird im Alltag oft fälschlicherweise mit Trägheit gleichgesetzt. Auf den Ardenner trifft das jedoch kaum zu. Das Tier kontrolliert sein Temperament meisterhaft: Es agiert hochmotiviert, aber stets besonnen und überlegt. Zudem gilt die Rasse als extrem menschenbezogen und arbeitsfreudig. „Meine Faszination für diese Rasse gründet genau auf diesem unbändigen Leistungswillen und der tiefen Bereitwilligkeit, mit der das Tier uns Menschen begegnet. Natürlich ist sein äußeres Auftreten monumental und imposant. Doch für jeden, der sich täglich mit diesen Pferden beschäftigt, tritt die reine Masse irgendwann in den Hintergrund. Die mächtigen Konturen verblassen Stück für Stück – und was bleibt, ist sein unvergleichliches, sanftes Wesen“, so Braquet. In Kombination mit moderner Technik, wie radangetriebenen Mähbalken beim umweltschonenden Mähen sensibler Schutzflächen, ist das Pferd kein Rückschritt, sondern ein wirtschaftlicher und CO₂-neutraler Kompromiss. Seine Energie bezieht der Ardenner rein aus nachwachsenden Rohstoffen.

Herausforderungen für die Zukunft

Wer sich heute für den Erhalt der traditionsreichen Rasse engagieren möchte, benötigt neben großer Leidenschaft vor allem Fachwissen. Sie gilt zwar als extrem widerstandsfähig und eine ganzjährige Außenhaltung mit solidem Unterstand ist ideal, doch es gibt logistische Hürden wie den enormen Futterbedarf der großen Tiere. Unterstützung bietet hier das Netzwerk des Zuchtverbandes „Lëtzebuerger Ardenner Studbook“. Damit der Ardenner eine dauerhafte Zukunft hat, muss er wieder eine klare Funktion in der Gesellschaft einnehmen. „Wir neigen heute dazu, hochkomplexe Lösungen für Probleme zu entwickeln, die überhaupt erst durch die fortschreitende Technisierung entstanden sind“, gibt Braquet zu bedenken. „Vielleicht ist es an der Zeit, umzudenken: Warum nicht alte, bewährte Methoden mit modernen Werten verknüpfen? Nur so sichern wir einem jahrhundertelangen, treuen Begleiter unserer Gesellschaft den verdienten Platz in der Zukunft.“ Dafür brauche es jedoch auch politische Rahmenbedingungen, die jungen Menschen den Zugang zu geeigneten Flächen für eine artgerechte Haltung ermöglichen.

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