Literatur
Die Kranken, die Hilflosen und die Simulanten
Ein Drogendealer fragt sich, ob er Freunde oder nur noch Kunden hat. Eine junge Polizistin verdächtigt ihren prahlerischen Vorgesetzten, Bestechungsgelder zu kassieren. Ein musikbegeisterter Taxifahrer freut sich über eine Überlandfahrt, auch wenn diese ihn in das ihm verhasste Halle zurückführt. Und eine Spätibetreiberin wird zum sechsten Mal in zwei Jahren überfallen und knallt dem pubertären Verbrecher das Münzfach ins Gesicht.
Schriftsteller und Sänger Thorsten Nagelschmidt Foto: Verena Brüning
Thorsten Nagelschmidt belichtet das Berliner Nachtleben aus der Sicht der menschlichen Treibkräfte, die den Feierbetrieb Berlin am Leben erhalten. Während in Berlin die Touristen, Studenten und Raver feiern, arbeiten sich Türsteher, Spätibetreiber, Restaurantlieferanten, Notfallsanitäter, Taxifahrer und Drogendealer durch die Partynacht. Der Autor stellt die schonungslose Frage, auf welche humane Kosten der Ruf einer ewig jungen, wilden Großstadt geht – und schreibt in elf sich ineinander verzahnenden Schicksalsfragmenten einen erschütternden soziologischen Roman, der die Kehrseite des Berliner Hedonismus kritisch hinterfragt.