Vëlodukt

Die längste Radbrücke Europas endet auf beiden Seiten im radtechnischen Niemandsland

Es ist schon etwas paradox: Da wird die längste Radbrücke Europas eingeweiht, doch ist sie nicht an das bestehende Radwegenetz angeschlossen. In Belval sind in den letzten Wochen hastig noch einige (fragwürdige) Radstreifen aufgemalt worden, während die Brücke auf der anderen Seite im radtechnischen Niemandsland endet. Ursachenforschung.  

Hier soll die Verbindung mit dem Radweg PC8 entstehen, wobei die bis zu 100 Jahre alten Bäume an dieser Stelle genau wie in der Bessemer-Straße unangetastet bleiben

Hier soll die Verbindung mit dem Radweg PC8 entstehen, wobei die bis zu 100 Jahre alten Bäume an dieser Stelle genau wie in der Bessemer-Straße unangetastet bleiben Foto: Editpress/Alain Rischard

Dass die Escher Gemeinde ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben soll, bestreitet sie vehement. Vielmehr sei es die Straßenbauverwaltung, die für die Anbindung ins Zentrum verantwortlich sei, hieß es unlängst in einem Pressekommuniqué. Mobilitätsminister François Bausch („déi gréng“) stimmt dem im Gespräch mit dem Tageblatt nur bedingt zu: „Was momentan innerstädtisch in Esch existiert, das ist okay, aber entspricht nicht den Standards, die man heute haben muss. Deswegen muss Esch auch noch etwas zulegen, um in die eigene Infrastruktur zu investieren“, so Bausch. „Der Vorteil vom Fahrrad ist, dass die Infrastruktur schnell gebaut werden kann – man muss nur manchmal ein bisschen Mut haben. Der Staat hilft ja auch. Der nationale Mobilitätsplan sieht vor, dass der Transitverkehr nicht mehr durch Esch fahren muss. Das ist für die Stadt eine große Chance, den Verkehr und den öffentlichen Raum komplett neu aufzuteilen.“ 

Zunächst einmal ist es die Straßenbauverwaltung, die den Radweg vom Ende der Brücke bis zum Kreisverkehr Kanalstraße weiterbauen wird, damit der Anschluss zum aktuellen PC8 hergestellt wird. Dafür müssen 15 Bäume (zwei Linden, vier Platanen und neun Schirmbäume am Kreisverkehr) zwischen der Victor-Hugo- und Kanalstraße weichen. Auch die Verkehrsinsel in der Mitte des Boulevards verschwindet. Die 80 bis 100 Jahre alten Platanen im oberen Teil und in der Bessemer-Straße bleiben derweil unangetastet.

Neue Mobilitätskonzepte im Frühjahr

Bis der Anschluss realisiert ist, wird noch einige Zeit vergehen. Die Ausschreibung der Arbeiten soll Anfang 2023 erfolgen. Deshalb sagt Bausch: „Die Gemeinde hätte sich schon früher etwas überlegen müssen – es ist ja schon zwei Jahre bekannt, dass die Brücke kommt. Sie ist für die innerstädtische Verbindung verantwortlich.“ Will heißen: Selbst wenn Ministerium und Straßenbauverwaltung das Stück bis zur Kanalstraße weiterbauen wird, so sollte die Stadt Esch für die Anbindung sorgen. Zum Beispiel momentan via Bessemer-Straße ins Zentrum. 

Auf der anderen Seite in Belval wird zurzeit ein ganz neues Mobilitätskonzept ausgearbeitet (siehe drei Fragen an François Bausch). Es soll im Frühjahr vorgestellt werden. „Wir wollen den ganzen Fahrradverkehr auf Belval anders orientieren. Es muss eine separate Infrastruktur da sein. Es wäre natürlich optimaler gewesen, wenn wir mit diesem Projekt fertig gewesen wären, bevor wir die Brücke einweihen. Wir kommen momentan aber nicht mit den Projekten nach, das muss man ehrlicherweise auch sagen.“ Was dann auch die in den letzten Wochen hastig aufgemalten, halbherzigen Fahrradstreifen dort erklärt.  

Auch die Stadt Esch will ihr Mobilitätskonzept im Frühjahr vorstellen, wie Bürgermeister Georges Mischo (CSV) unlängst bei der Haushaltsvorstellung versicherte. 

An der Bessemer-Straße endet sie abrupt: die neue Escher Fahrradherrlichkeit. Immerhin aber gibt es ein Schild in Richtung „Vëlodukt“.

An der Bessemer-Straße endet sie abrupt: die neue Escher Fahrradherrlichkeit. Immerhin aber gibt es ein Schild in Richtung „Vëlodukt“. Foto: Editpress/Alain Rischard

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