Frauen in der Lokalpolitik

Die „Netzwerkerin“: Joanne Buchette engagiert sich als Gemeinderätin für „Vivre Ensemble“

Joanne Buchette (46) hat Reichweite. Wenn sie etwas postet, sehen es oft mehrere tausend Menschen. Die Einwohner Kayl-Tetingens zusammenzubringen, um in Gemeinschaft Dinge zu bewegen, ist eine Herzensangelegenheit der CSV-Gemeinderätin. Sie ist Präsidentin der Gemeindekommission „Vivre Ensemble“.

Joanne Buchette, Gemeinderätin der CSV-Fraktion, bei der Lokalwahl 2023 im Gemeinderat

Joanne Buchette ist seit den letzten Lokalwahlen 2023 Gemeinderätin in der CSV-Fraktion des Gremiums Foto: Editpress/Miguel Moutinho De Sousa

Joanne Buchette schlägt als Treffpunkt das alteingesessene Café und Restaurant „An Hussen“ vor. An einem dieser Tische ist ihr Entschluss gereift, dass das „Vivre ensemble“ in der Gemeinde neuen Schwung braucht. Als sie zum ersten Mal, da ist sie noch keine Gemeinderätin, an einem „Café des langues“ an ebendiesem Ort teilnimmt, sitzen vier Mitglieder der Kommission „Vivre Ensemble“ um einen Tisch.

Niemand anderes. Es ist die Zeit nach der Pandemie. Das muss sich in ihren Augen ändern. Heute kommen bis zu 35 Menschen ein Mal im Monat zusammen, um sich auszutauschen. Für Kayl-Tetingen sind Veranstaltungen wie diese angesichts der 89 Nationalitäten, die dort zusammenleben, fast schon Notwendigkeit.

23 Nationalitäten aus den Ländern der europäischen Union sind vertreten. Die anderen Einwohner kommen aus 66 Nationen weltweit, also Drittstaaten. Die Luxemburger stellen nach wie vor den größten Teil der Einwohner, gefolgt von Portugiesen, Franzosen und Italienern. Joanne ist noch nicht lange in der Lokalpolitik, wohnt aber seit 2001 in der Gemeinde.

Ungerechtigkeiten lässt sie nicht stehen

Durch ihre zahlreichen Vereinsaktivitäten vor ihrem Engagement in der Politik kennen sie viele, was ihr Wahlergebnis 2023 erklärt. Obwohl sie zum ersten Mal kandidiert, wird sie auf Anhieb die Fünftgewählte auf der 13-köpfigen CSV-Liste. Die engagierte Tagesmutter im Hauptberuf fällt auf.

Sie mischt sich ein, wenn sie Ungerechtigkeiten, Unfairness oder Ungereimtheiten beobachtet– vor allem wenn Kinder betroffen sind. Dann lässt sie keine Gelegenheit verstreichen, Verantwortliche darauf anzusprechen. Sie will etwas nach vorne bewegen, Stillstand wäre unerträglich. 2022 wird sie Mitglied der CSV.

Die Christlich-Sozialen liegen in der DNA ihres Vorbilds. Ihr Vater „Ed“ Buchette, ist langjähriges Mitglied und seit 2014 Gemeinderat in Mamer. Er eröffnet ihr als Kind noch eine andere Welt. Als eine bekannte Persönlichkeit des luxemburgischen und internationalen Radsports nimmt er seine Tochter auf Fahrradrennen wie die „Tour de Luxembourg“ mit.

Sie engagiert sich schon als Kind

Sie lernt die Aufregung und das Gemeinschaftsgefühl kennen, wenn viele Menschen ein Interesse verbindet. Und sie lernt das Gefühl kennen, wie es ist, beteiligt zu sein und emotional etwas zurückzubekommen. Sie hilft schon als Kind mit, die Startnummern an die Radsportler zu verteilen.

Engagement für andere und das Gemeinwohl ist etwas, was die alleinerziehende Mutter von vier Kindern zwischen 14 und 25 Jahren antreibt. Mit ihrer offenen und warmherzigen Art schafft Joanne, der Vereinsmensch, ab der ersten Begegnung ein Ambiente, das jeden Novizen auf dem Versammlungsparkett sofort einschließt.

Sie selbst ist nie „nur“ einfaches Mitglied in Vereinen, sondern übernimmt meistens einen Posten. Sie ist im Vorstand von sechs Vereinen und sitzt in vier Verwaltungsräten von Sicona bis „Stemm vun der Strooss“. Zurzeit gibt es in der Woche kaum einen Abend, den sie für sich hat.

Gleichberechtigung fordert sie ein

Damit, dass sie 2023 gleich den Einzug in den Gemeinderat schafft, hat sie nicht gerechnet. „Als mein Name am Wahlabend aufgerufen wurde, habe ich schon Herzklopfen gehabt“, gesteht sie. Wie es ihr entspricht, stürzt sie sich in die politische Arbeit und absolviert alle Schulungen des Syvicol, um sich vor allem in die administrativen Belange einzuarbeiten.

Sie ist eine von drei Frauen im insgesamt 13-köpfigen Gemeinderat. In Kayl-Tetingen regiert die komfortable absolute Mehrheit einer Koalition aus CSV und LSAP (9 Sitze). „Man hört mich nicht so oft in den Sitzungen mit einer Wortmeldung“, sagt sie. Das hat einen Grund. Bis zur Gemeinderatssitzung hat sie als Gemeinderätin schon die Fraktions- und Koalitionssitzungen hinter sich, wo sie ihren Standpunkt vertreten hat.

Mit neun zu vier möglichen Gegenstimmen aus der Opposition gibt es nicht viel Gegenwind. Gibt es Gegenwind von männlichen Kollegen? „Ich bin eine Frau und kann auch mit Männern streiten“, sagt sie selbstbewusst. Dennoch hat sie seit diesem Jahr ihr Netzwerk um die CSF, die CSV-Frauen national und die CSF der Sektion im Süden, erweitert. Sie ist beiden Vereinigungen beigetreten.

Netzwerken über soziale Medien

„Ich will nicht mehr Rechte haben, ich will gleiche Rechte“, sagt sie. So manches Mal hat sie schon das Gefühl beschlichen, als Newcomerin werde sie von den älteren, Erfahreneren nicht richtig ernst genommen. „Ich denke, wir Frauen haben eine Stimme und die sollten wir nutzen“, sagt sie. „Wir sind nicht mehr im Jahr 1950 und sollten immer wieder an Gleichberechtigung erinnern“.

Bei „Vivre Ensemble“ hat sich seit 2023 einiges getan. Sie hat nicht nur die „Cafés des Langues“ zusammen mit den Kollegen in der Kommission belebt. „Langsam tasten wir uns an eine große Fête multiculturelle für 2027 heran“, sagt sie. „Im Moment testen wir kleinere Aktionen.“

Seit ihrem Amtsantritt als Gemeinderätin und Kommissionspräsidentin gibt es im Juni alljährlich ein „Buffet des Nations“ in der Buvette des örtlichen Fußballvereins Union 05 in Tetingen. Dort organisiert sie auch ein Weihnachtsessen gedacht für Alleinstehende ohne oder mit wenig Familie im Alleingang und privat am ersten Weihnachtsfeiertag 2025.

Die von ihr aufgebauten WhatsApp-Gruppen haben genau wie ihre Facebook-Posts mittlerweile große Multiplikatoreneffekte. „Bouche à l’oreille“ tut das Übrige. Bleibt noch die Frage, wo erholt sich eine so engagierte Person? „Bei einer Thai-Massage“, sagt sie. Für mehr bleibt gerade keine Zeit. Und sie reist gerne – allein. Manch anderer hätte Bedenken, würde vielleicht gar nicht erst alleine losfahren. Sie findet das „wunderbar“.

Ich denke, wir Frauen haben eine Stimme und die sollten wir nutzen. Wir sind nicht mehr im Jahr 1950 und sollten immer wieder an Gleichberechtigung erinnern.

Joanne Buchette

CSV-Gemeinderätin in Kayl-Tetingen

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