Postkolonialismus
Die Aktualität des Denkens von Frantz Fanon
Der Psychiater, Schriftsteller und große Intellektuelle Frantz Fanon, der im Juli hundert Jahre geworden wäre, hat bis heute nichts an Bedeutung verloren. Zwei Bücher von Alice Cherki respektive Philipp Dorestal würdigen den früh verstorbenen Vordenker der Dekolonialisierung.
Fanon ist nicht nur in intellektuellen Diskussionen aktuell, sondern auch bei Demos gegen Rassismus und Neokolonialismus (hier in Paris) Foto: Flickr
„Auch wenn er es gewollt hätte“, wäre Frantz Fanon nicht in der Lage gewesen, von sich zu erzählen, schreibt Alice Cherki in der Einleitung zu ihrem Buch „Frantz Fanon. Ein Porträt“. Sein Leben, das waren sein Engagement, seine Kämpfe und Leidenschaften. Wie sein Zeitgenosse Ernesto „Che“ Guevara begann Fanon, 1925 auf der Karibikinsel Martinique geboren, seine aktive Laufbahn und nicht zuletzt revolutionäre Karriere in einem anderen, ihm fremden Land. Für die „Forces françaises libres“ (FFL) kämpfte der Sohn eines Zollinspektors, dessen Familie dem Schwarzen Mittelstand angehörte, im Zweiten Weltkrieg als Freiwilliger gegen Nazideutschland. Er erlebte die Befreiung des Elsass. Doch ungetrübt war seine Freude nicht. In der Armee begegnete er dem weißen Rassismus. Mussten die schwarzen Soldaten im Krieg noch den Kopf hinhalten, wurden sie bei den Siegesfeiern in den hinteren Reihen versteckt.