Heimische Tierwelt
Die heimliche Sonnenliebhaberin: Die Schlingnatter und ihr gefährdeter Lebensraum
Die Schlingnatter ist eine scheue Sonnenliebhaberin, die sich in Luxemburg vor allem auf trockenen, strukturierten Lebensräumen versteckt. Ihr Überleben hängt von offenen Flächen, Trockenmauern und Lesesteinhaufen ab, die als Jagd-, Rückzugs- und Überwinterungsplätze dienen.
Die Schlingnatter wirkt auf viele Menschen bedrohlich, ist aber vollkommen harmlos Foto: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Wer eine Schlange in Luxemburg sieht, erschrickt oft zuerst – und irrt sich fast immer. Denn die Schlingnatter (Coronella austriaca), eine der wenigen heimischen Reptilienarten, ist vollkommen harmlos. Scheu, zurückhaltend und perfekt getarnt, entzieht sie sich meist dem Blick des Menschen. Doch wer Glück hat, entdeckt sie an warmen Tagen auf sonnenbeschienenen Steinen, wo sie ihre Körpertemperatur reguliert, bevor sie wieder im Unterwuchs verschwindet.
Die Schlingnatter bevorzugt strukturreiche, trockene Lebensräume: sonnige Waldränder, extensiv genutzte Wiesen, Heiden sowie Flächen mit offenem Boden und Steinhaufen. Hier jagt sie Eidechsen, Jungmäuse und gelegentlich auch andere kleine Reptilien. Ihren Namen verdankt sie übrigens keiner Würgeattacke, sondern ihrer Art, Beute mit dem Körper leicht zu umschlingen, um sie besser fixieren zu können.
Lebensräume schützen
Doch diese Lebensräume werden seltener. Verbuschung, intensive Nutzung, aber auch das Verschwinden traditioneller Landschaftselemente wie Trockenmauern lassen die Art zunehmend unter Druck geraten. Genau hier setzt der Naturpark Our an. Sie setzt gezielt auf zwei Elemente, die für die Schlingnatter überlebenswichtig sind: Trockenmauern und Lesesteinhaufen.
Das korrekte Restaurieren und Neuerrichten solcher Strukturen an geeigneten Standorten schafft wertvolle Rückzugs-, Jagd- und Überwinterungsplätze. In den Hohlräumen und Sonnenflächen finden die wärmeliebenden Reptilien genau die Bedingungen, die sie benötigen. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zum Erhalt der Schlingnatter bei, sondern kommen auch anderen Arten zugute – etwa Zauneidechsen, Wildbienen oder wärmeliebenden Pflanzen.

Foto: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Und aktiv werden kann jeder: Auch im eigenen Garten oder auf privaten Flächen lassen sich Trockenmauern oder kleine Lesesteinhaufen anlegen. Ein lockerer Aufbau ohne Mörtel, sonnige Ausrichtung und Verwendung regionaler Steine reichen oft schon aus. Selbst ein kleiner, bewusst unaufgeräumter Eckbereich kann zum Mini-Biotop werden. Wichtig ist vor allem, Struktur zu schaffen – und sie dauerhaft zu erhalten.
Die Schlingnatter wird man trotz aller Maßnahmen nur selten zu Gesicht bekommen. Doch gerade ihre Unsichtbarkeit macht sie so wertvoll: Sie ist ein heimlicher Verbündeter in einem Naturmosaik, das von Vielfalt und Wärme lebt. Und jede restaurierte Mauer, jeder Steinhaufen hilft, dieses Mosaik ein Stück vollständiger zu machen.
Naturpark Our

Der Naturpark Our liegt im Norden Luxemburgs an der Grenze zu Belgien und Deutschland und erstreckt sich über 491 km². Das Gebiet ist geprägt durch die Flüsse Our, Clerve und Wiltz mit ihren Tälern, Hängen und Bergrücken. Der Naturpark Our arbeitet gezielt an einer nachhaltigen Entwicklung der Region, indem er Projekte in den Bereichen Natur und Umwelt, Klimaschutz, regionale Produkte, Kultur und Tourismus umsetzt und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und regionalen Akteuren stärkt.